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22. Februar 2016

Schwimmen: „Nachts nicht schlapp machen“

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Noch im Bau befindlich: die Schwimmhalle im olympischen Park.  Foto: imago/Xinhua

Im Interview mit der FR klagt Schwimm-Bundestrainer Henning Lambertz über ungewohnte Zeiten für die olympischen Finalläufe und spricht über seinen Zehnjahresplan, der die Deutschen in die Weltspitze führen soll.

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Seit 2013 ist Henning Lambertz Cheftrainer des Deutschen Schwimmverbandes. Der 45-Jährige ist nach seiner aktiven Karriere sehr schnell ins Trainergeschäft eingestiegen. Am Bundesstützpunkt in Essen machte Lambertz unter anderem Thomas Rupprath und Antje Buschschulte flott. Lambertz will Deutschland wieder zu einer der führenden Schwimmnationen in Europa machen.

Herr Lambertz, bei den Olympischen Spielen in Rio müssen die Schwimmer zwischen 22 und 24 Uhr Ortszeit zu den Finals ins Wasser springen. Gefällt ihnen das?
Nein, natürlich nicht. Für alle, die aus Europa oder dem Osten des Globus kommen, ist das ein großer Nachteil. Dagegen sind die fünf Stunden Zeitverschiebung ein kleines Problem. Zwischen 22 und Null Uhr sind die Schwimmer normalerweise schon im Bett, damit sie ihre acht Stunden Schlaf bekommen. Wegen der Live-Übertragungen zur Prime Time in den USA ist das für unsere Sportler eine sehr unfreundliche Zeit.

Wie bereitet sich die Mannschaft jetzt darauf vor?
Wir müssen versuchen einen komplett neuen Wettkampfrhythmus aufzunehmen, um auch um Mitternacht noch die beste Leistung abrufen zu können. Dieser Zeitrahmen hat natürlich noch weitere Auswirkungen. Die Athleten werden gegen 1.30 Uhr noch etwas zu Abend essen wollen. Wir alle wohnen im olympischen Dorf, da beginnen viele Sportler anderer Sportarten um sechs Uhr früh schon mit den Vorbereitungen auf ihren Wettkampf. Da ist schon Trubel, da wird es laut. Da ist nicht mehr viel mit der erwünschten Ruhe bis 10 Uhr.

Der Frankfurter Jan-Philip Glania hat schon mal versucht, eine Woche lang im Olympia-Rhythmus zu leben. Begeisterung über diesen Selbstversuch klingt anders. Ziemlich problematisch sei das ganze, hat er gesagt. Wie wird sich das Team darauf vorbereiten?
In Zusammenarbeit mit unserem Verbandsarzt Dr. Michael Ehnert haben wir vereinbart, dass jeder Athlet zwei bis dreimal mindestens eine solche Testwoche bis zu den Spielen einschiebt. Wir befragen die Sportler dann, wann sie gut geschlafen haben, wann sie Hunger hatten, wann sie unruhig waren, wie sie sich gefühlt haben. Dies werten wir aus und ziehen hoffentlich die richtigen Schlüsse. Wir müssen es hinbekommen, dass wir um Mitternacht fähig sind, die beste Leistung abzurufen. Wir werden uns auch daran gewöhnen müssen, um zwei Uhr nachts zu Abend zu essen. Blut- und Hormonanalysen, verglichen mit den bekannten Werten, sollen dann das Bild für unseren Arzt abrunden.

Wenn es da große Abweichungen gibt, was kann die medizinische Abteilung tun?
Es kann mit homöopathischen Mitteln, Ernährungsoptimierung und Lichttherapien gegengesteuert werden. In die Vorbereitung nach Florianopolis werden wir z.B. extra einen Koch integrieren. Der kann in Absprache mit dem Arzt über die Ernährung natürlich auch helfend steuern. Brauchen wir mehr essentielle Aminosäuren, leichtere Fischkost, mehr Fleisch oder mehr Gemüse, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wir arbeiten auch mit der angesprochenen Lichttherapie, nehmen Lampen mit, die das Tageslicht simulieren können. Mit Melatonin oder Baldrian können wir sicher den ein oder anderen besser zum Einschlafen bringen, andererseits aber auch versuchen müde Sportler abends durch die Nacht zubringen, damit diese eben gegen Mitternacht nicht müde und schlapp werden.

Geschuldet ist die Änderung des gewohnten Bio-Rhythmus dem US-amerikanischen Sender NBC, der die TV-Rechte besitzt und Schwimmen zur Prime-Time in vielen US-Staaten senden will.
Richtig. Wir haben uns mit einigen Teams und deren Trainern dagegen ausgesprochen. Wir sind alle nicht glücklich. Aber, Geld regiert die Welt. So ist es eben.

In der Vorbereitung wird das Team das alles simulieren?
Wir fliegen am 18. Juli nach Brasilien und werden uns bis zum 6.August genau auf die Zeiten einstellen. Training für die Finalläufe ist zwischen 22 und 24 Uhr. Mittagessen gibt es gegen 16.00, Abendessen gegen 1.00 Uhr nachts.

Henning Lambertz will Deutschland wieder zu einer der führenden Schwimmnationen in Europa machen.  Foto: imago/Camera 4

Wie war denn die Resonanz auf die bisherigen Selbstversuche?
Die war ganz unterschiedlich und das macht es für uns so schwer. Manchen fiel die Umstellung recht leicht. Das sind die nachtaktiven Menschen, die morgens gerne auch ein bisschen länger schlafen. Denen kommt man mit dem Rhythmus fast ein bisschen entgegen. Andere Sportler hatten große Probleme. Die sind es gewohnt morgens sehr früh gegen 6 Uhr zu trainieren und abends gegen 18 Uhr auch. Die waren auch nach einer Woche Umstellung in dem Rhythmus noch nicht angekommen. Die Spannbreite ist riesig.

Fast logisch wäre es, die Qualifikationswettkämpfe im Mai und Juli auch schon im Olympia-Rhythmus zu bestreiten.
Das Trainerteam hat das natürlich überlegt. Wir haben uns aber anders entschieden, weil wir nicht sicherstellen konnten, dass alle Top-Athleten die gleichen Bedingungen haben, um sich darauf vorzubereiten. Im Mai gehen noch viele Sportler zur Schule. Sie müssen vor der Schule trainieren und können nicht um Mitternacht noch einen Finallauf simulieren. Wir haben eben nur wenige Profi-Schwimmer.

Probleme macht nun auch der Zika-Virus für alle, die nach Rio de Janeiro reisen?
Da stimmen wir uns natürlich auch mit den Ärzten ab. Vorher kann man wenig tun. Für gesunde Menschen soll der Virus ja ungefährlich sein. Allerdings will sich natürlich kein Athlet ausgerechnet bei den Spielen mit einem Grippe ähnlichen Virus anstecken. Der Deutsche Olympische Sportbund hat uns darüber informiert, dass es sehr wirksame Sprays gegen die Mücken gibt. Die werden in ausreichender Zahl verteilt werden. Weiterhin sollte überwiegend lange Kleidung getragen werden. Vorausschauend haben wir unser Pre-Camp ebenfalls in eine Halle gelegt.

Kommen wir mal zum Sportlichen. Wie sind Sie mit den bisherigen Trainingslagern zufrieden?
Der Gesamteindruck ist sehr gut. Insbesondere Marco Koch ist gerade mit sehr starken Zeiten unterwegs.

Sie bleiben dennoch sicher bei ihrer Linie, dass die Öffentlichkeit mit den Schwimmern noch ein wenig Geduld haben muss, bis das Team auf breiterer Basis wieder in der Weltspitze angekommen ist?
Ja, klar. Ein Leistungsschwimmer braucht ungefähr acht bis zehn Jahre um Höchstleistung zu bringen. Vier Jahre Geduld brauchen wir also schon noch (seit drei Jahren verfolgt der DSV meine Linie), um dahin zu kommen, wo wir mit breiter Basis hinwollen. Bis dahin ruhen unsere Hoffnungen auf Topathleten wie Marco Koch, Paul Biedermann oder Franziska Hentke.

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