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18. Januar 2016

Manipulationen im Tennis: Die große Versuchung

 Von Jörg Allmeroth
Schatten auf dem Tennis.  Foto: dpa

Auch Tennis ist anfällig für Manipulationen: Man kann „in ein paar Tagen mehr verdienen als im ganzen Jahr“. Die Verdachtsmomente sind nicht neu.

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Die Stars waren zum Auftakt der Australian Open plötzlich nur Nebendarsteller. An diesem 18. Januar wurde die Tenniswelt von einem heftigen Beben erschüttert. Die BBC und das Internetportal Buzzfeed konfrontierten die vermeintlich heile Szene mit schweren Manipulationsvorwürfen. Einige davon sind nicht neu, aber konkreter, detaillierter und auch besorgniserregender.

15 Profis aus den jeweiligen Top-50 der Weltrangliste sollen nach den neuen Berichten in den vergangenen Jahren in Spiele mit auffälligen Verläufen und auffällig hohen Wetteinsätzen verwickelt gewesen sein, darunter auch ein Wimbledon-Doppelsieger. Namen nennen BBC und Buzzfeed nicht, aber sie nennen Hintermänner: Wett-Konglomerate aus Russland und Italien.

Es geht auch um die Tatenlosigkeit der Tennisbosse, die Hinweisen auf den Betrug nicht entschlossen nachgegangen seien. Auch diese Kritik ist nicht neu, aber das macht sie nicht weniger alarmierend. Ein Match, das vor mehr als acht Jahren schon einmal für Aufsehen im Welttennis sorgte, steht auch jetzt im Zentrum der Anschuldigungen: die Partie zwischen dem einstigen ATP-Weltmeister Nikolai Dawidenko und dem Argentinier Martin Vasallo-Arguello 2007 im polnischen Sopot.


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Rund sieben Millionen Dollar wurden damals mit dieser Partie umgesetzt. Es war etwa das Zehnfache der Summe, die, wenn überhaupt, auf ein Match dieses Zuschnitts gewettet wird. Doch nicht die Summe war entscheidend, sondern die Tatsache, dass schließlich fast alle Einsätze gegen den haushohen Favoriten Dawidenko liefen, selbst noch, als der den ersten Satz gewann. Als Dawidenko schließlich im dritten Satz wegen einer Fußverletzung aufgab, wurden die Millioneneinsätze storniert. Es gab keine Wettgewinner, aber zwei Verlierer: Den sofort verdächtigten Dawidenko. Und das Tennis. Geklärt wurde die Affäre nie restlos, aber eine Schuldvermutung blieb hängen.

Auch Djokovic angesprochen

Und was noch blieb, war der Blick auf einen Sport, der für Mauscheleien und Tricksereien im milliardenschweren Wettgeschäft anfällig ist. Der auch nicht genügend tat, um die Probleme zu bekämpfen. Die Tennis Integrity Unit (TIU), die im Nachgang der ersten bekanntgewordenen Wettaffäre als Antikorruptions-Werkzeug gegründet wurde, gilt vielen in der Branche als zahnloser Tiger, personell nicht ausreichend ausgestattet – und auch nicht mit der nötigen Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit arbeitend. 18 Verfahren hat die TIU seit 2008 abgeschlossen, für Brancheninsider eher eine bescheidene Bilanz.

Fakt ist: Allen Beschwichtigungen zum Trotz hat Tennis ein Problem mit dem gigantischen Wettmarkt. Aus vielerlei Gründen. Da wäre der Umstand, dass die unerlaubten Eingriffe bei einer Einzelsportart viel leichter fallen als bei einem Teamsport. Da wäre das riesige Gehaltsgefälle im Profitennis, die märchenhaften Verdienste der Topleute gegen die fast prekären Verhältnisse in der Zweiten oder Dritten Liga – genau dort liegen ja auch meistens die Angriffspunkte der Betrüger. Bei einkommensschwachen Spielern, die bei Turnieren antreten, die selten beachtet werden, auf Challenger- oder Future-Ebene.

Wer dort mauschelt, sagte vor drei Jahren ein ATP-Profi aus Westeuropa, „kann potenziell an ein paar Tagen, mehr verdienen als mit seinem Tennis im ganzen Jahr“. Das ginge sogar, ohne den Ausgang eines Spiels zu beeinflussen: Weil Wettanbieter nämlich so ziemlich alles im Angebot haben an Wetten, etwa Einsätze auf die Dauer eines Matches (zum Beispiel drei Sätze), können sich Profis theoretisch darauf einigen, dass jeder erst mal einen Satz gewinnt und dann im dritten, entscheidenden Satz die Partie eigentlich erst beginnt.

Novak Djokovic, die Nummer eins der Branche, sagte am Montag in Melbourne, Wettbetrügereien seien ein „Verbrechen am Sport, ein krimineller Akt“. Aber er berichtete auch, wie Vertraute aus seinem Umfeld im Jahr 2007 von Mittelsmännern der Wettpaten angesprochen wurden: Es ging darum, dass Djokovic absichtlich ein Spiel in St. Petersburg verlieren sollte. Sein Gewinn dabei: 200 000 Dollar. Natürlich sei das „kategorisch“ abgelehnt worden, erzählte Djokovic.

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