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23. Februar 2016

Reichweiten: Kampf um Aufmerksamkeit

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Rund 100 000 Nutzer sehen im Schnitt Spiele der Basketball-Bundesliga im Internet.  Foto: imago/Wolter

Mannschaftssportarten hinter dem Fußball haben es schwer: Viele streben Übertragungen der Wettkämpfe im Internet an.

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Für die Handball-Europameister ist der Alltag eingekehrt. Bundesliga, Pokal, Champions League und vor allem eines: weniger Zuschauer im Fernsehen. Mehr als 13 Millionen Menschen hatten den EM-Triumph gegen Spanien in der ARD live verfolgt. Eine Traumquote. Das Allstar-Spiel zwischen der Nationalmannschaft und den besten ausländischen Profis der Bundesliga wollten wenige Tage später aber nur noch 190 000 Zuschauer bei Sport1 sehen. Uwe Schwenker, der Präsident der Handball-Bundesliga (HBL) ist dennoch „verhalten optimistisch, dass wir die positive Stimmungslage wirtschaftlich und sportlich nutzen können“.

Was die Reichweiten angeht, sind erst einmal keine großen Sprünge möglich. Die HBL ist noch bis 2017 an Sport1 gebunden. Der Sender überträgt pro Saison 60 Spiele der Bundesliga und des Pokals bei derzeit durchschnittlich 240 000 Zuschauern. Das ist deutlich mehr als Eishockey mit 130 000 Zuschauern beim österreichischen Sender Servus-TV sowie Basketball (100 000) bei Sport1. Die HBL hat jedoch einen Nachteil im Vergleich zu den anderen großen Mannschaftssportarten: Es werden nicht alle Bundesligaspiele übertragen. Der Fußball hat natürlich die Vormachtstellung, sowohl im Bezahlfernsehen als auch im Öffentlich-Rechtlichen. Die Basketball-Bundesliga (BBL), die Volleyball-Bundesliga (VBL) und von kommender Saison an auch die Deutsche Eishockey Liga (DEL) sind deshalb neue Wege gegangen: ins Internet.

„Wir haben zwar nicht die Reichweiten wie im Fernsehen, aber die Möglichkeit von unbegrenzter Sendezeit“, erklärt Oliver Beyer, Geschäftsführer der DOSB New Media GmbH, Betreiber der Plattform Sportdeutschland.tv. Seit dieser Saison werden dort alle Spiele der VBL kostenlos gezeigt. „Teilweise TV-tauglich mit sechs Kameras, aber auch mit schlanken Ein-Kamera-Streams“, sagt Beyer. Je nachdem welcher Klub die Kameras zur Verfügung stellt. Sportdeutschland.tv hat für Topspiele einen Kommentator und jedes Wochenende einen, der eine Live-Konferenz kommentiert. „Wir sehen uns primär als Plattformbetreiber und setzten derzeit voll auf Werbefinanzierung“, sagt Beyer. Der Betrag den die VBL dafür bekommt ist zwar minimal – und wird nicht kommuniziert – der Vorteil liegt aber auf der Hand: Alle Spiele zu zeigen bedeutet mehr Reichweite und so größere Chancen, auf neue Sponsoren.

Das war auch die Intention der BBL, als sie vor eineinhalb Jahren die Übertragungsrechte für vier Jahre an die Deutsche Telekom verkauft hat. Das Unternehmen schaffte die Plattform Telekom-Basketball, auf der alle 306 Hauptrundenpartien sowie die Playoffs mit sechs Kameras und Kommentatoren zu sehen sind. Mittlerweile auch Partien der Euroleague, der Königsklasse des europäischen Basketballs, und der NBA. „Das ist ein herausragendes Angebot primär für die Fans“, sagt Stefan Holz, Geschäftsführer der BBL.

Für die rund zehn Millionen Breitbandkunden der Telekom ist das Angebot kostenlos, alle anderen zahlen bei einem Jahresabo monatlich 9,95 Euro; wer nur einen Monat bucht muss 14,95 Euro berappen. 100 000 registrierte Kunden hat die Plattform bereits, Tendenz steigend. Wie viele davon tatsächlich Zahler sind, verrät das Unternehmen nicht. „Langfristig muss es sich natürlich beweisen, ob es funktioniert. Aber wir sind auf einem guten Weg“, sagt Henning Stiegenroth, Leiter Sportmarketing der Telekom. Die Produktion einer Partie kostet rund 10 000 Euro, macht bei einer Saison mit 360 Partien rund 3,6 Millionen Euro.

Das Zugpferd jeder Sportart

„Wir haben ein vielschichtiges Refinanzierungsmodell. Über Sublizenzierung an andere Partner (Sport1 und das öffentlich-rechtliche Fernsehen), über Werbefinanzierung und das Pay-Modell“, erklärt Stiegenroth.

Reich wird die BBL durch das Geld der Telekom nicht. Die Lizenzsumme – deren Höhe auch nicht verraten wird – und alle weiteren Einnahmen durch Events werden abzüglich der Ausgaben zu gleichen Teilen an die 18 Bundesligaklubs verteilt. Die BBL, die derzeit auf der Suche nach einem Hauptsponsor ist, hofft, durch die Übertragung aller Partien einen guten Vertrag abzuschließen. „Dass wir alle Spiele zeigen, hilft den Klubs die eigenen Fans zufriedenzustellen und damit die Sponsoren. Das erweitert die Fanbasis, die Reichweite, und nur so können die Klubs langfristig wachsen“, ist Stiegenroth überzeugt.

Das will auch die DEL, die vor einem Monat ihre Rechte ebenfalls für vier Spielzeiten an die Telekom verkauft hat. Bislang wurden rund 50 Partien beim Spartensender Servus-TV und 25 Spiele auf der Online-Plattform Laola1.tv übertragen. „Die Klubs sind euphorisiert. Für uns ist das der nächste Schritt“, sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Die Übertragung von Eishockey-Partien mit dem kleinen, schnellen Puck sind aufwendig und benötigen gute Kameraleute. „Wir wollten nicht irgendwas streamen, sondern wollten Topqualität“, sagt Tripcke. Ein Free-TV-Partner soll natürlich auch wieder gefunden werden, die Telekom hat als Rechteinhaber bereits mit den Verhandlungen begonnen. „Das könnte wieder Servus-TV sein“, sagt Tripcke. Ende März soll eine Entscheidung fallen.

Wie das Pay-Modell aussehen soll steht noch nicht fest. „Im Kern streben wir ein ähnliches Modell an wie beim Basketball – ohne jetzt finale Preise zu nennen“, sagt Stiegenroth. Die DEL plant derweil die Entzerrung ihres Spielplans, um mehr Partien zeitversetzt zeigen zu können. Auch wenn das freitags, dem Hauptspieltag, „schwierig wird“, so Tripcke.

DOSB-Mann Beyer findet es sinnvoll, dass sich die Sportarten hinter dem Fußball nach Alternativen umsehen. „Der Sport ist aufgrund der Reichweiten immer noch sehr stark auf das Fernsehen fokussiert“, sagt Beyer. Die Diskussion, dass ARD und ZDF mehr übertragen müsse, sei nicht neu und auch nicht verkehrt. „Letztlich geht es aber darum, den Wert der eigenen Sportart zu erhöhen.“

Der Deutsche Handball-Bund (DHB) und die HBL haben das erkannt. Der Erfolg der Nationalmannschaft, dem Zugpferd jeder Sportart, ist „ein zartes Pflänzchen. Wir wollen auf keinen Fall Druck aufbauen“, sagt HBL-Präsident Uwe Schwenker. Das habe dem Handball in der Vergangenheit eher geschadet. „Wir müssen es mit unseren Möglichkeiten schaffen und erfolgreich sein.“ Vielleicht auch bald im Internet.

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