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05. Juni 2011

Schwimm-DM: Von ganz unten wieder aufgetaucht

 Von Karin Bühler
„Ich bin wieder ganz groß.“ Marco di Carli. Foto: rtr

In seiner Karriere hat der Frankfurter Marco di Carli schon viele Täler durchschritten. Nach dem deutschen Rekord über 100 Meter Freistil ist er aber wieder obenauf. Nun steht ihm nur noch die Annäherung an Bundestrainer Dirk Lange bevor.

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Marco di Carli hat die dunklen Momente in seiner Vergangenheit vermutlich gebraucht, um die deutsche Meisterschaft so losgelöst zu erleben − losgelöst von allen Erwartungen. Ins Wasser gesprungen war er als einer, dessen Talent als verschleudert galt. Als das Großmaul mit den roten Haaren, das immer ein bisschen zu keck durch die Halle lief. Dieses Mal ließ der Schwimmer der SG Frankfurt große Ankündigungen bleiben. Mit 26 Jahren, sagte er, sei er nicht nur älter, sondern auch klüger.

Am Freitag gewann er die 50 Meter Freistil. Nach dem Finale über 100 Meter Freistil am Samstag zeigte seine geballte Faust das Ausmaß des Triumphs: 48,24 Sekunden Sekunden, Platz eins, deutscher Rekord, die Favoriten Paul Biedermann und Steffen Deibler geschlagen, die Norm für die Weltmeisterschaft in Schanghai unterboten – und, nanu, Weltjahresbestzeit. Di Carli war selbst überrascht: „In den USA klicken sie bestimmt jetzt Google an und fragen sich: Wo kommt der Typ denn her?“ Die Antwort ist: von ziemlich weit unten.

Nach seinem ersten deutschen Rekord über 100 Meter Freistil vor vier Jahren verpasste er 2008 die Olympiaqualifikation, 2009 die WM. 2010 kam er nach einer enttäuschenden deutschen Meisterschaft nach Hause, die Freundin hatte sich von ihm getrennt, nichts stimmte mehr in seinem Sportlerleben. Di Carli war wütend, verzweifelt, er schlug auf seinen Schrank ein und brach sich dabei die Hand. In der Zeit danach, in der er nicht trainieren konnte, aß er kaum noch.

Tiefpunkt überwunden

Im Herbst 2010 war er am Tiefpunkt. Bei 1,89 Metern Körpergröße wog er noch 68 Kilo. „Das, was ich im Spiegel gesehen habe, war nicht mehr ich“, sagt Marco di Carli. So mochte er nicht weitermachen. Er setzte sich ein Ziel: Olympia 2012. Dafür wollte er wieder ernsthaft trainieren. Er nahm unter Anleitung eines Ernährungsberaters zu, kreierte sein Kraft-Zirkeltraining und wechselte vor wenigen Wochen zu seinem alten Coach Michael Ulmer. „Der Mann weiß, wie er mit mir als Extremcharakter umgehen muss“, sagt di Carli, mit einem, der kein Mittelmaß kenne. „Wenn ich zu hoch fliege, muss er das Flagggeschütz auspacken und mich vom Himmel schießen.“

Für den angehenden Kommissar aus der Sportfördergruppe der hessischen Polizei änderten sich die Parameter. Er wog wieder 80 Kilo. Eine neue Liebe gab ihm neuen Rückhalt. Nun steht die Annäherung an Dirk Lange bevor, bei dem er früher trainierte und der kein Verständnis mehr hatte für di Carlis Instabilität. Es sei eine gewisse Bürde, „als Weltranglistenerster in ein WM-Finale zu gehen“, sagte der Bundestrainer. Es klang so, als sei di Carlis Problem der Vergangenheit seine Aufgabe für die Zukunft: unter Druck stabil bleiben.

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