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10. Mai 2012

Relegation: Sascha Rösler: Mann im Fahrstuhl

 Von Daniel Theweleit
Boxen und treten: Sascha Rösler führt seine Künste vor.  Foto: dpa

Kein Spieler repräsentiert Fortuna Düsseldorf im Spieljahr 2011/2012 so gut wie Sascha Rösler: spielerisch limitiert, aber unglaublich zäh. In den Relegationsspielen gegen die Hertha beendet der Stürmer seine Profikarriere.

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Düsseldorf –  

Die Saison ist für Fortuna Düsseldorf gerade einmal 66 Minuten alt gewesen, da war schon klar, dass Sascha Rösler ein prominenter Platz in den Jahresrückblicken zukommen würde. Mit einem spektakulären Fallrückzieher erzielte der Stürmer damals das 1:0 gegen den VfL Bochum, der Treffer wurde zum Tor des Monats und zur Initialzündung für eine sagenhafte Saison. Wenn das Spieljahr nun am kommenden Dienstag mit den Relegationspartien endgültig zu Ende gegangen ist, werden erneut viele Augen auf Rösler ruhen, denn er wird gegen Hertha BSC Berlin zum letzten Mal als Profi Fußball spielen.

Vierter Aufstieg bei Sieg in der Relegation

„Ich hatte vor ein paar Wochen ein Gespräch mit Manager Wolf Werner“, sagt der 34-Jährige, „da hat er mir eine Idee aufgezeigt, was ich nach meiner Karriere im Verein machen könnte.“ Außerdem habe er „keinen Bock darauf, dass die Jungen irgendwann an mir vorbeilaufen“. Der Entschluss, die Karriere zu beenden, ist jedoch nicht allein ein Tribut, den Rösler seinem fortgeschrittenen Alter zollt.

Sollte die Fortuna tatsächlich in die Bundesliga aufsteigen, dann wäre Rösler dieses Kunststück bereits zum vierten Mal gelungen. Zuvor hatte er schon mit dem SSV Ulm (1999), mit Alemannia Aachen (2006) und Borussia Mönchengladbach (2007) den Sprung unter die besten 18 deutschen Klubs geschafft. Doch mit Aachen und Ulm folgte umgehend der Abstieg, und in Gladbach spielte er nach dem Aufstieg keine Rolle mehr. Rösler gehört zu jener Kategorie Fußballspieler, für die eine eigene Spielklasse erfunden werden müsste: zu schlecht für ganz oben, zu gut für Liga zwei.

Sagenhafter Niedergang

Zur Fortuna dieser Saison passte er allerdings ganz hervorragend mit seiner Spielweise, die zwischenzeitlich den Zorn von Armin Veh weckte. Der Düsseldorfer Angreifer sei „eine Schande für den Fußball“ hatte der Frankfurter Trainer im Februar gesagt. Rösler provoziere Gegenspieler, täusche Schiedsrichter und erschleiche Elfmeter, lautete der Vorwurf. Rösler haben diese Behauptungen durchaus berührt, er sei schon „ein wenig traurig gewesen“ nach diesem Angriff auf seinen Ruf, sagt er. Aber der gebürtige Schwabe ist nun einmal ein umstrittener Spieler, weil er mit den Grenzen des Regelwerks kokettiert und angetrieben wird von einem unglaublichen Willen, wie eine Art Mini-Oliver-Kahn. Das ist eine seiner Stärken, und in gewisser Weise prägt dieser Stil die nach dem sagenhaften Niedergang der Nullerjahre neu erfundene Fortuna des Norbert Meier.

Solide und zäh

Düsseldorf ist eine Mannschaft, die nicht durch spielerisches Können glänzt, dafür ist sie solide organisiert und vor allem zäh. „Wir können dagegenhalten, wir können den Fight annehmen, aber wir brauchen eine gewisse Betriebstemperatur, um auch fußballerisch ein paar Dinge umzusetzen“, sagt Meier über sein Team, und Rösler meint: „Es gehört zu unserer Spielweise, dass wir uns nichts gefallen lassen.“

Beide Aussagen beschreiben nicht nur den Stil der Rheinländer, sondern auch das Spiel des Stürmers, dem schon immer ein bisschen das Tempo und die Handlungsschnelligkeit fehlen. Das wird besonders deutlich sichtbar, wenn die Räume eng sind. Das ist wohl auch der Grund, warum Rösler sich nie in der Ersten Liga etablieren konnte – wobei er es für einen Spieler mit dieser eher limitierten Begabung dennoch weit gebracht hat.

Ziehvater Rangnick

Eine entscheidende Rolle spielte dabei Ralf Rangnick, den er als seinen Ziehvater bezeichnet. Rangnick und Rösler sind Ende der Neunzigerjahre gemeinsam mit dem SSV Ulm aus der Regionalliga bis in die Bundesliga emporgeklettert, Rangnick habe „aus einer Mannschaft voller Oberliga-Akteure eine Profimannschaft geformt und auch mich auf den richtigen Weg gebracht“, sagt Rösler. Ähnliches hat jetzt auch Norbert Meier hinbekommen.

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Die Fortuna, die lange zum Inventar der Bundesliga gehörte und 1979 gegen den FC Barcelona in einem Europapokalfinale stand, spielte vor acht Jahren noch viertklassig. Meier hat das Team in der Dritten Liga übernommen, mit viel Geduld und großer Sachkenntnis entwickelt, und vor eineinhalb Jahren holte er dann den damals arbeitslosen Rösler nach Düsseldorf. Ein Glücksgriff: In 57 Spielen hat er 19 Treffer erzielt und 13 weitere vorbereitet, eine bemerkenswerte Wiedergeburt. Der Aufstieg in die Bundesliga wäre indes der perfekte Abschluss für Sascha Röslers seltsame Fahrstuhlkarriere.

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