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12. Dezember 2012

Sicherheitskonzept: Und jetzt zurück zum Spiel

 Von Jan Christian Müller
Fußballfans halten Transparente mit der Aufschrift "ich fühle mich sicher". Foto: dapd

Die Bundesligaklubs verabschieden das Sicherheitskonzept „Sicheres Stadionerlebnis“. Die DFL misst dem Papier historische Bedeutung zu, hofft auf Fanunterstützung und ein wenig Demut von der Politik.

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Die Bundesligaklubs verabschieden das Sicherheitskonzept „Sicheres Stadionerlebnis“. Die DFL misst dem Papier historische Bedeutung zu, hofft auf Fanunterstützung und ein wenig Demut von der Politik.

Frankfurt –  

Das größte Problem für den Vorstandschef des FC Bayern München war zum Ende der Mitgliederversammlung des Ligaverbandes am Mittwoch in Frankfurt, pünktlich mit dem Taxi zum Flughafen zu gelangen. Weil aber einige Hundertschaften Fußballfans vor der Tagungsstätte ausharrten, musste Karl-Heinz Rummenigge kehrtmachen und einen Hinterausgang nehmen. Nicht ohne zuvor von Reportern gestellt zu werden: Da berichtete er gehetzt, aber zufrieden von „breiter Zustimmung“ für das Maßnahmenpaket „Sicheres Stadionerlebnis“ der Bundesliga.

Die 36 anwesenden Lizenzklubs der Ersten und Zweiten Liga hatten dabei einen Antrag des Hamburger SV, die Abstimmung über das Papier ins kommende Jahr zu verlegen, mit 31:5 Stimmen abgelehnt. Der Hamburger Präsident Karl-Edgar Jarchow teilte mit, er werde diese zu erwartende Niederlage „unseren Mitgliedern aktiv erklären“. Er sah dabei nicht sonderlich beleidigt aus.

Um kurz vor halb vier Uhr nachmittags und damit eine knappe Stunde später als geplant, trat dann der Ligapräsident Reinhard Rauball vor die Presse. Er wertete es als „gute Nachricht, dass der Ligaverband von sich aus in der Lage ist, seine Hausaufgaben zu machen“, und zwar ausdrücklich „nicht für die Polizei oder Politik“, sondern aus Eigenantrieb. Das kann man so sehen, muss man aber nicht.

Historische Bedeutung

Rauball gab der viereinhalbstündigen Veranstaltung eine historische Bedeutung: „Ich ordne sie ähnlich hoch ein wie den erfolgreichen Kampf um die 50-plus-1-Regel.“ Das Papier wird ab der kommenden Saison greifen und nach drei Jahren mit Blick auf die Wirksamkeit überprüft werden. In Richtung der Fans sagte Rauball diplomatisch, er sei „weit entfernt davon“, den „schmerzhaften Prozess“ als „Triumph“ zu sehen, er könne versichern, dass durch das Maßnahmenpaket „die Fußballkultur in Deutschland nicht gefährdet wird“.

Von der Politik erwartet der Ligaboss nun eine gewisse Demut: „Die Drohungen der vergangenen Wochen in Bezug auf die Aufwendungen der Polizeieinsätze müssen mit der Umsetzung unseres Papiers ein für alle Mal vom Tisch sein.“ Auch die „angedrohten Eingriffe, die bis zur Abschaffung der Stehplätze reichten,“ seien somit obsolet. Die Innenminister hätten ihm signalisiert, dass der deutsche Profifußball nun „nicht mehr mit der Androhung von Restriktionen rechnen“ müsse.

Die Bundesliga ihrerseits habe gezeigt, dass sie in der Lage sei, „Verantwortung zu übernehmen“. Auch seien die Klubs bereit, die Mittel für Fanprojekte zu erhöhen, in etwa entsprechend der Forderung der Politik von rund zehn Millionen Euro, freilich nur, „wenn sich die öffentliche Hand nicht zurückzieht“.
Der Frankfurter Vorstand Axel Hellmann zeigte sich „zufrieden mit den Ergebnissen“ und vor allem auch damit, dass ein aktueller Abänderungsantrag von Eintracht Frankfurt auf Zustimmung gestoßen war.

"Da geht es auch um Transparenz"

Danach müsse, so Hellmann, bei Personenkontrollen in geschlossenen Räumen oder Zelten ein Fanbeauftragter des betroffenen Klubs vor Ort sein, „da geht es auch um Transparenz“. So lasse sich besser nachvollziehen, in welchem Umfang tatsächlich die heftig umstrittenen Ganzkörperkontrollen durchgeführt würden. Ohnehin sei das nun beschlossene Papier „nicht mehr zu vergleichen“ mit dem Ende September vorgelegten und auf breite Kritik gestoßenen Original.

Sogar am Mittwoch wurde noch ein aktueller Passus eingearbeitet. Danach dürfen Heimvereine die bislang auf zehn Prozent der Gesamtmenge festgelegten Kartenkontingente für Auswärtsfans nicht eigenmächtig ohne vorherige Absprache verkleinern. Sie müssen für diese „absoluten Ausnahmefälle“ (Ligavizepräsident Peter Peters) vorher die Gründe bei DFB und DFL vorlegen und dürfen nicht willkürlich Auswärtsfans Karten vorenthalten. Dieser Punkt war von Fanvertretern besonders scharf kritisiert worden.

Zweitligist Union Berlin lehnte das Antragspaket ab, „da die tatsächliche Sicherheitslage im deutschen Fußball aktuell keine Beschlussfassung“ erfordere. Es handele sich „größtenteils um Selbstverständlichkeiten“, die seit Jahren gelebte Praxis seien. „Es gibt keinerlei Veranlassung, sich einem wodurch auch immer motivierten politischen Druck zu beugen und zum jetzigen Zeitpunkt symbolisch eine Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, die überhaupt nie in Frage stand“, erklärte Unions Präsident Dirk Zingler: „Für ein solches Handeln steht der 1. FC Union Berlin nicht zur Verfügung.“

Rauball äußerte Unverständnis für diese Argumentation. Die beschlossenen Maßnahmen müssten „unter Einbindung alle Beteiligten inklusive der Vertreter von Fanorganisationen umgesetzt werden“.


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