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18. Dezember 2012

Marco Kurz neuer Trainer in Hoffenheim: Die Kraft der Freundschaft

 Von Jan Christian Müller
Marco Kurz. Foto: dpa

Den Hoffenheimer Manager Andreas Müller und den neuen Trainer Marco Kurz verbindet mehr als eine erfolgreiche Vergangenheit.

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Auf dem Fußballplatz haben die ehemaligen Profis Marco Kurz und Andreas Müller zuletzt vor vierzehneinhalb Jahren gestanden. Es gab am 33. Spieltag der Saison 1997/98 ein tristes 0:1 von Schalke 04 bei 1860 München. Müller wurde in der 58. Minute ausgewechselt, Kurz sah eine Minute später die Gelb-Rote Karte. Dieses gemeinsame Wirken klingt trostloser, als es tatsächlich war. Denn die beiden rechtschaffenen Fußarbeiter hatten da schon Großes erreicht: Beide gehören sie zu jenem unvergessenen Kader der Schalker Eurofighter, die 1997 unter Trainer Huub Stevens gegen Inter Mailand den Uefa-Cup holten.

„Wir waren eine tolle Gruppe“, erinnerte sich Kurz voriges Jahr im Interview mit der Frankfurter Rundschau und berichtete weiter, „Jens Lehmann und Andi Müller“ seien „zu echten Freunden geworden“, was „außergewöhnlich im Profibereich“ sei. Außergewöhnlich ist es im Profibereich allerdings nicht, dass alte Bekanntschaften sich beruflich positiv auswirken. Marco Kurz dürfte es auch seinem Vertrauensverhältnis zu Müller zu verdanken haben, dass der Sportchef von 1899 Hoffenheim den in der vergangenen Saison beim 1. FC Kaiserslautern im Abstiegskampf beurlaubten 43-Jährigen nun als Retter in der Not verpflichtete.

Sensationeller siebter Platz

Es wäre indes unfair, das Wirken von Kurz in Kaiserslautern auf die völlig verkorkste Abstiegsspielzeit zu reduzieren. Zuvor hatte er mit den Pfälzern den Aufstieg aus der zweiten Liga und sodann geradezu sensationell Platz sieben erreicht. Doch dann ging das Momentum verloren, Vorstandschef Stefan Kuntz holte Spieler, die Trainer Kurz nicht zu einem homogenen und torgefährlichen Team formen konnte. Am Ende wirkte er ratlos.

In Hoffenheim wird der in Stuttgart geborene Kurz, dessen Eltern nach wie vor in der Landeshauptstadt zu Hause sind, an diesem Mittwochmorgen offiziell vorgestellt. Er bevorzugt einen rustikalen Spielstil, hat dem 1. FC Kaiserslautern allerdings auch zu einer ansehnlichen, durchaus mutig offensiv ausgerichteten Spielkultur verholfen.

Das gelang dem Mann mit den markanten Gesichtszügen im Aufstiegsjahr auch deshalb, weil Christian Tiffert eine überragende Rolle spielte, ehe der Mittelfeldspieler in der Folgesaison nicht mehr annähernd sein Potenzial ausschöpfen konnte, und von Trainer Kurz und Manager Kuntz das Vertrauen entzogen bekam.

Auch bei seiner ersten Profistation als Trainer gelangen Kurz mit dem Zweitligisten 1860 München zunächst erstaunliche Erfolge, ehe er nach zwei Jahren beurlaubt wurde.

Die Vielzahl der Hoffenheimer Fans reagierten in den Foren enttäuscht über die Personalie. Weniger Zustimmung als Kurz hatten in Umfragen der Rhein-Neckar-Zeitung kein anderer Kandidat erhalten. Der Großteil der Anhänger hatte insgeheim sogar gehofft, der Klub wäre in der Lage gewesen, Ralf Rangnick zurückzuholen.

Stattdessen soll es der gänzlich unprätentiöse Kurz richten, der auch nach dem Sensationserfolg mit Rang sieben in Kaiserslautern nie in einem Atemzug mit in der Außendarstellung aufregenderen Fußballlehrern wie Thomas Tuchel oder Jürgen Klopp genannt wurde, sicher auch, weil seine Rhetorik sich auf das wesentliche Fußballvokabular zu beschränken pflegt.

Der Fünfte nach Rangnick

Marco Kurz ist nach dem Rücktritt von Rangnick vor zwei Jahren bereits der fünfte 1899-Trainer. Weder der fachkundige, aber farblose Marco Pezzaiuoli noch der beliebte Kumpeltyp Holger Stanislawski, dessen auf ganzer Linie gescheiterte Nachfolger Markus Babbel oder zuletzt der nun wieder zurück in die Hoffenheimer U23-Mannschaft kehrende Interimscoach Frank Kramer waren in der Lage, der Mannschaft zu Stabilität zu verhelfen.

Kurz, der auch mit dem einstigen Eurofighter und aktuellen Fürther Trainer Mike Büskens ein außergewöhnlich gutes Verhältnis pflegt, hat mit einem wenig sensibel austarierten Kader eine Herkulesaufgabe zu meistern. Zu seinen Stärken gehörte es in Kaiserslautern geraume Zeit, der Gruppe zu einem besonderen Gemeinsinn zu verhelfen. Diese Fähigkeit dürfte auch in Hoffenheim gefragt sein. Kurz hat die Kraft der Gemeinschaft seinerzeit bei Schalke 04 erlebt: „Der Zusammenhalt damals war klasse. Wir waren ein verschworener Haufen. Aber das muss auch so sein, um Erfolg zu haben.“

Nach Lage der Dinge deutet viel darauf hin, dass es im kommenden Mai ausgerechnet zwischen Kurz´ neuem Klub und seinem vormaligen Arbeitgeber zu zwei entscheidenden Relegationsduellen kommt. Insoweit könnte die Verpflichtung des Kaiserslautern-kundigen Marco Kurz eine Entscheidung von besonderer Weitsicht gewesen sein.

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