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29. November 2010

Neue Fakten im Korruptions-Skandal: Die tiefen Taschen der Fifa-Funktionäre

 Von Jens Weinreich
Fifa-Boss Sepp Blatter vor dem Hauptquartier in Zürich.  Foto: REUTERS

Topfunktionäre des Fußballweltverbands Fifa und des IOC ließen sich offenbar über Tarnfirmen mit Millionen schmieren. Das Schlimmste dabei: die dokumentierten Skandale dürften nur die Spitze des Eisbergs sein.

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Der größte Korruptionsskandal der Sportgeschichte wird um ein spektakuläres Kapitel erweitert und bringt nicht nur den Fußball-Weltverband Fifa, sondern auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Erklärungsnot. Nach Recherchen der BBC liegen neue Fakten vor. Mindestens drei Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees erhielten Schmiergelder in Millionenhöhe von der ehemaligen Sportmarketingagentur ISL/ISMM: Brasiliens Verbandschef Ricardo Teixeira, Nicolas Leoz aus Paraguay, Chef der südamerikanischen Fußball-Konföderation Conmebol, und Issa Hayatou aus Kamerun, Präsident des afrikanischen Konföderation CAF. Hayatou ist IOC-Mitglied wie zwei weitere genannte Schmiergeldempfänger: Fifa-Ehrenpräsident João Havelange (Brasilien) und Lamine Diack (Senegal), Präsident des Leichtathletik-Weltverbands IAAF.

Von Teixeira, Havelange und Leoz waren andere Vergehen bereits bekannt. Neu sind die Namen Hayatou und Diack. Neu sind auch die Summen. Es geht um insgesamt mehr als 140 Millionen Schweizer Franken. Drei Tage vor der Entscheidung des Fifa-Exekutivkomitees über die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 wird das Prozedere zur Farce. IOC und Fifa argumentierten bislang, da der Erhalt von Bestechungsgeldern im fraglichen Zeitraum von 1989 bis 2001 nicht strafbar gewesen sei, gebe es keinen Grund für Sanktionen.

Teixeira war der Top-Verdiener


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Im Juni 2010 war ein Deal zwischen der Staatsanwaltschaft Zug und der Fifa bekanntgeworden. Der Weltverband zahlte 5,5 Millionen Franken an die Staatskasse – die Ermittlungen zum ISL-Skandal wurden eingestellt. Die Namen der bestechlichen Funktionäre sollten geheimbleiben. Gemäß der Unterlagen, die dieser Zeitung vorliegen, war Ricardo Teixeira der Top-Verdiener. Er erhielt von der ISL über Tarnfirmen bis 1999 rund 9,5 Millionen US-Dollar. Weitere 2,5 Millionen, das war schon bekannt, kassierte er zwischen 1999 und 2001.

Teixeiras Vergehen sind Legende und unter anderem in Untersuchungsberichten des brasilianischen Parlaments nachzulesen. Doch er genießt doppelte Protektion: daheim von der Politik, in der Fifa von Präsident Joseph Blatter. Erst vor zwei Wochen hatte das brasilianische Magazin Lance enthüllt, dass Teixeira als Präsident des brasilianischen Verbandes CBF und Chef des WM-Organisationskomitees 2014 Verträge mit sich selbst abgeschlossen hat, die ihm große Teile eines etwaigen WM-Profits garantieren.

Für Teixeiras einstigen Schwiegervater Havelange, Fifa-Präsident von 1974 bis 1998, ist am 3. März 1997 eine Zahlung von 1,5 Millionen Franken verzeichnet. Sie erfolgte ein dreiviertel Jahr nachdem die ISL-Gruppe gemeinsam mit dem Münchner Rechtehändler Leo Kirch unter skandalösen Umständen für 2,8 Milliarden Franken die TV-Vermarktung der Weltmeisterschaften 2002 und 2006 erworben hatte. 1997 sicherte sich die ISL unter ebenso dubiosen Umständen auch die Vermarktung der WM-Sponsorenrechte in Höhe von einer knappen Milliarde Franken.

"Peanuts" gab es in Cash

Für Nicolas Leoz, seit 1986 Südamerikas Fußballchef, sind 864 000 Franken Schmiergeld notiert. Hinzu kommen jene 211 625 Franken, die schon länger bekannt waren. Hayatou und Diack kassierten vergleichsweise Peanuts. Hayatou erhielt 1995 einmal 24 700 Franken in bar, Diack 52 680 Franken Cash in drei Tranchen.

Der Schmiergeldbote des ISL-Konzerns, Jean-Marie Weber, ist bis heute für Hayatou und Diack tätig, als Berater des CAF und der IAAF. Das neu aufgetauchte Dokument erfasst 175 Zahlungen zwischen 1989 und 1999 in einer Gesamthöhe von 122 587 308,93 Schweizer Franken. Schon im ISL-Strafprozess im Frühjahr 2008 in Zug hatte ein Richter von 120 Millionen Franken Schmiergeld gesprochen – zusätzlich zu den 18 Millionen, die Gegenstand des Prozesses waren.

Nun sind also mehr als 140 Millionen Franken Bestechungsgeld dokumentiert. Auch das dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein. Im Gegenzug haben die Sportfunktionäre der ISL Milliardenaufträge verschafft: Sponsorenverträge, Marketingrechte, TV-Rechte. Die Zahlungen liefen meist über Tarnfirmen und Stiftungen. Es war ein ausgeklügeltes System, an dem Anwälte, Steuerberater, renommierte Buchprüfungsfirmen und sogar die eidgenössische Steuerverwaltung mitgewirkt haben.

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