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18. Januar 2011

Rechtsextremismus im Sport: Das Scheitern von Politik und Verbänden

 Von Ronny Blaschke
Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) spricht am Dienstag (18.01.11) in Berlin bei der Veranstaltung "Foul von Rechtsaussen - Sport und Politik verein(t) fuer Toleranz, Respekt und Menschenwuerde".  Foto: dapd

Nie ist Rechtsextremismus im Sport prominenter diskutiert worden, als auf der Podiumsdiskussion in der Berliner Auferstehungskirche. Doch der Kampf gegen Rassismus stockt: Politik und Verbände haben es nicht geschafft, die Prävention bundesweit zu vereinheitlichen.

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Auf den Tag genau vor einem Jahr wurde die Internetseite des Projektes „Am Ball bleiben“ zum letzten Mal aktualisiert. Drei Jahre lange hatte die Initiative ein Netzwerk gegen Rechtsextremismus im Sport geknüpft. Sie hatte Fortbildungen für Funktionäre organisiert, Broschüren herausgegeben, für lokale Partner geworben. Das Projekt „Am Ball bleiben“ beschäftigte einen festen und wenige freie Mitarbeiter, es kostete 100000 Euro im Jahr, wurde zur Hälfte getragen durch das Bundesfamilienministerium und den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Die einzige bundesweite Anlaufstelle für Rechtsextremismus im Sport wurde nicht verlängert. Trotz einer beachtlichen Aufbauarbeit.

Vermutlich sagt diese Abwicklung mehr über die Zusammenarbeit zwischen Politik und Sport aus als die gesamte Podiumsdiskussion am Dienstag in der Berliner Auferstehungskirche. Der Bundesinnenminister, die Bundesfamilienministerin, die Vorsitzende der Sportministerkonferenz und die beiden ranghöchsten Sportfunktionäre des Landes predigten vor 150 Zuhörern und einem Dutzend Kameras Absichten und Empfehlungen. Nie ist Rechtsextremismus im Sport prominenter diskutiert worden. Trotzdem darf bezweifelt werden, dass ein Bruchteil die Jugendfußballteams, Turnvereine oder Betriebskegelgruppen erreicht – von einer nachhaltigen Wirkung ganz zu schweigen.

„Solche Veranstaltungen sind gut für warme Worte. Viel wichtiger ist, was sich aus diesen Worten entwickelt“, sagt Monika Lazar, seit 2005 Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion gegen Rechtsextremismus. Lazar kickt für den Roten Stern Leipzig, einen Verein, der sich gegen Rassismus einsetzt. Als eines von wenigen Bundestagsmitgliedern versucht sie in Sachsen, Partnerschaften zwischen Vereinen, Verbänden und Politik zu fördern, durch Briefe, Besuche, Veranstaltungen, oft stößt sie auf Ignoranz und Gegenwehr. Wenn die Verzahnung auf lokaler Ebene nicht klappt, was soll dann eine prominente Diskussionsrunde bewirken?

Nur Phrasen der Politiker

Es liegt nicht am Konzept, für die Tagung in Berlin haben Wissenschaftler ein fundiertes Papier zusammengestellt, ihre Erfahrungen beruhen auf regionalen Projekten, die seit langem gut funktionieren, in Hessen oder Niedersachsen. Vielmehr sind Politik und Verbände gescheitert, diese Prävention bundesweit zu vereinheitlichen. In Vorbereitung auf die Tagung gaben lediglich acht von 26 angeschriebenen Sportverbänden Auskunft über regionale Strukturen. Im Fußball wurden erst in vier der 21 DFB-Landesverbände Beauftragte ernannt, die sich dem Thema Rechtsextremismus widmen. Von der Politik ist nicht viel Hilfe zu erwarten.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière fand am Dienstag immerhin deutliche Worte, doch es ist zu vermuten, dass er andere Sorgen hat, als regelmäßig nach Rechten im Sport zu schauen. Entlarvend der Auftritt von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, die sich von einer Phrase zur nächsten hangelte.

Laut des Bielefelders Konfliktforschers Wilhelm Heitmeyer, der seit 2002 die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit untersucht, werde die Diskussion zudem auf Rassismus verengt. Zu rechtsextremen Einstellungen gehören Homophobie, Sexismus, Islamfeindlichkeit oder die Abwertung von Obdachlosen.

Was organisierten Rechtsextremismus betrifft, also die NPD, Kameradschaften oder Autonome Nationalisten, so ist der Zugang Fußball Teil einer Erlebniswelt, zu der Musik, Codierungen oder Kleidermarken gehören, auch darüber scheinen sich Sportfunktionäre selten klar zu sein. Ihnen fehlt noch immer eine tiefgehende Studie, die Verhältnisse bundesweit analysiert und damit eine Grundlage für Kampagnen schafft. Dass Gefahr von rechter Seite droht, weiß auch DFB-Präsident Theo Zwanziger: „Wenn ich Neonazi wäre, und ich hoffe, mich hat niemand in Verdacht, dann wüsste ich, was ich täte. Ich ginge in die Sportvereine.“

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