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14. März 2013

Schalke 04: Schalkes seltsame Furcht

 Von Daniel Theweleit
Drogba, Sneijder & Co.: Schalkes Träume zerstört. Foto: imago sportfotodienst

Schalke 04 muss sich Galatasaray Istanbul beugen und erkennen, dass die Talsohle noch nicht durchschritten ist. Galatasaray überrascht mit einer neuen Mittelfeldformation.

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Schalke 04 muss sich Galatasaray Istanbul beugen und erkennen, dass die Talsohle noch nicht durchschritten ist. Galatasaray überrascht mit einer neuen Mittelfeldformation.

Gelsenkirchen –  

Eigentlich waren die Voraussetzungen perfekt für einen dieser denkwürdigen Europapokalabende, als Michel Bastos eine halbe Stunde vor dem Abpfiff zum 2:2 für Schalke 04 im Achtelfinal-Rückspiel gegen Galatasaray Istanbul getroffen hatte. Der erstarkte Bundesligist brauchte ein weiteres Tor, um zum dritten Mal in der Klubgeschichte das Viertelfinale der Champions League zu erreichen. Die Euphorie des rechtzeitigen Treffers, der Schwung einer beginnenden Aufholjagd, die gute Schalker Vorgeschichte mit dem Derbysieg vom vergangenen Samstag gegen Dortmund und dem grundlegenden Aufschwung ergaben ein wunderbares Sujet für eine unvergessliche Nacht.

Doch die Mixtur zündete einfach nicht. Publikum und Mannschaft mühten sich ohne Kraft und Esprit, der Zauber des Europapokals blieb Gelsenkirchen an diesem Abend fern, zumindest aus Sicht der Schalker, und am Ende schied der Revierklub mit einer 2:3-Niederlage aus. „Vielleicht sind wir zu jung und zu unerfahren“, suchte Timo Hildebrand nach Erklärungen für die fruchtlosen Mühen in der letzten halben Stunde, in der die Türken mit geschickten Zeitverzögerungsmanövern den Spielfluss zerstückelt hatten. „Es ist schade, dass man solche Spiele braucht, um zu lernen“, sagte der Torhüter.

Völlig unerwartet, hatten die Schalker ihre Bissigkeit allerdings nicht verloren, schon die gesamte erste Halbzeit war geprägt von einer fatalen Energielosigkeit. „Dieser unbedingte Wille, diese Gier einfach erfolgreich zu bleiben, hat mir in der ersten Halbzeit ein bisschen gefehlt“, formulierte Benedikt Höwedes später vorsichtig. Auf die Frage, wie das ausgerechnet in einem solch großen Spiel passieren konnte, wusste der Schalker Kapitän keine Antwort. „Vielleicht hatten wir ein bisschen zu viel Respekt“ mutmaßte Julian Draxler, einer der wenigen, die sich nicht von der Verunsicherung anstecken ließen, und lieferte noch eine zweite mögliche Erklärung: „Oder wir hatten den Gedanken in unseren Hinterköpfen, dass wir mit einem 0:0 in Führung liegen.“

Istanbuler Taktik überrascht

Letzteres würde erklären, warum Roman Neustädters eher zufälliger Treffer zum 1:0 (17.) das von Zaghaftigkeit geprägte Schalker Spiel kein bisschen sicherer machte. Erst nach den völlig verdienten Toren der Türken durch Hamit Altintop (37.) und Burak Yilmaz (42.) spiegelte das Ergebnis auch die Kräfteverhältnisse auf dem Rasen wider. Vor dem ersten Tor hatten sich die Schalker derart verängstigt in den eigenen Strafraum zurückgezogen, dass niemand zur Stelle war, als Altintop aus fast 30 Metern schoss. Und vor dem zweiten Treffer versuchte Höwedes Yilmaz zu blocken, statt den Ball entschlossen zu klären. Dass derartige Fahrlässigkeiten in der Champions League bestraft werden, ist wahrlich keine Neuigkeit.

Neben der seltsamen Furcht gab es aber noch einen zweiten Aspekt, der als Erklärung für die misslungene erste Halbzeit taugen könnte. Fatih Terim, dieser spezielle Trainer der Türken, hatte die Schalker mit einer Mittelfeldformation überrascht, in der Wesley Sneijder das offensive Zentrum einer Raute bildete. „So haben wir in dieser Saison noch nie gespielt“, berichtete Altintop, die Überraschungsstrategie ging perfekt auf. Wobei schon auf den Zetteln mit den taktischen Formationen, die die Uefa von den Trainern aufzeichnen lässt und dann einen halbe Stunde vor dem Anpfiff verteilt, zu sehen war, was Terim vorhat.

Vielleicht hat es der Schalker Coach Jens Keller versäumt, da schon zu reagieren, die unerwartete Grundordnung der Türken bereitete den Schalkern nämlich enorme Probleme. „Wir haben mit einer anderen Aufstellung gerechnet und in der ersten Halbzeit keine Mittel gefunden, dagegen zu agieren“, sagte Höwedes. Das war ein Problem, aber eher nicht die Hauptursache der bitteren Niederlage. Denn Galatasaray spielte zwar besser als im Hinspiel, wirkte aber keineswegs resistent gegen einen Schalker Sturmlauf, der nach der Pause begann, aber nur etwa 20 Minuten lang die erforderliche Wucht entwickelte. Und selbst in diesem wesentlich besseren Spielabschnitt waren viele Schalker Aktionen durchsetzt von Ungenauigkeiten, während die Türken prächtige Kontergelegenheiten hatten, von denen sie erst die letzte nutzten, als Umut Bulut zum 2:3 traf (90.+5).

Schalke ist also immer noch ein ziemlich fragiles Gebilde, auch wenn der Sieg im Derby zuletzt einen anderen Eindruck vermittelt hat. Dennoch sei auch an diesem Abend erneut zu sehen gewesen, dass „die Mannschaft funktioniert“, sagte Hildebrand. Aber für ein Champions-League-Viertelfinale reicht es dann doch nicht.

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