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22. November 2015

Olympische Spiele Rio: Ausländische Dienste sollen helfen

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Bei Ihnen in Berlin ist die Polizei doch auch nicht besser als hier“, sagt er, „aber die Gesellschaft ist besser dran.“  Foto: REUTERS

Die Anschläge von Paris stellen auch die Olympia-Organisatoren in Rio vor neue Probleme.

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Anne Cristine Poinchon, französische Polizistin im Rang eines Leutnants, bemüht sich redlich, das Interesse der Journalisten zu befriedigen – aber die stellen Fragen, die sie nicht beantworten kann. Seit 2009 kooperiert die französische Polizei mit den brasilianischen Kollegen vom „Batalhão de Choque“ in Rio de Janeiro. Wie sich diese Einheit, die bei Unruhen eingesetzt wird, auf die Olympischen Spiele in Rio vorbereitet hat, wollten beide Seiten der Presse zeigen.

Doch nach den Pariser Anschlägen interessiert die Übung der rabenschwarz ausstaffierten Männer im Rauchkerzennebel kaum noch – alle wollen von Frau Poinchon wissen, ob Brasilien die Spiele vor Terrorattacken schützen kann. Aber das weiß sie auch nicht. „Man kann sich nicht auf alles vorbereiten“, spricht sie in die Mikrofone, „man muss sich auf alles einstellen.“

Brasilien ist ja kein Ziel des internationalen Terrorismus – diese, gelinge gesagt, leichtfertige Ansicht, die viele Verantwortliche noch zur Fußball-WM 2014 zum Besten gaben, ist heute nur noch selten zu hören. „Terrorakte waren immer unsere allergrößte Sorge“, sagt José Mariano Beltrame, der Sicherheitsminister der Landesregierung von Rio, im Hinblick auf die Spiele 2016, „wir können uns nicht zurücklehnen und sagen, Terror hat in Brasilien keine Geschichte.“

Beltrame hat das auch nie gemacht. Seit 2007 im Amt, ist er der angesehenste Sicherheitspolitiker des Landes. Mit seinem Namen verbindet sich die Politik zur Befriedung der Favelas, die weltweit Anerkennung findet, trotz vieler Zweifel, Pannen und Rückschritte. Für Terror, so sagte Beltrame vor der Auslandspresse, ist jedoch Brasília zuständig – Bundespolizei, Geheimdienst und Verteidigungsministerium. „Aber von denen haben wir bisher keine Hinweise erhalten, die unsere Strategie verändern würden“, sagte Beltrame. Man erörtere auch nicht, das Sicherheitspersonal aufzustocken – Olympia 2016 wird von 85 000 Mann geschützt werden.

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Umgerechnet 231 Millionen Euro lässt sich Brasilien die Sicherheit für die Spiele kosten. Bei der WM galten die USA, England und Deutschland als tendenziell besonders gefährdet, für Olympia kommen Russland, Israel und Frankreich hinzu. Gleich nach den Pariser Anschlägen unterstrich Justizminister José Eduardo Cardozo, die Sicherheitsplanung sei seit langem fertig, aber nun werde Brasilien die Zusammenarbeit mit den Diensten anderer Länder intensivieren.

Und außer der Terrorgefahr? Rio sei viel friedlicher geworden, unterstrich Beltrame. Damit hat er sicher recht: 1993 zählte die Stadt jährlich 74 Morde auf 100 000 Einwohner. 2007, als die Befriedungspolitik in der Favelas begann, war es noch 40, dieses Jahr werden es etwa 15 sein. Seit 2009 hat Rio den Haushalt für Sicherheit mehr als verdoppelt, die Zahl der Polizisten ist von knapp 48 000 auf 58 000 gestiegen. Auch die Polizei, so unterstrich Beltrame anhand von Statistiken, gehe deutlich weniger gewalttätig vor als früher.

Die Verbesserungen, so der Minister, hingen mit den Mega-Events zusammen – vom Papstbesuch über die Fußball-WM bis zu Olympia. „Aber all diese Aufrüstung für die Großereignisse muss am Ende der Bevölkerung zugutekommen“, sagte Beltrame. In den Favelas, in denen die so genannten UPPs – das Kürzel steht für „Befriedungspolizei-Einheiten“ – stationiert sind, „haben wir das Territorium denen zurückgeben können, denen es gehört“. Also der Bevölkerung, die vorher den Drogenbossen gehorchen musste. 38 von UPPs kontrollierte Gebiete gibt es zurzeit, manche so groß wie Großstädte.

Polizisten als Besatzer

Dass das nicht immer klappt, räumte Beltrame nur pauschal ein: „Es gibt UPPs, in denen wir extrem große Schwierigkeiten haben.“ Berichte über Polizisten, die sich in den Favelas aufführen wie eine Besatzungsarmee, stellen das Modell immer wieder in Frage. Deshalb schlägt ihnen, obwohl die UPPs eigentlich als Bürger- und Stadtteil-Polizei konzipiert sind, in manchen Favelas offener Hass entgegen. Seit Beginn der UPP-Politik sind 2000 Beamte wegen Fehlverhaltens gefeuert worden, sagte Beltrame, allein in diesem Jahr 300.

So lange die sozialen Verhältnisse so bleiben, wie sie sind, seien die Verbrechensraten nicht mehr groß zu senken, sagte Beltrame, der seinen Kabinettskollegen und generell den Politikern mangelndes Interesse an sozialen Fragen vorwirft. „Bei Ihnen in Berlin ist die Polizei doch auch nicht besser als hier“, sagt er, „aber die Gesellschaft ist besser dran.“

Der Favela-Komplex Maré, der an einer von täglich 350 000 Autos befahrenen Stadtautobahn zwischen Rios Flughafen und dem Stadtzentrum liegt, werde zu den Olympischen Spielen von Polizei und Heer „total besetzt“. Die Favelas Padreira und Chapadão würden demnächst UPPs erhalten, kündigte Beltrame an. Die beiden nur durch eine Hauptstraße getrennten Viertel werden von zwei verschiedenen, einander bekämpfenden Mafia-Fraktionen beherrscht.

Die Polizei schätzt, dass von dort aus 90 Prozent aller Lkw-Fracht-Diebstähle ausgehen, die auf der Avenida Brasil, einer nahen Stadtautobahn, registriert werden. Spektakulärster Fall: Der Raub eines Lastwagens mit einer ganzen Tonne Dynamit im Mai. Bisher ist nur ein Zehntel davon wieder aufgetaucht.

Über die Avenida Brasil muss man hinweg, um vom Zentrum aus in den Stadtteil Deodoro zu fahren, wo im nächsten Sommer ein Großteil der Wettkämpfe stattfinden werden.

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