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23. November 2012

OFC: Pöbelnde Prügelknaben

 Von Sebastian Rieth
Den OFC im Herzen? Frank Ruhl (links) und Remo Kutz in der hr-Sportsendung „Heimspiel“. Foto: Pressefotografie Storch, Bad Hg.

„Ich habe ihm einen Arschtritt verpasst“: Der Streit bei den Offenbacher Kickers unterbietet jedes Niveau. Der Verein steht am Abgrund.

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Am Tag danach waren die Wogen noch längst nicht geglättet. Im Lager des Fußball-Drittligisten Kickers Offenbach schießt man weiter scharf. „Er hat dummes Zeug geredet und dem Verein immens geschadet“, sagt Präsident Frank Ruhl und meint seinen Widersacher Remo Kutz. „Dieser Mann ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich hier engagieren“, sagt Kutz und meint natürlich Ruhl. Wie die FR exklusiv berichtete, war der seit geraumer Zeit mehr oder minder öffentlich ausgetragene Streit der beiden Unternehmer am Donnerstagabend auf einer Sponsorenveranstaltung eskaliert. Es gab wüste Beschimpfungen und tätliche Übergriffe. Ein Verein zerfleischt sich selbst. Aber der Reihe nach.

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Des Pudels Kern ist die finanzielle Schieflage des Klubs. Als Ruhl und Kutz noch gemeinsam im Senatorenklub des Vereins, einer exklusiven Runde gut betuchter Unternehmer, saßen, traten erstmals Unstimmigkeiten darüber auf, wie man den defizitären Klub retten und wieder salonfähig machen könne. Während in der Politik Kompromisse zum Tagesgeschäft gehören, waren sie den beiden Streithähnen ein Gräuel. Keiner gab auch nur einen Zentimeter nach, keiner zeigte Einsicht. Bald waren persönliche Eitelkeiten im Spiel, es ging um Vertrauensbruch.

OFC am Abgrund

Insgesamt schiebt die OFC Kickers GmbH einen Schuldenberg von 4,7 Millionen Euro vor sich her, der bei einem Aufstieg in die zweite Liga aufgrund sogenannter Besserungsscheine sogar auf sechs Millionen anwachsen würde. Jüngst machten Gerüchte die Runde, der Klub könne nur noch mit Hilfe eines neuen Investors oder durch einen Sieg im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Fortuna Düsseldorf eine Insolvenz im Februar abwenden. Präsident Ruhl entgegnet scharf: „Das ist überhaupt kein Thema.“

Viel zu lange hat man beim chronisch klammen Traditionsklub von der Hand in den Mund gelebt. So klaffte bei der Lizenzierung zum Ende der Saison 2009/ 2010 ein derart großes Loch, dass man am letzten Tag der Frist Mittelfeld-Talent Sebastian Rode für nur 350.000 Euro an Eintracht Frankfurt verkaufen musste. In Verhandlungen ohne Zeitdruck wäre sicher mehr drin gewesen. (FR)

Dabei ist die Lage beim OFC für jedweden Zank viel zu prekär. Erst kürzlich sperrte die Sparkasse für einen Tag die Konten, weil Gläubiger ihr Geld verlangten. Dass einige Gehälter der Spieler und des Funktionsteams augenscheinlich verspätet gezahlt wurden, kann Ruhl erklären: „Wir zahlen nicht zum Ersten im Monat, sondern haben einen Zeitraum von zehn Tagen vereinbart.“ Bei dem einen komme das Geld früher, bei dem anderen später an. Das sei nicht weiter verwunderlich.

Auch dafür, dass die als Wahlgeschenk verpackten 50.000 Euro des Senatorenklubs noch nicht bei der Jugendabteilung angelangt sind, nennt Ruhl Gründe. 35.000 Euro seien unmittelbar nach seiner Wahl in bar geflossen und aufs Konto des Vereins eingezahlt worden. „Das hatte aber das Finanzamt gepfändet“, sagt der Präsident. Weg war das Geld.

Ringen um den Kurs

Hinter den Kulissen rangen Ruhl und Kutz immer wieder um den richtigen wirtschaftlichen Kurs. Beide kandidierten fürs Präsidentenamt. Die Entscheidung am 20. September gewann Ruhl deutlich. Nun werfen viele dem unterlegenen Kutz einen Rachefeldzug vor. Am Donnerstagabend eskalierte ausgerechnet auf einer Sponsorenveranstaltung der Streit, als Kutz einen Kontoauszug in die Höhe hielt und den Präsidenten bezichtigte, sich trotz der angespannten Lage seine fälligen Zinsen von gut 7000 Euro ausgezahlt zu haben. „Ich muss das beim Finanzamt geltend machen“, entgegnete Ruhl.

Danach ging es vor den Augen der Mannschaft und den Sponsoren hoch her. IT-Berater Kutz wurde auf das Übelste beschimpft, sogar tätlich angegangen. Seine Unterlagen wurden zerrissen. Donato Cisternino, Mitglied des Senatorenklubs, gibt zu: „Ich habe ihm einen Arschtritt verpasst. Aber ich habe ihn nicht geschlagen.“ Das aber behauptet Kutz und stellte Strafanzeige.

Kickers-Präsident Ruhl beteuert, von den Übergriffen nichts mitbekommen zu haben. Für viele war der Abend beschämend, einer der Anwesenden sagte: „Das sind nicht mehr meine Kickers.“ Für Kapitän Sead Mehic kam alles „sehr überraschend“. Und Jörg Siebert, Chef des Aufsichts- und Verwaltungsrats, sagte: „So etwas in einer öffentlichen Diskussion auszutragen, halte ich für hanebüchen. Diese Eskalation ist alles andere als gut.“ Das hat er noch sehr wohlwollend formuliert.

Unmut unter den Sponsoren

Ruhl schießt weiter gegen Kutz: „Dass er so einen Mist erzählt, damit habe ich nicht gerechnet. Wir haben hier einen Scheißhaufen geerbt – das kann man uns doch nicht zum Vorwurf machen.“ Sein Widersacher, dem der Klub künftig den Zutritt zum Stadion verwehrt, sieht das natürlich anders. Kutz bezichtigt den Präsidenten der Lüge und rechtfertigt seinen Auftritt: „Sonst habe ich nicht die Möglichkeit, mich in der Öffentlichkeit zu wehren.“

Der Flurschaden, den der Abend hinterließ, ist noch gar nicht zu überschauen. Wie die FR erfuhr, wächst der Unmut unter den Sponsoren. Lange werden sie das Possenspiel nicht mehr hinnehmen. Ausgerechnet vor den solventen Kunden ist man wie ein Haufen pöbelnder Prügelknaben aufgetreten. Wer will da noch in den ums nackte Überleben kämpfenden Klub investieren? Allzu viele werden es nicht sein.

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