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13. Mai 2010

Schach-Weltmeister Anand: "Es war ein Wellental"

Schachweltmeister Viswanathan Anand (rechts) verteidigt seinen Titel gegen den bulgarischen Herausforderer Wesselin Topalow.  Foto: rtr

Viswanathan Anand verteidigt in einer dramatischen zwölften Partie bei der Schach-Weltmeister seinen Titel. Im FR-Interview erzählt der 40-jährige Inder, warum er die 1,2 Millionen Euro Preisgeld braucht.

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Viswanathan Anand hat in einer dramatischen zwölften WM-Partie seinen Titel als Schach-Weltmeister verteidigt. Der 40-jährige Inder schlug seinen bulgarischen Herausforderer Wesselin Topalow 6,5:5,5 und kassierte dafür 1,2 Millionen Euro Preisgeld. (hm)

Nach dem Sieg in der aufregenden zwölften Partie sagten Sie als Erstes: "Heute bin ich um zehn Jahre gealtert." Fühlen Sie sich einen Tag danach noch immer wie 50?

Es ging eben heiß her, bis zum Schluss blieb alles offen. Morgens wachst du auf und machst dir Gedanken, was passiert, wenn du heute verlierst oder es mit einem Remis in den Tiebreak geht. Insgesamt war es ein hartes Match.

Wie bewerten Sie den gesamten Matchverlauf?

Es war ein Wellental. Die erste Partie war schlicht ein Desaster. Trotzdem machte ich mich nicht verrückt, weil das Match noch lange dauerte und ich auch den Spieß zum 2,5:1,5 rasch für mich umdrehte. Das war natürlich schön. In den Runden sechs bis zehn verpasste ich einiges und musste den Ausgleich zulassen.

Topalow überzog im letzten Duell mit Weiß. Er nannte es seinen "Fehler", ein Remis zum 6:6 zu scheuen. Ihn trieben negative Erinnerungen um, weil er bereits 2006 in der Schnellschach-Verlängerung gegen Wladimir Kramnik den Kürzeren gezogen hatte. Angeblich auch, weil er damals an einem 13. Oktober unterlag - und der Tiebreak wieder auf einen 13. angesetzt war.

Darüber darf man nicht nachdenken. Ich habe auch schon einige Verlängerungen verloren. Er riskierte zu viel - aber okay, hätte er die Partie gewonnen, wäre er für seinen Wagemut gefeiert worden.

Da Sie als bester Schnellschachspieler gelten: Hätten Sie sich bei einem 6:6 in der Verlängerung als klarer Favorit gefühlt?

Wenn ich mit Schwarz remisiere, fein. Dann ginge es eben in den Tiebreak. Man kann das allerdings nicht als normales Schnellschach-Turnier sehen: Bei einer WM-Verlängerung spielen die Nerven eine ganz andere Rolle.

Topalow lobte Sie im Vorfeld als universelles Schachgenie mit Stärken in allen Bereichen. Ihr Vorteil im Vergleich mit dem Bulgaren?

Wesselin gelingen immer wieder herausragende Resultate. Ich würde sagen, er spielt wechselhafter als ich und macht mehr Fehler - holt aber auch mehr Punkte. Er riskiert einfach mehr als ich, weshalb ich konstanter spiele.

Abgesehen vom WM-Kampf, den natürlich jeder erbittert führt und gewinnen will: Wie ist Ihr Verhältnis zu Topalow, der wie Sie in Spanien lebt?

Diesmal redeten wir nicht viel. Erst nach dem letzten Zug unterhielten wir uns ein bisschen. Dass er sich während des Zweikampfs nur auf die nötigste Konversation beschränkte, machte mir nichts aus - es geht schließlich um den Titel. In anderen Turnieren pflegen wir einen entspannten Umgang.

Bei der WM 2006 gegen Kramnik brachte sich Topalow wegen der schmutzigen Tricks seines Managers Silvio Danailow, der den sogenannten "Toilettenskandal" nach einem Rückstand inszenierte, um sämtliche Sympathien außerhalb Bulgariens. Rechneten Sie mit fiesen Manövern der Gegenseite?

Ich denke, diesmal lief alles völlig fair ab. Natürlich weiß man nie allzu genau, was passiert - ich selbst kümmerte mich nur ums Schachliche und überließ den Rest meinem Team. Topalow benahm sich am Brett völlig korrekt und verzichtete auf Nebenkriegsschauplätze.

Gerüchten zufolge soll die bulgarische Seite 100.000 Euro investiert haben, um die vierte Version des stärksten Schachprogramms, "Rybka", zur Vorbereitung auf Sie zu bekommen. Vasik Rajlich bringt es angeblich deshalb erst jetzt nach der WM auf den Markt.

Dazu kann ich nichts sagen. Während des Zweikampfs lese ich keine Schachnachrichten, und meine Mannschaft erzählt mir derlei dann lieber nicht. Jetzt ist es natürlich interessant zu erfahren, ob das tatsächlich stimmt. Aktuell bekümmert es mich wenig, weil ich ja gewonnen habe.

In der Weltrangliste machen Sie wieder einige Punkte gut und rücken zum 19-jährigen Norweger Magnus Carlsen und dem zweitplatzierten Topalow auf: Besteht Ihr nächstes Ziel darin, dort auch wieder die Führung zu übernehmen?

Mein nächstes Ziel ist, die nächsten Monate Ferien zu machen.

Zehn Jahre in der letzten Partie gealtert: Wenn Sie noch zwei solch aufwühlende WM-Partien spielen, sind Sie 70. Denken Sie an die Rente?

Bin ich Grieche und darf so früh in Rente (grinst)? Wenn ich mich so fühle wie heute, dann bin ich nach zwei weiteren solchen Partien doch erst 27 - zugegeben, Magnus Carlsen würde mich damit vermutlich noch immer für ziemlich alt halten (lacht)!

Interview: Hartmut Metz

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Witali Wutko ist auch der Chef des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2018.

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