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15. Januar 2015

Robert Enke: Der Druck auf der Seele

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Starke Frau: Teresa Enke, Witwe von Robert Enke, im Eintracht Frankfurt Museum.  Foto: Hartenfelser

Teresa Enke und Ronald Reng erinnern sich bei einer Veranstaltung in Frankfurt an Robert Enke.

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Es muss einen Sinn ergeben: Mein Mann soll nicht in Vergessenheit geraten. Es braucht sich keiner zu schämen, der Brustkrebs oder Depressionen hat!“ Es waren starke Sätze, die Teresa Enke am Ende eines eindrucksvollen Vortrags mit ernster Miene aussprach. Neben ihr hatte Ronald Reng Schweißperlen auf der Stirn, so sehr hatte das Thema auch den Biographen und Freund von Robert Enke aufgewühlt. Die mittlerweile in Köln beheimatete Witwe des ehemaligen Nationaltorwarts und der in München lebende Journalist und Schriftsteller hatten sich nach eigenem Bekunden noch nie öffentlich mit dem Tod von Robert Enke wieder so tiefgehend auseinandergesetzt wie bei dieser intensiven Diskussion, moderiert von FR-Sportredakteur Jan Christian Müller im überfüllten Museum von Eintracht Frankfurt, unter der Überschrift: „Depressionen – wenn Sport auf die Seele drückt“.

Reng erklärte, dass während Enkes Engagement bei Borussia Mönchengladbach in den 90er Jahren „fünf Spieler an einer psychischen Erkrankung“ gelitten hätten. Sie alle glaubten, sich seinerzeit noch verstecken zu müssen. So wie es auch der blonde Tormann aus Jena tat, der laut Reng „das Talent hatte, ein guter Schauspieler zu sein – aber mit seiner Depression war es sein Verhängnis“. Der 44-Jährige wirkt auch mehr fünf Jahre nach der Tragödie noch betroffen: „Wenige haben die Warnsignale gehört, weil die Vorbildung fehlte.“

Deutlicher als bislang bekannt stellte Teresa Enke heraus, dass die verhängnisvolle zweite klinische Depression ihres Mannes im Zusammenhang mit der Nationalmannschaft gestanden haben dürfte. „Der von den Medien geschürte Konkurrenzkampf mit René Adler – das war schlimm für ihn. Die Nationalmannschaft war ihm so wichtig, das war sein Traum, aber das hat ihn kaputt gemacht.“ Ihrem Ehemann habe in dieser Phase, als der „einsame Cowboy im Strafraum“ (Teresa Enke) sich längst beim Kölner Psychiater Valentin Markser in professioneller Behandlung befand, das erworbene Standing in Hannover nicht mehr ausgereicht: „Da hätte er sich auch zehn Spiele die Bälle reinwerfen können.“ Im DFB-Team war der Druck unvergleichlich höher.


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Retrospektive frei von Vorwürfen

Sowohl Bundestorwarttrainer Andreas Köpke als auch DFB-Psychologe Hans-Dieter Hermann hätten zwar beizeiten gespürt, dass dieser Leistungsdruck den befreundeten Keepern Enke und Adler nicht wirklich gut bekam, aber tief in die Seele des 96-Schlussmannes blickten sie ebenso wenig wie die im Verein besorgten Mitspieler Hanno Balitsch (dem sich Enke offenbarte) oder Arnold Bruggink. Das traumatisierte Bundesliga-Team war nach der Selbsttötung des Torwarts im November 2009 vom Sportpsychologen Andreas Marlovits begleitet worden, der aktuell die trauernde Mannschaft des VfL Wolfsburg nach Südafrika begleitet. Parallelen zum Fall Junior Malanda wollte Reng indes keine anstellen: Dafür sei ein Suizid mit einem Unfalltod zu wenig vergleichbar.

Die Enke-Retrospektive blieb frei von Vorwürfen. Vielmehr warb Reng bei der von Eintracht Frankfurt, der Deutschen Fußball Liga (DFL) und dem Drogenreferat der Stadt Frankfurt geförderten Vortragsreihe „Die Macht des Sports“ um Verständnis für Trainer im Profigeschäft, die Woche für Woche „die Hälfte aller Mitarbeiter vor den Kopf stoßen müssen“.

Der bald scheidende DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig dürfte in der ersten Reihe genau hingehört habe, dass Reng es zwar begrüßt, in den Auflagen zu den Nachwuchsleistungszentren die Anstellung eines Psychologen zu verankern, doch hierbei müsse eine Qualitätskontrolle her: „Die meisten Psychologen oder Mentaltrainer sind dafür da, die Leistung zu optimieren, aber nicht geeignet, psychische Erkrankung zu therapieren.“ Noch immer gebe es „Nachholbedarf, was die Erkennung und Prävention von Depressionen angeht“.

15 Prozent aller klinisch Depressiven begehen einen Selbstmordversuch. Teresa Enke will darauf hinwirken, dass kein Spitzensportler sich das Leben nimmt, weil er psychisch in der Sackgasse gelandet ist. „Das darf nie mehr vorkommen. Viele sagen, es hat sich nichts geändert. Ich sage, es hat sich viel geändert.“ Ralf Rangnick habe beispielsweise nach seinem Burnout problemlos auf die Bühne zurückkehren können, so die 38-Jährige: „Wir möchten, dass jeder sich öffnen kann, ohne stigmatisiert zu werden.“ Dabei hilft die mit DFB-Unterstützung gegründete Robert-Enke-Stiftung und der Zusammenschluss von Spezialisten an inzwischen bundesweit acht Uni-Kliniken.

Als die fast 90-minütige Diskussion endete, hielt der Applaus lange an. Die tapfere Frau bekam einen großen Blumenstrauß und sprach noch mit denjenigen der rund 150 Zuhörer, die eine persönliche Anmerkung zu machen hatten. Dann verabschiedete sich Teresa Enke mit einem Lächeln.

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