Aktuell: Eintracht Frankfurt | Blog-G | Fußball-News | Formel 1 | Skyliners-Blog | Sport A-Z

Sport
Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker

27. November 2012

Proteste vor DFL-Vollversammlung: Stumme Fans

 Von Frank Hellmann
Die Fans wollen zukünftig schweigen.Foto: dapd

Die ersten zwölf Minuten und zwölf Sekunden wollen die Anhänger in den Bundesliga-Stadien künftig schweigen, weil ihnen der am 12. Dezember zur Abstimmung stehende Maßnahmenkatalog nicht passt.

Drucken per Mail

Die ersten zwölf Minuten und zwölf Sekunden wollen die Anhänger in den Bundesliga-Stadien künftig schweigen, weil ihnen der am 12. Dezember zur Abstimmung stehende Maßnahmenkatalog nicht passt.

Michael Gabriel geht von einer „beeindruckenden Demonstration“ aus. Der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) hat bereits vernommen, wie einig sich sogar rivalisierende Fangruppen mittlerweile bei einer Maßnahme sind, die für die nächsten drei Spieltage einen neuen Meilenstein in Sachen Fanprotest setzen wird. „Viele Kurven werden geschlossen schweigen“, glaubt Gabriel.

Für zwölf Minuten und zwölf Sekunden, so wie es die Initiative „12doppelpunkt12“ vorgibt. Nirgendwo soll es am Dienstag und Mittwoch in der Anfangsphase die übliche Anfeuerung geben: Nicht in der Nordwestkurve der Frankfurter Arena, wo die mächtige Ultragruppierung ihr Zuhause hat, nicht auf der Südtribüne des Dortmunder Stadions, wo das Herz der Borussia schlägt oder auch nicht in der Ostkurve des Bremer Weserstadion, wo die Werder-Fans Stimmung gemeinhin machen. Diese spannten bereits am Samstag in Wolfsburg eine breite Banderole mit der Parole: „Keine Stimme – keine Stimmung!“

Proteste vor der Vollversammlung

Der Name der Initiative, die auf sozialen Netzwerken wie Facebook in der Schnelle mehr als 10.000 Unterstützer gefunden hat, führt auf das Kernproblem zurück: Am 12. Dezember wollen bei der DFL-Vollversammlung alle 36 Profivereine ein neues Sicherheitskonzept verabschieden. Gegen den ersten Entwurf, der unter dem Namen „Sicheres Stadionerlebnis“ firmierte, hagelte es Proteste. Der treueste Kern der Kundschaft fühlt sich nicht zum ersten Male übergangen und überrumpelt. Und nun wehrt sich der „zwölfte Mann“, wie die Fans gerne von ihren Vereinen bezeichnet werden.

Philipp Markhardt, Sprecher der Initiative und Mitglied der nicht unumstrittenen HSV-Fangruppierung „Chosen Fews“, beklagt plakativ: „Der Inhalt des Konzepts ist und bleibt ein Horrorkatalog.“ Vor allem Vollkontrollen, Kollektivstrafen oder Kartenkontingentreduzierungen sind Schreckgespenster dieser Initiative, die schreibt: „Die Theoretiker in Frankfurt wünschen sich ein unkritisches und vor allem zahlungskräftiges Publikum frei nach Motto: ‚Hinsetzen, Klappe halten und bezahlen‘!“

Dem hält die DFL entgegen, dies sei ein „Papier erfahrener Praktiker“, wie Christian Seifert als Vorsitzender der Geschäftsführung betont hat. In der Kommission „Stadionerlebnis“ unter Vorsitz von Peter Peters (FC Schalke) waren mit Axel Hellmann (Eintracht Frankfurt), Michael Gerlinger (Bayern München), Christian Hockenjos (Borussia Dortmund), Matthias Huber (VfB Stuttgart) und Ansgar Schwenken (VfL Bochum) Klubvertreter die maßgeblichen Kräfte.

Kein Kommentar der DFL

Dieses Gremium versucht sich im Grunde an der Quadratur des Kreises: Einerseits müssen unter dem Eindruck des Sicherheitsgipfels im Sommer, als die Innenminister Druck auf den bezahlten Fußball ausübten, Beschlüsse gefasst werden. Seifert gesteht: „Wenn das nicht geschieht, werden von anderen Fakten geschaffen.“ Andererseits ist von Seiten der DFL, Politik oder Polizei schon viel zu oft nur über statt mit den Fans geredet worden, die sich nun eine Stimme verschaffen, indem sie keine Stimmung machen.

Die DFL mag die aktuelle Aktion gerade nicht kommentieren, ist aber von den aktiven Beiträgen zu dem Positionspapier durchaus beeindruckt und wird über alle strittigen Punkten der bereits mehrfach modifizierten 35-seitigen Vorlage in zwei Wochen nur einzeln abstimmen lassen. Es gab schließlich schon zu viele Missverständnisse. Dass Ligapräsident Reinhard Rauball sein Bekenntnis zum Erhalt der Stehplätze („Das Letzte, was wir abschaffen wollen“) erneuerte, verhallte bei Fangruppierungen teilweise ungehört. Dann haben sich einzelne Frankfurter Anhänger beim Auswärtsspiel in München in Zelten ausziehen müssen, woraufhin der Ligaverband flugs betonte, „keine statuarischen Vorgaben bezüglich Ganzkörperkontrollen“ machen zu wollen“.

Kommunikation statt Konfrontation

„Die Kluft hat sich sicherlich noch verstärkt“, urteilt der Fanexperte Gabriel, „andererseits gibt es vermehrt auch konstruktive Signale.“ Etwa die Tatsache, dass die Debatte um das umstrittene DFL-Papier zumindest dafür gesorgt hat, „dass Vereine und Fanszene in einen intensiven Dialog getreten sind.“

Für Gabriel bleibt Kommunikation statt Konfrontation der einzige gangbare Weg: Der KOS-Leiter warnt seit geraumer Zeit vor englischen Verhältnissen, wo weite Teile der Fankultur durch die abgeschafften Stehplätze und erhöhten Eintrittspreise zerstört sind und vielerorts längst jene vornehm zurückhaltende Atmosphäre herrscht, die ab heute für 12:12 Minuten auch in deutschen Stadien Einzug erhalten soll. Als eindringliche Mahnung.

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Ressort

Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker.

Erste Fußball-Bundesliga

Ticker | Berichte | Tabellen | Teams | Spielplan

Alles über die 2. Liga und 3. Liga.

Eintracht: Berichte | Spielplan | Team | FR-Videos

Anzeige