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21. März 2016

Olympische Spiele Segeln: Segeln in der Kloake

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Fische überleben nicht in der Guanabara Bay.  Foto: reuters

Wo im Sommer die Segelwettbewerbe der Olympischen Spiele stattfinden sollen, schwimmt tonnenweise Müll. Das Wasserrevier der Olympiastadt Rio de Janeiro ist völlig verdreckt. Die Gesundheit der Athleten steht auf dem Spiel. Erste Fälle von Infektionen hat es bereits gegeben.

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Olympische Spiele, das sind in der Regel farbenfrohe Bilder von blitzblank herausgeputzten Sportstätten und von fröhlich winkenden Athleten. Wundes Fleisch am Bein eines Sportlers, das ausgeschabt werden muss, gehört nicht zur Botschaft Olympias. Nachrichten und Fotos, die jetzt wieder um die Welt gingen, sind verstörend, ja ekelerregend. Im Hafen von Guanabara treibt nicht nur Hausmüll, dort befinden sich tote Ratten und Dreck jeder Art, es sind schon tote Schweine gesichtet worden und vor ein paar Tagen hat ein dort angelandeter abgetrennter Arm eines Menschen weltweit für Entsetzen gesorgt.

Im Sommer werden in der Bucht die weißen Segel für die olympischen Regatten gehisst. Nicht nur die deutschen Segler reisen mit einem mulmigen Gefühl dorthin. Im Sommer vergangenen Jahres hat sich Erik Heil bei den olympischen Testläufen mit multiresistenten Viren infiziert. Der Berliner musste einige Tage im Krankenhaus verbringen, und am Bein und an der Hüfte musste krankes Fleisch ausgeschabt werden. Steuermann Heil und sein Vorschoter Thomas Plößel gehören in der 49-Klasse zu Medaillenkandidaten. Der 26- Jährige, der mitten in der Olympiavorbereitung steckt, will jetzt nicht über die Vergangenheit reden, es sei alles gesagt, lässt er über Torsten Fricke, den Pressesprecher des Deutschen Seglerverbandes ausrichten.

Bloß kein Kontakt mit Wasser

Da eine oft geforderte Verlegung des Segelreviers von den Rio-Organisatoren abgelehnt wurde „und jetzt auch keinen Sinn mehr macht, weil die Segler sich nach Vermessung der dortigen Wind- und Strömungsverhältnisse auf das Revier eingestellt haben“, wie Fricke erklärt, „stellt sich das deutsche Team pragmatisch auf die unschönen Umstände ein. Nach Möglichkeit soll jeder Kontakt zwischen Haut und Wasser vermieden werden. Wenn nötig wollen sich die Segler bei Arbeiten am Boot mit Angleranzügen schützen. Wer Wasser in den Mund bekommt, soll sofort mit Trinkwasser gründlich ausspülen. Kleinere Wunden sollen mit Sprühpflaster behandelt werden. Freudensprünge ins Wasser, wie sie Segler nach erfolgreicher Ausfahrt gerne mal machen, „wird sich jeder von selbst verkneifen,“ sagt der Verbandssprecher. Angedacht ist auch, Antibiotika prophylaktisch einzunehmen.

All diese Vorsichtsmaßnahmen sind keineswegs übertrieben. Die US-amerikanische Professorin für Gesundheitswissenschaften, Kristina Mena hat dem Magazin „Business Insider“ gesagt, dass das Revier ein extremes Umfeld sei, in welchem die Verschmutzung so hoch sei, dass man ihr unmittelbar ausgesetzt ist und die Chance einer Infektion sehr wahrscheinlich sei. Die Wissenschaftlerin aus Houston bestätigte, dass die Virenkonzentration auch einen Kilometer vor der Küste so hoch ist, dass bei einem ähnlichen Vorkommen in den USA oder Europa die Behörden Strände und Gewässer wohl sofort schließen würden. Nach Erkenntnissen der Forscherin haben Athleten nach der Einnahme von nur drei Teelöffeln des Wassers eine bis zu 99-prozentige Chance, sich mit einem Virus zu infizieren. Interventionen des Deutschen Seglerverbandes, des Deutschen Olympischen Sportbundes, von World Sailing und anderer Organisationen verhallten bei den Rio-Organisatoren und dem Internationalen Olympischen Komitee ohne Reaktion. Nach Meinung von Torsten Fricke ist in der Guanabara Bucht eine Chance vertan worden, um zu beweisen, dass Olympische Spiele für Nachhaltigkeit und für eine deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen der einheimischen Bevölkerung stehen. Die deutschen Segler setzen darauf, dass in der von IOC-Präsident Thomas Bach ausgerufenen Agenda 2020, Umweltstandards nicht nur gefordert, sonderen auch umgesetzt werden müssen.

„Gute Gründe für Boykott“

So fließen in das olympische Revier auch während der Spiele (5. bis 21. August) die ungeklärten Abwässer von mehreren Millionen Menschen, von denen viele in den Favelas, den Armenvierteln wohnen. Auch ein großes Krankenhaus entsorgt fast alles, was fließt ins Meer. So, darin sind sich alle einig, wird bei Olympia 2016 in einer Kloake gesegelt. Allerdings in einem Revier, das wegen seiner unmittelbaren Nähe zur Stadt und zu den berühmten Wahrzeichen an der Copacabana die entsprechend hübschen Bilder um den Globus schickt. „Für die Segler, die sonst meist weit abseits der olympischen Familie ihrem Sport nachgehen, könnten das die schönsten Spiele werden, wenn der ganze Dreck nicht wäre“, sagt Fricke.

Das vom Organisationsteam angekündigte Ziel „Clean Guanabara“ ist nach Ansicht von Experten und Sportlern völlig verfehlt worden. Der deutsche Paralympics-Segler Heiko Kröger hat sich im Februar ein Bild von dem Gewässer gemacht und kommt in einem Interview mit dem NDR zu einem vernichtenden Urteil: „Das ist schon sehr ekelig.“ Größere Gegenstände könnten das Segeln gefährlich machen. Der sechsmalige Weltmeister sagt sogar: „Es würde viele gute Gründe für einen Boykott geben.“

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