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Robert Enke: Imaginierte Nähe

Der tragische Tod Robert Enkes vermag, was den Opfern in Afghanistan, im Irak oder anderswo oft verwehrt bleibt: Wieso Fußballstars heute so vertraut scheinen und die Herzen der Massen rühren - bis in den Tod. Von Wolfgang Hettfleisch

Trauernde Fans stehen vor der AWD-Arena in Hannover vor brennenden Kerzen, Blumen und kleinen Gaben für den verstorbenen Nationaltorwart Robert Enke (12.11.2009).
Trauernde Fans stehen vor der AWD-Arena in Hannover vor brennenden Kerzen, Blumen und kleinen Gaben für den verstorbenen Nationaltorwart Robert Enke (12.11.2009).
Foto: dpa

Ein depressiver Fußball-Torhüter setzt in einem Akt der Verzweiflung seinem Leben auf den Gleisen ein Ende. So weit, so schlimm. Doch warum löst der Tod von Robert Enke eigentlich so viel mehr aus als die verständliche Betroffenheit im persönlichen Umfeld, bei Familie, Freunden und Kollegen? Zigtausend Menschen ziehen, offenkundig tief erschüttert, durch Hannover. Alle möglichen Internet-Foren und -Netzwerke quellen über vor Mitleidsbekundungen. Fernsehsender, Online-Portale und Tageszeitungen bringen das Thema an prominentester Stelle. Der tragische Tod des Torhüters vermag, was den Opfern in Afghanistan, im Irak, im israelisch-palästinensischen Konflikt und ihrem schrecklichen Schicksal oft verwehrt bleibt: Er rührt die Herzen der Massen.

Das liegt zu einem nicht geringen Teil daran, wie wir uns immer wieder von der glamourösen Inszenierung des Profifußballs - vor allem der Fußballer selbst - beeindrucken lassen. Wir werden überschüttet mit Informationen, die in Summe den Eindruck erwecken, den Protagonisten nah zu sein, sie zu kennen, wie man Freunde kennt, ihre Charaktere, ihre Vorlieben, ihre Persönlichkeit. Berufsfußballer, so glauben viele, führen im 21. Jahrhundert ein öffentliches Leben. Keine noch so kleine Geste auf dem Rasen entgeht den Kameras, jedes unbedachte Wort im kurzen Interview nach dem Spiel wird in einer nicht enden wollenden Exegese zerlegt und wieder zusammengebaut. In der Wahrnehmung werden Schein und Sein eins. Dass dies ein fataler Irrtum ist, nicht zuletzt daran erinnert uns der Tod von Enke, der sich jahrelang vergeblich bemüht hatte, beides auch nur halbwegs miteinander in Einklang zu bringen. Ein Doppelleben, das kaum auszuhalten war, wie seine Witwe in eindrucksvoller Weise berichtete.

Es gelte innezuhalten, forderte DFB-Präsident Theo Zwanziger noch unter dem unmittelbaren Eindruck der Tragödie. Auch er weiß natürlich, dass die Show weitergehen muss und wird. Doch falls Enkes tödliche Entscheidung etwas Positives bewirken kann, dann weil sie den Blick schärft für die immanente Brutalität des Milliardengeschäfts Profifußball. Da werden Spieler bedenkenlos zu Vorbildern stilisiert, wo doch der einziger Unterschied zum Rest der Menschheit darin besteht, dass sie über ein besonderes sportliches Talent verfügen.

Abertausende Fans projizieren ihre Träume und Hoffnungen auf ein paar Fußballer, weil die das richtige Trikot tragen, und erwarten im Gegenzug nicht weniger als sportliches Heldentum und, ja, persönliche Unfehlbarkeit. Als der ausgemusterte Schalker Profi Albert Streit sinngemäß zum Ausdruck brachte, er verdiene so gut, dass er seine Vertragszeit abzusitzen gedenke, folgte ein medialer Spießrutenlauf, der aufgepeitschte Schalke-Fans dazu ermutigte, den vermeintlichen Verräter anzuspucken. Dabei würde sich fast jeder kaltgestellte Mitarbeiter vermutlich ähnlich verhalten wie Streit. Dass zwei junge Berliner nächtens ein paar Autospiegel ramponiert haben sollen, taugt nur zur öffentlichen Empörung, weil sie Kevin-Prince Boateng und Patrick Ebert heißen, besser Fußball spielen und viel mehr Geld verdienen als die meisten ihrer Altersgenossen.

Gleichsetzung von privater Person und öffentlicher Person

Relativ neu ist das Orwellsche Ausmaß der Kontrolle, der die Profis unterliegen. Selbsternannte Sittenwächter knüpfen ein immer engeres Netz. Vor "Leserreportern" und anderen Anhängern der Twitter- und iPhone-Gesellschaft sind Erstliga-Fußballer abseits ihres Arbeitsplatzes nie und nirgendwo mehr sicher.

Die Medien spielen bei dieser Enthemmung, die anschaulich die mutwillige Gleichsetzung von privater Person und öffentlicher Figur zeigt, eine Schlüsselrolle. Was sich Fußballberichterstattung nennt, wird dieser Bezeichnung nur noch in Ausnahmefällen gerecht. Nicht über Fußball im engeren Sinne wird heutzutage im Kontext der Bundesliga zumeist berichtet, sondern über dessen Protagonisten. Die Kernfrage ist schon lange nicht mehr, wer wie gespielt hat, sie lautet vielmehr: Wer hat was über wen gesagt?

Das imitiert die im sportjournalistischen Kontext einst ungebräuchlichen Muster der People-Magazine und ist weniger der Ignoranz der Berichterstatter als vielmehr dem rasanten Wandel des Medienkonsums geschuldet. Für eine kurze Spanne Aufmerksamkeit ist im Internet-Zeitalter angesichts der gewaltigen und weiter anschwellenden Flut der Informationsangebote fast jedes Mittel recht. Die fundierte Analyse über Laufwege im defensiven Mittelfeld hilft da eher nicht weiter, die Schilderung einer handfesten Auseinandersetzung im Training schon.

Die Fixierung aufs handelnde Personal wird in den einschlägigen Internet-Foren fortgeschrieben und auf die Spitze getrieben. Sie bilden, neben dem Stadion, den eigentlichen Resonanzboden der Gefühle. Das ist - in seiner denkbar positivsten Ausprägung - nun auch in Bezug auf Robert Enke zu beobachten. Dessen furchtbarer Tod hat in der Millionen zählenden Fußball-Community eine Art Massensolidarisierung ausgelöst, die keine Klubgrenzen und auch keine Landesgrenzen mehr zu kennen scheint.

Wer will, kann darin einen weiteren Akt der Vereinnahmung sehen, in dessen Verlauf Enke gerade wegen seiner offenbar gewordenen Schwäche postum zum Kronzeugen gegen das unbarmherzige System des Profifußballs gemacht wird.

Andererseits: Das Grundmuster des Dilemmas, das den Torhüter Enke in den Tod trieb, mag auch vielen Menschen vertraut vorkommen, die fern der Fußballer-Klischees leben. Im Berufsleben eine Fassade aufrechterhalten zu müssen, hinter der sich persönliche Abgründe verbergen: Das ist sicher keine exklusive Erfahrung von Fußballprofis.

Wenn DFB-Chef Zwanziger empfiehlt, mal innezuhalten, ist das also vielleicht nicht nur als Aufforderung an die eigenen Reihen zu verstehen. Die Geschichte von Robert Enke rührt deshalb so viele, weil es uns auch zeigt, dass solche Schicksale jeden treffen können.

Autor:  Wolfgang Hettfleisch
Datum:  12 | 11 | 2009
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1 Borussia Dortmund 46:14 46
2 Bayern München 49:14 44
3 B. Mönchengladbach 34:12 43
4 FC Schalke 04 46:28 41
5 Werder Bremen 34:35 33
6 Bayer Leverkusen 28:28 31
7 Hannover 96 23:25 31
8 VfL Wolfsburg 27:38 27
9 VfB Stuttgart 31:28 26
10 Hamburger SV 26:34 26
11 1899 Hoffenheim 23:25 25
12 1. FC Köln 29:41 24
13 1. FSV Mainz 05 29:35 23
14 1. FC Nürnberg 19:31 22
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Mannschaft Tore Punkte
1 Fortuna Düsseldorf 45:22 44
2 Greuther Fürth 47:18 43
3 Eintracht Frankfurt 44:21 43
4 FC St. Pauli 41:24 42
5 SC Paderborn 33:22 42
6 1860 München 42:28 35
7 Union Berlin 36:32 34
8 Braunschweig 26:24 30
9 VfL Bochum 28:32 27
10 Dynamo Dresden 36:39 25
11 Energie Cottbus 21:33 24
12 MSV Duisburg 27:33 20
13 Alemannia Aachen 20:28 19
14 Erzgebirge Aue 17:33 19
15 FSV Frankfurt 21:38 18
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4 UD Levante 29:29 32
5 Espanyol Barcelona 25:26 32
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12 FC Fulham 31:36 30
13 Stoke City 24:38 30
14 West Bromwich Albion 29:35 29
15 Aston Villa 29:34 28
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3. Liga
Mannschaft Tore Punkte
1 VfR Aalen 32:22 43
2 SV Sandhausen 35:26 43
3 Jahn Regensburg 37:22 38
4 1. FC Heidenheim 31:24 37
5 1. FC Saarbrücken 42:32 36
6 Rot-Weiß Erfurt 31:26 36
7 Burghausen 36:29 35
8 Chemnitzer FC 31:29 35
9 VfB Stuttgart II 27:29 34
10 Kickers Offenbach 28:25 33
11 Preußen Münster 25:26 32
12 VfL Osnabrück 24:20 29
13 Wiesbaden 26:28 29
14 Arminia Bielefeld 32:38 29
15 SV Babelsberg 33:41 29
16 Unterhaching 38:38 28
17 Darmstadt 98 31:34 27
18 Oberhausen 21:31 21
19 Carl Zeiss Jena 24:43 18
20 Werder Bremen II 24:45 18
Eishockey Oberliga West
Mannschaft Tore Punkte
1 EHC Dortmund 151:45 58
2 EC Bad Nauheim 162:43 56
3 Kassel Huskies 145:57 51
4 EV Duisburg 133:46 44
5 Löwen Frankfurt 112:67 40
6 Hammer Eisbären 98:82 40
7 Ratinger Ice Aliens 109:76 34
8 Königsborner JEC 90:109 33
9 ESC Moskitos Essen 62:118 18
10 Herforder EV 71:175 16
11 EHC Krefeld 42:158 3
12 EHC Netphen 08 35:234 3
1. Basketball Bundesliga
Mannschaft Körbe   Punkte
1 Brose Baskets 1848 : 1449   38
2 ratiopharm Ulm 1677 : 1559   34
3 Artland Dragons 1843 : 1652   32
4 ALBA Berlin 1735 : 1518   30
5 s.Oliver Baskets 1519 : 1404   24
6 Oldenburg 1652 : 1626   22
7 Eisbären Bremerhaven 1556 : 1591   22
8 FC Bayern München 1643 : 1558   22
9 NY P. Braunschweig 1612 : 1629   22
10 Baskets Bonn 1670 : 1668   20
11 FRAPORT SKYLINERS 1383 : 1488   18
12 Tigers Tübingen 1606 : 1638   18
13 BBC Bayreuth 1439 : 1587   16
14 Gießen 46ers 1464 : 1636   14
15 Phoenix Hagen 1681 : 1883   14
16 TBB Trier 1446 : 1553   14
17 EnBW Ludwigsburg 1557 : 1613   12
18 BG Göttingen 1407 : 1686   4
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