Aktuell: Eintracht Frankfurt | Blog-G | Fußball-News | Formel 1 | Skyliners-Blog | Sport A-Z

Sport
Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker

04. Mai 2011

Mönchengladbach: Der Tiger springt kurz

 Von Daniel Theweleit
Wollen Borussia Mönchengladbach führen: Norbert Kox, Stefan Effenberg, Horst Köppel, Martin Schmuck und Georg Hendricks (von links). Foto: Getty

Stefan Effenberg will Sportchef in Mönchengladbach werden, drischt bei seiner Vorstellung aber vor allem Phrasen.

Drucken per Mail

Es ist Wahlkampf am Niederrhein. Draußen vor dem Hotel am Stadtrand, wo die „Initiative Borussia“ zur Diskussion lud, hatte sich eine andere Oppositionsgruppe, die „Mitgliederoffensive“ aufgebaut. „Initiative? Nein Danke!“ stand auf einem großen Transparent, und unter den Scheibenwischern der Fahrzeuge im Umkreis von ein paar hundert Metern klemmten Flyer. Mit der Forderung nach einem größeren Einfluss der Fans und Argumenten gegen die Vereinsführung von Borussia Mönchengladbach, aber auch gegen die drinnen tagenden Herren. Gegen jene Partei also, die im vorigen Herbst gegründet wurde und sich nun mit Haut und Haaren einem Mann unterwirft: Stefan Effenberg, der als Sportdirektor und Geschäftsführer der neue starke Mann des Traditionsklubs werden soll. Und Effenberg ist siegesgewiss: „Hier muss sich endlich etwas ändern. Ich habe mir das lange genug angesehen. Ich stehe lieber auf und packe an, anstatt immer nur zu reden.“

Der Plan der „Initiative Borussia“ sieht vor, auf der Jahreshauptversammlung am 29. Mai eine Zweidrittelmehrheit für eine Satzungsänderung zu organisieren. Das würde die Einberufung eines außerordentlichen Mitgliedertreffens ermöglichen, auf dem dann die gegenwärtige Vereinsführung abgewählt werden könnte, um den Weg für Effenberg zu ebnen. Und für Horst Köppel, den ehemaligen Spieler und Trainer der Borussia, der für das Amt des Präsidenten vorgesehen ist.

Nun hatte die Initiative also geladen, um ihr Konzept nach allerlei Medienwirbel mit inhaltlicher Substanz zu unterfüttern. Mit dünnen Lippen versuchte Effenberg, die rund 50 Reporter zu überzeugen, doch die konkreten Pläne blieben vage. Statt ein Konzept zu präsentieren, griff Effenberg an allen neuralgischen Punkten auf Politikerphrasen zurück. „Wir werden Worten Taten folgen lassen, dafür stehe ich mit meinem Namen“, rief er.

Privatier und TV-Experte

Immer wieder kreiste das Gespräch um den Begriff „Kompetenz“, Effenberg ist ohne jede Erfahrung als Verantwortungsträger in einem Fußballklub. „Sportliche Kompetenz ist bei mir vorhanden, ich denke das ist unbestritten“, glaubt der 42-Jährige, auch wenn er im Gegensatz zu anderen Fußballern seiner Generation keine Ausbildungsnachweise, Hospitanzen oder Praktika vorweisen kann. Effenberg hat sich in den sieben Jahren nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn als Privatier und TV-Experte durchgeschlagen.

Auf die Frage, worin denn seine Kompetenz bestehe, trug er zwei Punkten vor. „Ich glaube dass ich durch meinen Namen und meine Beziehungen national und international vieles im Verein verbessern kann“, sagte er, „es ist ja kein Geheimnis, dass Rudi Völler und Reiner Calmund ,Big Buddys´ von mir sind.“ Außerdem werde ein prominent besetzter Sportbeirat ihn unterstützen. Wer diesem Gremium angehören soll, verriet er nicht. Vor allem aber will der gebürtige Hamburger die Qualitäten des Spielers „Tiger“ Effenberg zur Geltung bringen. „Der Wille, es schaffen zu wollen, ist fast wichtiger als Talent“, verkündete er, und ein paar vereinzelte Fans in den hinteren Reihen des Saales klatschten begeistert in die Hände. Präsidentschaftskandidat Köppel behauptete gar: „Unser Team wird eine sportliche Kompetenz haben wie kaum ein anderer Bundesligaverein.“

Putschisten mit breiter Brust

An Selbstvertrauen fehlt es den Putschisten also nicht, Effenbergs Maßstab sind die ganz Großen der Branche. Der Champions League-Gewinner von 2002 erwähnte Uli Hoeneß, den langjährigen Manager von Bayern München, Rudi Völler, den Manager von Bayer Leverkusen, Klaus Allofs von Werder Bremen und Horst Heldt, der für Schalke 04 arbeitet, als Vorbilder. Auch diese Leute seien einst ohne Managererfahrung in erfolgreiche Funktionärskarrieren gestartet.

Es ist eine hoch emotionalisierende Kampagne, die flankiert wird von wichtigen Zeitungen und dem Bezahlsender Sky, der Effenberg eine prominente Plattform für sein Vorhaben bietet. Im Klub wird das Unbehagen immer größer. Zuletzt argumentierte der Verein gegen die Initiative, indem auf die Gefahr hingewiesen wurde, dass Effenberg und seine Leute, Klubanteile verkaufen wollten. Das hatte große Sorgen unter den Fans ausgelöst.

Diese Furcht entkräftete die Initiative am Dienstag, indem sie notariell festlegen ließ, dass dieses Szenario in keinem Fall eintrete. Das Mönchengladbacher Fanprojekt reagierte gleichwohl auffällig zurückhaltend auf Effenbergs Vorstoß: „Wir sind enttäuscht von dem, was präsentiert worden ist. Es waren wieder nur Worthülsen, aber keine Konzepte“, sagte der Vorsitzende Thomas Ludwig, „wir Fans werden weiter als Stimmvieh reduziert, das sich schon durch Effenbergs Worte einfangen lassen wird.“

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Ressort

Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker.