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22. Juli 2013

Schalke 04: Ran an den ungeliebten BVB

 Von 
Weist den Weg nach oben: Jermaine Jones. Foto: imago sportfotodienst

Schalke 04 traut sich in der kommenden Bundesliga-Saison einiges zu. Der Klub hat sich auf vielen Ebenen geschickt verstärkt.

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Horst Heldt darf sich getrost selbst ein wenig auf die Schultern klopfen. Die meisten Experten finden nämlich, Schalke 04 habe zur neuen Saison sehr klug eingekauft. Bei Adam Szalai aus Mainz, Felipe Santana aus Dortmund, Christian Clemens aus Köln und dem großen Talent Leon Goretzka aus Bochum hat der findige Manager jeweils Ausstiegsklauseln genutzt und für alle miteinander deshalb nur 15 Millionen Euro gezahlt.

Das Expertenlob für Heldt endet aber nicht an der Außenlinie und macht es dadurch nur noch größer. Denn dass es Schalke 04 gelang, aus München den vormaligen Co-Trainer von Jupp Heynckes nach Gelsenkirchen zu locken, könnte als größte Verstärkung des Sommers interpretiert werden: Peter Hermann, 61, assistiert nun Chefcoach Jens Keller.

In Leverkusen, wo Hermann vor seinem Engagement bei den Bayern zwei Jahrzehnte lang gearbeitet hatte, war man nicht amüsiert, dass der „geachtete Fachmann“ (Heldt) nicht unters Bayer-Kreuz zurückkehrte, sondern dem unmittelbaren Konkurrenten Schalke den Zuschlag gab. Schon hat Verteidiger Benedikt Höwedes festgestellt, dass Hermann im Training „Akzente mit einbringt, die insgesamt die Qualität steigern“.

Kuranyi glaubt an seinen Ex-Klub

Für Akzente sollte auch Sascha Riether vom FC Fulham sorgen. Schalke sieht für die rechte Abwehrseite noch Handlungsbedarf, aber Riether hat beim Klub aus der Premier League keine Ausstiegsklausel. 2,5 Millionen Euro für einen 30-Jährigen, der wohl kaum zu ähnlichen Konditionen wieder verkauft werden kann, erschien dem Aufsichtsrat zu viel. 170 Millionen Euro Verbindlichkeiten müssen die Königsblauen noch abbauen. Wer Vertrauen in die Finanzpolitik des Traditionsklubs hat und derzeit die Zinsen fürs Girokonto als zu niedrig erachtet, dem sei geraten, in Anleihen von Schalke zu investieren, die derzeit fast sechs Prozent Rendite versprechen.

Zu- und Abgänge

Zugänge: Leon Goretzka (VfL Bochum), Adam Szalai (1. FSV Mainz 05), Christian Clemens (1. FC Köln), Felipe Santana (Borussia Dortmund), Tim Hoogland (VfB Stuttgart, Leihe beendet), Anthony Annan (Osasuna, Leihe beendet), Philipp Hofmann (SC Paderborn, Leihe beendet)

Abgänge: Philipp Hofmann (FC Ingolstadt, Leihe), Sergio Escudero (FC Getafe, war bereits ausgeliehen), Jose Manuel Jurado (Spartak Moskau, war bereits ausgeliehen), Christoph Moritz (FSV Mainz 05), Christoph Metzelder (Karriereende), Raffael (Dynamo Kiev, Leihe beendet), Ibrahim Afellay (FC Barcelona, Leihe beendet), Ciprian Marica (Ziel unbekannt)

Horst Heldt hat die solide Refinanzierung der Verbindlichkeiten neulich erst in Zusammenhang mit dem ungeliebten Konkurrenten Borussia Dortmund gestellt, was dort überhaupt nicht gut ankam. „Dortmund“, referierte der Schalker Sportchef, „wäre vor einigen Jahren platt gewesen, wenn die Aktionäre nicht auf ihr Geld verzichtet hätten“, Schalke werde dagegen alle Schulden zurückzahlen.

Das wäre in der Tat einfacher, sollten die Knappen in der Qualifikation zur Champions League erfolgreich sein. Über Nacht wären dann rund 20 Millionen Euro mehr im Topf. Noch einmal 45,5 Millionen Euro würden die Schalker kassieren, wenn Julian Draxler seinen bis 2018 verlängerten Vertrag nicht erfüllte. Der Nationalspieler gehöre zu „den Top Drei in Europa auf seiner Position“, mutmaßt Heldt und ärgerte sich schon, dass er die Ausstiegsklausel nicht noch höher angesetzt hat. Denn 45,5 Millionen für einen 19-Jährigen von der Qualität Draxlers sind im modernen Fußballbusiness für die europäischen Topklubs keine Hürde mehr.

Zunächst einmal bleibt der offensive Mittelfeldspieler den Schalkern aber noch erhalten, weshalb Heldt nicht kleinmütig denken mag, sondern forsch in Richtung Dortmund formuliert: „Ich glaube, dass sie nicht weit weg sind.“ Mittelstürmer Kevin Kuranyi traut seinem Ex-Klub gar zu, „in die Dominanz von Bayern München und Borussia Dortmund einzubrechen“.

Noch nicht stabil genug

Dann wären die Schalker am Ende vermutlich Meister, aber solche Gedanken sind am Ernst-Kuzorra-Weg eigentlich verboten. Jermaine Jones schert sich allerdings nicht um die allgemeine Auffassung: „Unser Ziel sollte es sein, um die deutsche Meisterschaft mitzuspielen. Hohe Ambitionen gehören zum Fußball dazu, und man sollte keine Angst davor haben, dass es schiefgehen könnte“, sagte der 31-Jährige in einem Interview im „Kicker“.

Vermutlich ist der Vierte der vergangenen Saison aber dafür noch nicht stabil genug. Dass Torwart Timo Hildebrand beim 1:3 im Test gegen RB Salzburg nicht nur bei einem Gegentreffer aus 60 Metern schlecht aussah, mag Zufall gewesen sein. Ein paar Restzweifel am ehemaligen Nationaltorwart, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft, bleiben genau wie bei dessen Konkurrenten Ralf Fährmann und Lars Unnerstall.

Mit Felipe Santana, Joel Matip und Höwedes dürften die Schalker in der zentralen Abwehr dagegen bestens bestückt sein. Links sucht Christian Fuchs die Form bester Tage und wäre, wenn er sie fände, ein Topmann, muss sich aber des sehr veranlagten und körperlich geradezu brachialen 20-jährigen Sead Kolasniac erwehren. Das defensive Mittelfeld mit Roman Neustädter und Jermaine Jones genügt gehobenen Ansprüchen. Derweil haben Draxler, Michel Bastos, Klaas-Jan Huntelaar und Jefferson Farfan nun Szalai und Clemens im Nacken.

Bleibt nach der Absage an Riether die rechte Verteidigerposition als möglicher Schwachpunkt. Indes: Männer von der Qualität des Japaners Atsuto Uchida oder Marco Höger hätte manch anderer Bundesligist nur allzu gern für diese Aufgabe abgestellt. Aber die Schalker wollen ja mehr als die meisten anderen Vereine. In Sachen Vereins-TV dürften sie das schon geschafft haben: Gerald Asamoah wird seinen Kopf regelmäßig vor die Kamera halten. Lustig wird’s also zumindest abseits des Platzes auf alle Fälle.

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