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21. Mai 2013

Pfingstturnier in Wiesbaden: Tod im Schlosspark

 Von Sabine Maurer
Sein letzter Ritt: King Artus mit Dirk Schrade im Sattel.  Foto: dpa

Der Wallach von Olympiasieger Dirk Schrade stirbt im Zieleinlauf. Das Drama um King Artus überschattet das Wiesbadener Pfingstturnier.

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Es hätte für Dirk Schrade das perfekte Wochenende werden sollen, doch Pfingsten endete für ihn mit einer Katastrophe. Der Albtraum eines Reiters wurde für den 34-jährigen Vielseitigkeits-Olympiasieger wahr, als sein Pferd King Artus kurz hinter der Ziellinie nach der Geländeprüfung beim Wiesbadener Pfingstturnier tot zusammenbrach. Er selbst konnte gerade noch abspringen und wurde nicht verletzt.

Die Ursache für den plötzlichen Tod des 17-jährigen Pferds: sehr wahrscheinlich ein Aorta-Abriss. Eine Vorsorgeuntersuchung hierfür gibt es nicht. So etwas kommt bei Pferden zwar nicht oft, aber immer wieder vor. So starb 2011 das Weltklassepferd Hickstead des kanadischen Springreiters Eric Lamaze bei einem Weltcup-Springen – auch die beiden hatten gerade die Ziellinie überquert. Einige Wochen später brach ein Nachwuchspferd des früheren Mannschafts-Weltmeisters Sören von Rönne aus dem gleichen Grund tot zusammen.

Genaueres über die Todesursache von King Artus soll eine Obduktion in der Veterinärklinik in Gießen ergeben. Bis die Ergebnisse vorliegen, wird es aber noch dauern. „Das kann bei jedem Pferd passieren“, sagte der Tierarzt des Weltreiterverbands FEI, Gerit Matthesen, kurz nach dem Unglück. Er hatte das Olympiapferd im Stadion vor den vielen Zuschauern zusammenbrechen sehen und war sofort zu ihm geeilt, helfen konnte er ihm aber nicht mehr. „Bei so etwas kann man nichts mehr machen.“

Keine Anzeichen von Ermüdung

Der geschockte Reiter reiste sofort ab, zur Siegerehrung der Drei-Sterne-Prüfung ging er nicht. Er war mit King Artus Zweiter geworden. Mit seinem Zweitpferd Hop and Skip wurde er Vierter. Auf ihn – den 14-jährigen Wallach − wird Dirk Schrade nun setzen. Seit 2010 reitet er ihn, im vergangenen Jahr wäre er auch mit ihm fast für Olympia nominiert worden.

King Artus war in einer Top-Form gewesen. Er war für das schwere Vielseitigkeitsturnier Anfang Mai im britischen Badminton trainiert. Dort hatte er eine sehr gute Dressur gezeigt, war dann aber bei einem Wassereinsprung ausgeschieden. Wiesbaden war für ihn nach Badminton ein Kinderspiel. In der Dressur belegte er den zweiten Platz, im Springen blieb er fehlerlos.

Am Samstag bei der Geländeprüfung schien er mit den Hindernissen zu spielen und galoppierte ohne ein Anzeichen von Müdigkeit über die Ziellinie. „Er sah aus, als könnte er die Strecke gerade noch mal gehen“, berichtete eine Zuschauerin von ihrem Eindruck. Der Reiter parierte durch zum Trab, damit King Artus sich erholen konnte. Plötzlich schwankte das Pferd, seine Hinterbeine knickten ein. Der Reiter sprang vom Pferd, bevor dieses zusammenbrach.

„So einer fehlt natürlich“

„Wir alle sind entsetzt und fassungslos über den tragischen Verlust von King. Der Schmerz, ein so außergewöhnliches Pferd zu verlieren, lässt sich momentan noch nicht in Worte fassen“, hieß es auf der Internetseite des Reiters. Mit King Artus hat der Berufsreiter aus dem westfälischen Sprockhövel, der schon in jungen Jahren in der Vielseitigkeit erfolgreich war, sein bestes Pferd verloren. Seit dem Jahr 2008 war er mit ihm international unterwegs gewesen, mit dem Holsteiner Wallach feierte er seine größten Erfolge. So gewannen die beiden die Vier-Sterne-Prüfung im französischen Pau, wurden Vierte bei der Europameisterschaft und schließlich als Höhepunkt Olympiasieger mit der Mannschaft in London. Fit und gesund ging King Artus in die Winterpause, in diesem Jahr war er bereits in zwei Drei-Sterne-Prüfungen platziert.

17 Jahre alt ist King Artus geworden, für ein Pferd im internationalen Spitzensport zwar kein außergewöhnlich hohes, aber doch schon fortgeschrittenes Alter. Pläne für einen Abschied aus dem Sport waren beim deutschen Reiterverband FN in Warendorf nicht bekannt. „Er war das Prototyp eines Vielseitigkeitspferdes. Unser Mitgefühl gilt dem Reiter“, sagte der FN-Geschäftsführer Dennis Peiler. Und Bundestrainer Hans Melzer sagte: „So einer fehlt natürlich.“

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