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09. November 2012

Rummenigge im Interview (2/2): „Mir gefällt der Mut der Eintracht“

"Uns eint große Freundschaft und großes Vertrauen" - Karl-Heinz Rummenigge über Bayern-Trainer Jupp Heynckes Foto: dapd

Im zweiten Teil des Interviews äußert sich Karl-Heinz Rummenigge über neue Rekordzahlen beim FC Bayern und lobt die Entwicklung von Eintracht Frankfurt.

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Herr Rummenigge, die Nationalmannschaft spielt kommenden Mittwoch in Amsterdam gegen die Niederlande. Rudi Völler findet, ein derart starker Gegner komme da zur Unzeit. Hat er Recht?

Ich sehe das anders: Ich mag keine Spiele gegen Kasachstan, Malta oder Zypern. Mir sind England, Italien oder die Niederlande lieber, auch wenn aus unserer Bayern-Mannschaft dann fünf oder sechs Spieler gefordert werden. Das ist halt Teil des Preises, den man zahlen muss, wenn man viele Nationalspieler in seinen Reihen hat. Ich kann den DFB verstehen, dass er in Testspielen auf solche Gegner setzt.

Bekommt das Spiel zu viel Bedeutung angesichts des Drucks, der vor allem auf Joachim Löw lastet?

Ach, das 4:4 gegen Schweden ist doch völlig überbewertet worden. Das wird dieser Mannschaft nie wieder passieren. Die Spieler sind intelligent genug, aus ihren Fehlern die richtigen Lehren zu ziehen. So etwas wird ihnen nie wieder passieren. Die Bundesliga macht international derzeit große Schritte nach vorn, und die Nationalmannschaft hat das in den vergangenen Jahren auch getan. Man sollte diese Leistung sehen. Deutschland ist Zweiter in der Fifa-Weltrangliste. Der Trend geht doch in die richtige Richtung.

Haben Sie die Kritik an Löw als überzogen wahrgenommen?

Ich fand sie am Ende des Tages nicht kontraproduktiv. Bei der Nationalmannschaft war man auch ein Stück zu euphorisch und zu überzeugt, genau wie bei uns im vergangenen Jahr. Durch die Wucht der Kritik ist man da jetzt wieder ein Stück geerdeter. Sowohl die Spieler als auch der Bundestrainer und das Management. Die werden sich künftig zurückhaltender äußern als noch vor der EM. Es wird bei der nächsten Weltmeisterschaft im Übrigen noch schwieriger, den Titel zu gewinnen. Das sage ich hier mal so voraus.

Was sagen Sie denn Eintracht Frankfurt, Ihrem Gegner im Bundesliga-Spitzenspiel, voraus?

Die Eintracht beweist gerade, dass man mit guten Aktivitäten im Management und einem klugen Plan des Trainers Erfolg haben kann. Ich traue den Frankfurtern durchaus zu, dass sie am Ende der Saison zwischen Platz vier und Platz sieben ankommen. Das könnte zur Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb reichen. Mir gefällt der Spielstil, mir gefällt der Mut und auch, wie der Klub jetzt auftritt. Ich habe Heribert, mit dem ich inzwischen ein wirklich gutes Verhältnis habe, in der Vergangenheit auch mal kritisiert.

Weil er gebetsmühlenartig davon gesprochen hat, dass die Bundesligatabelle zementiert ist?

Ich habe ihm gesagt: ,Heribert, Du lebst in einer Stadt wie Frankfurt, dort wurde früher um die deutsche Meisterschaft mitgespielt. Das ist der Anspruch, und nicht der Nicht-Abstieg!“ Jetzt beweist die Eintracht gerade, dass man mit sehr guter Arbeit doch da oben reinklettern kann. Dortmund hat das doch auch schon bewiesen. Dort lag der Verein finanziell doch völlig danieder und hat sich mit Akribie und klugen Entscheidungen wieder oben reingearbeitet und etabliert.

Eintracht Frankfurt droht aber nun, sein größtes Talent schon wieder davonziehen lassen zu müssen. Sebastian Rode wird heiß umworben. Wie soll ein Verein wie die Eintracht einen solchen Spieler halten?
Indem er standhaft bleibt, wie Heribert Bruchhagen das ja auch schon angekündigt hat. Rodes Vertrag läuft bis 2014. Nicht das schnell Geld ist das Wichtigste für einen Fußballklub. Das kommt automatisch, wenn der Erfolg da ist. Wenn Rode sich in Frankfurt in einer erfolgreichen Mannschaft wohlfühlt, dann wird er vielleicht über das derzeitige Vertragsende hinaus in Frankfurt bleiben.

Zuletzt, Herr Rummenigge, war von Ihnen öffentlich nicht viel zu hören, umso regelmäßiger hat sich Präsident Uli Hoeneß zu Wort gemeldet. Wie kommen Sie miteinander zurecht, seit Hoeneß Präsident ist und nicht mehr direkt im operativen Geschäft tätig sein sollte?

Interview mit Rummenigge

Vor dem Duell mit Eintracht Frankfurt äußert sich Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge ausführlich im Interview mit unserer Zeitung.

Hier klicken für Teil 1 des Interviews mit Rummenigge, Teil 2 des Interviews folgt hier.

Uli Hoeneß ist ein wesentlich aktiverer Präsident, als es sein Vorgänger Franz Beckenbauer war. Uli sagt bei seinen vielen Vorträgen sicherlich auch pointiert seine Meinung und polarisiert dabei auch regelmäßig. Wir kennen uns seit 1974, sind eng befreundet und ich habe sehr großen Respekt vor seiner Lebensleistung zum Wohle des FC Bayern. Wichtig ist, dass unser Innenverhältnis intakt ist, das gilt es auch zu bewahren. Denn ich bin überzeugt davon: Die Prozentpunkte, die du intern durch Eifersüchteleien oder irgendwelche Streitigkeiten verbrauchst, die fehlen dir am Ende extern.

Und wenn Hoeneß mal einen raushaut und Sie bekommen das am nächsten Tag erst mit, dann?

Frage ich ihm auch mal, ob denn das jetzt unbedingt nötig war.

Beim DFB waren die Mitarbeiter hin und wieder ganz schön genervt, weil Matthias Sammer so anstrengend ist. Wie ergeht es Ihnen mit dem Sportdirektor?

Wir sind sehr zufrieden mit seiner Arbeit. Er handelt mit großer Akribie und Qualität. Mir gefällt auch, dass er der Mannschaft auch mal nach einem Sieg kritisch gegenübersteht. Ich fand es produktiv, dass er nach dem 2:0 in Bremen Kritik geäußert hat, auch wenn unser Trainer das anders sah. Ich habe das Jupp Heynckes tags darauf auch so gesagt. Wir müssen harmonisch und loyal im Interesse des FC Bayern zusammenarbeiten. Dazu gehört auch, dass ein Sportdirektor sich auch mal in der Öffentlichkeit äußern muss, wenn ihm etwas nicht gefällt: Um die Mannschaft nämlich davon abzuhalten, auf den falschen Weg zu geraten.

Wie hat sich das Verhältnis der beiden Alphatiere Sammer und Heynckes zueinander entwickelt?

Das ist vor allem ein medial strapaziertes Thema. Das war uns vorher schon klar. Ich habe mit beiden viel zu tun und sehe, dass sie harmonisch, loyal und qualitativ sehr gut miteinander umgehen.

Sagen Sie das jetzt voller Überzeugung oder nur, weil Sie mit einem Journalisten sprechen?

Ich sage das ganz sicher nicht, um da irgendwo Valium reinzuschütten. Das würde ja ohnehin sonst hochkochen. Ich muss Ihnen auch sagen: Matthias macht es sehr sensibel.

So sensibel, dass Sie bei der Jahreshauptversammlung womöglich sogar die Vertragsverlängerung mit Jupp Heynckes bekannt geben?

Ich habe Jupp im Sommer darauf hingewiesen, dass das Thema im Herbst auf uns zukommen wird. Er hat mich gebeten, dass wir damit im Jahr 2012 mit großer Souveränität umgehen sollten, um dann 2013 zu besprechen, wie es weitergeht. Uns eint große Freundschaft und großes Vertrauen. Wir brauchen derzeit auch keine populistischen Verkündigungen. Der FC Bayern ruht derzeit ein Stück in sich selber. Diesen Eindruck habe ich jedenfalls.

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Wird es denn Zahlen zu vermelden geben, die den Rekordumsatz des Konzerns von 350 Millionen Euro aus der Saison 2009/10 noch übertreffen?

Ja. Es wird neue Rekordzahlen für Bayern München und damit auch für die gesamte Bundesliga geben. Ich kann Sie Ihnen aber noch nicht exakt verraten. Dadurch, dass wir in sämtlichen Wettbewerben bis zum Schluss vorn dabei waren, hat sich das auf Umsatz und auf Gewinn positiv bemerkbar gemacht. Wir sind zum 15. Mal in Folge profitabel. Das ist das ganz große Alleinstellungsmerkmal, das wir in Europa darstellen. Wir haben jeden Euro sauber und selber verdient.

Das größte Thema abseits des Platzes sind die Fans und wie mit ihnen umgegangen werden soll. Man hört dazu wenig vom Branchenführer. Warum?

Wir sind sicher keine Insel der Glückseligkeit und haben in der vergangenen Saison allein 130 000 Euro Strafen an DFB und Uefa für das Abrennen von Pyrotechnik zahlen müssen. Die Situation ist für DFL und DFB schwierig zu meistern, weil es in den Klubs völlig unterschiedliche Ausgangssituationen gibt. Manche Vereine haben das gut im Griff, bei anderen habe ich den Eindruck, dass die Fans schon schleichend mehr und mehr die Macht übernehmen wollen.

Haben DFL, DFB und Vereine zu wenig mit den Fans gesprochen, wie von diesen moniert wurde?

Ich kann das für unseren Fall klar zurückweisen. Wir haben schon vor Jahr und Tag einen „Arbeitskreis Fandialog“ gegründet, in dem 30 Leute sitzen, auch Vertreter der Ultraszene. Dort wird alles besprochen und verabredet. Von Seiten der Ultras werden diese Verabredungen auch weitestgehend eingehalten, nur in Sachen Pyrotechnik leider nicht immer.

Gibt es, wie beispielsweise in Dortmund und Aachen, auch in München die Gefahr der Unterwanderung durch die rechte Szene?

Davon ist mir hier nichts bekannt. Wir haben das untersuchen lassen und arbeiten da weiter sehr eng mit der Polizei und der Politik zusammen.

Das Gespräch führte Jan Christian Müller.

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