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23. Mai 2011

NHL: Playoff-Halbfinale: Vancouver vor Finaleinzug

 Von Matti Lieske
Schwarzer Hai: Ballard (Vancouver) lässt McGinn fliegen.  Foto: rtr

Die Canucks holen auch ohne den deutschen Verteidiger Christian Ehrhoff den dritten Sieg gegen die San Jose Sharks. Ein starkes Überzahlspiel und ein überragender Goalie sind der Schlüssel zum Erfolg.

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Es waren vermutlich die merkwürdigsten zwei Minuten in der Playoffgeschichte der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL, welche die Zuschauer im Eispavillon von San Jose am Sonntag geboten bekamen.

Man darf davon ausgehen, dass sie ihnen nicht besonders gut gefallen haben. Nachdem ihr Team, die San Jose Sharks, fünf Strafzeiten des Gegners Vancouver Canucks nicht zum Torerfolg hatten nutzen können, wanderten im zweiten Drittel auf ihrer Seite kurz hintereinander Dan Heatley und Torrey Mitchell auf die Strafbank.

Zehn Sekunden später jagte Vancouvers Ryan Kesler den Puck zum 1:0 ins Netz. Kurz danach hatte die Sharks zu viele Spieler auf dem Eis, diesmal dauerte es 16 Sekunden, bis Sami Salo zum 2:0 traf. Und als dann Verteidiger Douglas Murray eine Spielverzögerungsstrafe kassierte, weil er den Puck absichtlich über die Seitenbegrenzung schlenzte, vergingen noch einmal zehn Sekunden, und es stand 3:0, erneut traf Salo.

Drei 5:3-Überzahl-Tore in einem Playoff-Match hatte es zuvor noch nie gegeben in der NHL-Historie, schon gar nicht binnen knapp zwei Minuten. „Wir gingen zur Strafbank, der Puck ging ins Tor“, sagte lakonisch Sharks-Coach Todd McLellan.

Es war auch sonst eine merkwürdige Partie, dieses vierte Aufeinandertreffen in der Halbfinalserie um den Stanley Cup. Am Ende gewann Vancouver 4:2, obwohl es die meiste Zeit ein Spiel auf ein Tor gewesen war – und zwar auf das der Canucks. Lediglich 13 Schüsse bekam San Joses Keeper Antti Niemi auf seinen Kasten, doch vier davon waren drin. Sein Gegenüber Roberto Luongo hingegen wehrte 33 Schüsse ab und hatte nur zweimal das Nachsehen, im letzten Viertel, als die Sache praktisch gelaufen war. Vancouver führt nun in der Serie mit 3:1 und könnte heute in eigener Halle den dritten Einzug in das Finale um den Stanley Cup perfekt machen.

Mit starkem Luongo auf dem Weg zum ersten Cup-Sieg

Gewonnen hat das kanadische Team die Meisterschaftstrophäe noch nie, 1982 verlor man gegen die New York Islanders, 1994 gegen die New York Rangers. Ein Team vom Big Apple wird diesmal immerhin auf keinen Fall der Gegner sein, sondern entweder Tampa Bay Lightning oder die Boston Bruins. Aber auch sonst rechnen sich die Fans der Canucks beste Chancen aus.

Schon als Vancouver im vergangenen Jahr den Olympiasieg des kanadischen Teams feierte, war der Gedanke an die Canucks stets präsent, und nicht wenige Bewohner der Stadt betrachteten die Goldmedaille nicht als Verdienst des Siegtorschützen Sidney Crosby, sondern des Keepers Luongo.

Schon in den beiden Vorjahren gehörten die Canucks nach starken Saisonleistungen zu den großen Favoriten auf den Stanley Cup, scheiterten aber zum Entsetzen ihrer Anhänger jeweils im Viertelfinale an den Chicago Blackhawks. Diese räumten sie diesmal in Runde eins aus dem Weg und servierten danach die Nashville Predators ab. Dies, obwohl die schwedischen Brüder Henrik und Daniel Sedin, NHL-Topscorer der vorletzten (Henrik) und letzten (Daniel) Saison, gegen Nashville plötzlich auf unerklärliche Weise schwächelten.

Dafür sprangen Leute wie der überragende Stürmer und Torschütze Ryan Kesler oder der deutsche Verteidiger Christian Ehrhoff, der in San Jose wegen einer Verletzung fehlte, in die Bresche. Pünktlich zum Halbfinale fanden aber auch die Sedins ihre Form wieder. Am Sonntag beim 4:2 gegen die Sharks lieferten sie zusammen sieben Assists. „Du musst einfach dran bleiben und hoffen, dass die anderen großartig spielen“, sagte Henrik Sedin, „wenn du hart arbeitest, ändern sich die Dinge auch wieder.“

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