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01. November 2012

Marathon New York: New York streitet um Marathon

 Von Frank Hellmann
Der New York Marathon soll auch 2012 stattfinden (Archiv von 2011).  Foto: dapd

Trotz "Sandy" wollen die Organisatoren des New Yorker Marathons den Massenlauf unter allen Umständen austragen - und verweigern verhinderten Teilnehmern ihr Startgeld. Der Ärger um das Event ist symptomatisch für eine skandalträchtige Branche.

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Vielleicht hat Gerard van de Veen einfach Glück gehabt. Jedenfalls ist sein Direktflug von Amsterdam nach New York ebenso planmäßig verlaufen wie die Anreise seines ausdauernden Mandanten Wilson Kipsang, der in die schwer verwüstete Metropole über Nairobi und London gelangt ist.Der Marathon-Dritte der Olympischen Spiele soll gemeinsam mit seinem Landsmann Moses Mosop über die gut 42 Kilometer eine Zeit um 2:06 oder 2:07 Stunden garantieren.

„New York ist mit keinem anderen Marathon zu vergleichen – dieses Rennen ist sehr speziell“, sagt van de Veen. Erst recht die diesjährige Veranstaltung. Denn es ist angesichts der tragischen Ereignisse allemal diskussionswürdig, dass diese Stadt ihr seit 1976 ausgetragenes Lauf-Event nicht fallen lässt. „Der Marathon war immer ein besonderer Tag als Symbol der Lebensfreude und des Durchhaltevermögens dieser Stadt“, sagt dagegen Rennchefin Mary Wittenberg.

Anreise für viele unmöglich

Für die auch von Bürgermeister Michael Bloomberg unterstützte Haltung hagelt es Kritik. Die einen bemängeln, dass diese Entscheidung „Ressourcen raubt“ (Lokalpolitikerin Liz Krueger), die anderen kritisieren, dass „nicht die Zeit für eine Parade ist“ (Stadtbezirks-Präsident James Molinaro).

Zum Start an der Verrazano Narrows Bridge scheint zudem das Chaos programmiert: Etliche der 20.000 Hobbyathleten aus der ganzen Welt (davon 2.000 aus Deutschland) können gar nicht anreisen; und wie sie nach Staten Island kommen sollen, wo dorthin weder die Fähre noch die U-Bahn verkehrt, gilt als Rätsel. Fest steht: 47 000 Finisher wie im Vorjahr wird es nicht geben. Die geschäftstüchtige Wittenberg wird übrigens verhinderten Teilnehmern nicht die 347 Dollar Startgeld zurückerstatten, sondern ihnen nur einen Start im nächsten Jahr einräumen.

Die Turbulenzen passen gut zu einer Branche, der heftiger Gegenwind ins Gesicht weht. Vor allem die diesjährigen Dopingenthüllungen haben die Marathon-Szene aufgeschreckt. Seitdem der überführte kenianische Weltklasseläufer Mathew Kisorio gegenüber der ARD aussagte, verdichten sich die Indizien für einen Betrugsfall. Dass sich in der Weltbestenliste die ersten 58 Plätze bei den Männern auf Kenianer und Äthiopier paritätisch verteilen, ist nicht neu. Verdächtig aber, dass deren Zeiten im Schnitt rund drei Minuten besser sind als vor zehn Jahren.

Viele Gerüchte

Offenbar haben sich direkt in der Nähe der Trainingszentren im kenianischen Hochland Ärzte niedergelassen, die den Athleten gegen ein geringes Entgelt Medikamente geben. Nur auf außerordentlichem Talent und hartem Training basiert die absurde Tempojagd nach ARD-Recherchen nicht. Oder doch?

„Es ist eine sehr gefährliche Diskussion im Gange, in der es zu viele Gerüchte gibt“, entgegnet der Manager van de Veen. Der frühere Immobilienhändler verweist reflexartig darauf, dass Kipsang genau wie sein Spitzenläufer Geoffrey Mutai, der Berlin-Sieger, ständigen Dopingkontrollen unterzogen würde.

Aber was sind die wert, wenn der Internationale Leichtathletik-Weltverband (IAAF) bis heute keine funktionierenden Blutkontrollen garantieren kann? Der Doping-Experte Bengt Saltin bemängelte bereits, „dass die Kenianer viel höhere Blutwerte aufweisen als früher“.

Der kenianische Verband möchte das Problem auf seine Weise lösen: Verbandspräsident Isaiah Kiplagat will Journalisten aus Europa ein Einreiseverbot erteilen.

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