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22. März 2013

Nationalelf in Kasachstan WM Qualifikation: Löw und die Stürmer

Die zwei Verbliebenen: Klose (l.) und Gomez. Foto: imago sportfotodienst

Deutschland ist im Fußball immer eine Stürmernation gewesen: Früher gab es Müller, Seeler, Hrubesch, Völler, Klinsmann, Bierhoff; heute Klose und Gomez. Doch die Spezies hat es schwer, auch Bundestrainer Löw liebäugelt mit einem Angriff ohne Stürmer.

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Deutschland ist im Fußball immer eine Stürmernation gewesen: Früher gab es Müller, Seeler, Hrubesch, Völler, Klinsmann, Bierhoff; heute Klose und Gomez. Doch die Spezies hat es schwer, auch Bundestrainer Löw liebäugelt mit einem Angriff ohne Stürmer.

Zwei Stürmer, ein Stürmer, kein Stürmer: Joachim Löw war auf der Dienstreise nach Kasachstan darum bemüht, die von ihm selbst entfachte Angreifer-Debatte in der deutschen Nationalmannschaft wieder ein wenig einzudämmen. „Die Diskussion wird mir generell zu hoch gehängt“, erklärte der Bundestrainer in Astana, wo die Frage Götze oder Gomez zum alles beherrschenden Thema vor dem WM-Qualifikationsspiel am Freitagabend geworden war.

Eilig versicherte Löw: „Natürlich brauchen wir Spieler wie Mario Gomez oder Miroslav Klose. Diese Stürmer will man nicht abschaffen.“ Der Bundestrainer hatte damit auf Aussagen von Bayern-Torjäger Gomez reagiert, der den klassischen Mittelstürmer - und damit auch sich selbst - keineswegs als Auslaufmodell im modernen Fußball betrachtet.

„Mindestens 95 Prozent der Topteams im Weltfußball spielen immer noch mit einem richtigen Stürmer. Und 99 Prozent der Trainer sind froh, wenn sie einen Killer im Team haben“, hatte Gomez, den Löw einst selbst als „Tormaschine“ tituliert hatte, eingeworfen.

Klose steht hoch im Kurs

„Selbstverständlich braucht man vorne Spieler, die Tore erzielen können“, räumte Löw ein. Aber über diese Qualität verfügen im DFB-Team nach Ansicht des Bundestrainers auch die vielen wuseligen Offensivspieler wie Mario Götze, Mesut Özil, Marco Reus oder Thomas Müller. „Wichtig ist, dass man variieren kann und unterschiedliche Spielertypen hat“, hob der 53 Jahre alte DFB-Chefcoach hervor.

Löw reagiert auf Entwicklungen und aktuelle Gegebenheiten. Der von ihm immer noch hochgeschätzte Torjäger-Veteran Klose fehlt nach einer Knieverletzung in den zwei Qualifikationspartien gegen die Kasachen. Und beim Anpfiff der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien wird der verletzungsanfälliger gewordene Klose immerhin schon 36 Jahre alt sein. Als echte Alternative zu Klose gibt es im Kader aber nur Gomez, weil Löw von den internationalen Qualitäten des Leverkusener Torjägers Stefan Kießling einfach nicht überzeugt ist.

Wegen dieser Ausgangslage, die durch mangelnden Nachwuchs in den U-Mannschaften des DFB verschärft wird, liebäugelt Löw intensiver mit dem spanischen System ohne klassischen Mittelstürmer. Es ist für ihn die logische Alternative. Zumal das Offensivspiel der Gegenwart neue Lösungen erfordert. „Vorne braucht man Spieler, die gut den Ball verarbeiten können, wenn es eng wird“, erläuterte Löw.

Als er nach der WM 2006 in Deutschland das Bundestraineramt von Jürgen Klinsmann übernahm, gab es noch zwei feste Planstellen im Angriff des DFB-Teams. Klose/Podolski hieß die Erstbesetzung. Es gab zudem Kevin Kuranyi, später Gomez. Bei seinem ersten großen Turnier, der EM 2008, verblüffte Löw dann beim 3:2-Sieg im Viertelfinale gegen Portugal mit der Umstellung auf das 4-2-3-1-System mit nur noch einem Angreifer (Klose). Diese Formation entwickelte sich anschließend zur Standard-Taktik der Nationalelf. Die meisten Nationen und Topvereine spielen ebenfalls seit Jahren so.

Kein klassisches Stürmertraining mehr

Deutschland ist im Fußball immer eine Stürmernation gewesen. Müller, Seeler, Hrubesch, Rummenigge, Völler, Klinsmann, Bierhoff, Klose, Gomez - die Liste der Torjäger ist lang. Doch die Spezies scheint bedroht, weil sie im Fußball des 21. Jahrhunderts weniger benötigt wird und in der zurecht hochgelobten Talentförderung des DFB und der Bundesligavereine die Ausbildung von neuen Kloses versäumt worden ist.

Einen Erklärungsansatz liefert DFB-Sportdirektor Robin Dutt in der „Süddeutschen Zeitung“ (Freitag): „Es gab plötzlich viele neue und gruppendynamische Trainingsformen, mit denen technisch hervorragende Talente wie Özil, Götze und Co. hervorgebracht wurden. Aber das klassische Stürmertraining war vielleicht nicht mehr so vorhanden.“

Gomez jedoch ist überzeugt davon, dass der WM-Titel 2014 nicht ohne Typen wie ihn gewonnen werden kann. „Irgendwann benötigt jede Mannschaft einen, der Tore schießt. Sonst gewinnst du nämlich kein Spiel. Ich denke, jede Mannschaft braucht einen Killer.“ (dpa)

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