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21. März 2013

Rassismus in der Bezirksliga: Torwart als "Nigger" beleidigt

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In der Fußball-Bundesliga machen sich die Fans gegen Rassismus stark. Doch in den unteren Ligen kommt es immer wieder zu Vorfällen. Foto: imago sportfotodienst

Bei einem Bezirksligaspiel im Ruhrgebiet wird ein dunkelhäutiger Spieler beleidigt und angegriffen. Das Spiel wird abgebrochen. Doch der Verband sperrt den Torwart. Verein und Trainer sind fassungslos.

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Bei einem Bezirksligaspiel im Ruhrgebiet wird ein dunkelhäutiger Spieler beleidigt und angegriffen. Das Spiel wird abgebrochen. Doch der Verband sperrt den Torwart. Verein und Trainer sind fassungslos.

"Neger", "Affe", "Nigger" - wenn man Augenzeugenberichten in verschiedenen Lokalsportzeitungen glauben darf, gibt es kaum ein rassistisches Schimpfwort, das sich Ikenna Onukogu am 5. März nicht anhören musste. Fast die gesamte zweite Halbzeit lang wurde der dunkelhäutige Torwart des SC Hertha Hamborn von den Fans des Gegners Dostlukspor Bottrop beleidigt - bis ihm der Kragen platzte und er eine Plastikflasche in Richtung Zuschauer warf. Die Flasche, so erklärt es Onukogu später Spiegel online, sei zuerst auf ihn geworfen worden mit der Aufforderung, er solle sie sich "in den Arsch schieben". Der Schiedsrichter brach das Spiel daraufhin ab.

Hamborns Trainer Rauf Alkurt zeigte sich empört über die Art und Weise, wie sein Spieler behandelt wurde: "Das ist beschämend und eine Schande für den Fußball", sagte er dem "Reviersport", Und: "Ich bin gespannt, wie das Urteil der daraus resultierenden Verhandlung ausfallen wird." Inzwischen hat der Fußballverband Niederrhein tatsächlich reagiert - allerdings kaum auf die Art und Weise die sich Alkurt gewünscht hat. Der Verband ging nicht etwa den Rassismus-Vorwürfen nach, sondern sperrte Onukogu, per einstweiliger Verfügung. Der Nigerianer dürfe bis zur endgültigen Entscheidung am 4. April nicht spielen, berichtet die WAZ. In der Begründung heißt es demnach: "Der Spieler ist dringend verdächtigt, sich durch sein Verhalten einer groben Unsportlichkeit schuldig gemacht zu haben und auf Grund des Ausmaßes des Fehlverhaltens die vorläufige Sperre zur einstweiligen Sicherung des Sportverkehrs notwendig erscheint."

"Nicht das erste Mal"

Dabei gibt selbst der Trainer der Bottroper zu, dass es bei den Fans bereits mehrfach zu ähnlichen Vorfällen kam: "Leider ist es nicht das erste Mal, dass so etwas im Umfeld dieses Vereins passiert", sagte Sebastian Stempel "Reviersport". Die Mannschaft und der Verein hätten damit nichts zu tun und distanzierten sich von solch rassistischen Äußerungen. "Doch diese Unverbesserlichen machen die gesamte Arbeit kaputt. Das ist traurig für mein Team", erklärte Stempel demnach weiter und kündigte seinen Rücktritt zum Saisonende an.

Der Vereinsvorsitzende Nuh Arslan sieht das anders: Es gebe "keine Beweise dafür, dass rassistische Äußerungen gefallen sind", schreibt er in einer Gegendarstellung auf dem Fußballportal "Auf'm Platz". Arslan verweist in dem Zusammenhang darauf, dass der Verein "jede Menge türkische Migranten" in seinen Reihen habe. Als er noch Spieler gewesen sei, habe er selbst mit Äußerungen wie "Scheiß Türke" leben müssen und sei dabei ruhig geblieben. Der Verein Dostlukspor ist türkisch geprägt, ebenso wie Hertha Hamborn.

In Hamborn gibt man auch dem Schiedsrichter die Schuld an der Eskalation. "Wir haben den Schiedsrichter darauf hingewiesen, doch er hatte nicht die Courage, etwas dagegen zu unternehmen", klagt Trainer Alkurt laut "Reviersport". Der Schiri habe ihm zu verstehen gegeben, dass er sich selbst durch die Zuschauer bedroht gefühlt habe.

Laut Spiegel online erklärt der Verband seine vorläufige Entscheidung damit, dass der Schiedsrichter im Spielbogen nicht von rassistischen Vorfällen erwähnt habe. Dass es auch anders geht, bewies vor einigen Jahren eine junge Schiedsrichterin bei einem Juniorenfußballspiel zwischen Wurzen und Chemnitz. Damals hatten sich rund 30 Neonazis unter die Fans geschimpft, antisemitische Parolen skandiert und einen Spieler vietnamesischer Herkunft rassistisch beleidigt. Die Schiedsrichterin dokumentiert dies in einem detaillierten Zusatzbericht, machte die Vorfälle so publik und wurde dafür - ebenso wie der betroffene Spieler - vom DFB gelobt.

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