Aktuell: Paralympics 2016 in Rio | Sport A-Z | Fußball-News | Eintracht Frankfurt | Blog-G
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Sport
Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker

17. September 2014

Simone Laudehr: „Schön, dreckig in der Kabine zu sitzen“

 Von 
„Ich bin ein ,Südi‘, ein Bayer.“ Simone Laudehr vom 1. FFC Frankfurt.  Foto: imago/Christian Schroedter

Nationalspielerin Simone Laudehr spricht im Interview über kaputte Knie, durchgetretenen Kunstrasen, den FFC-Trainer Colin Bell – und ihr Vorbild Bastian Schweinsteiger.

Drucken per Mail

Simone Laudehr ist zur Führungskraft in der Frauen-Nationalmannschaft als auch beim 1. FFC Frankfurt aufgestiegen. Die 28-Jährige hat bei der erfolgreichen WM-Qualifikation in Russland ihr 78. Länderspiel bestritten und ihr 21. Länderspieltor erzielt. Die gebürtige Regensburgerin will im Sommer 2015 in Kanada ihre dritte WM spielen. Bis dahin läuft auch ihr Vertrag im Verein.

Das letzte WM-Qualifikationsspiel gegen Irland findet in Heidenheim statt. Werden ihre Eltern, Vater Hubert und Mutter Doina, im Stadion sein?
Eigentlich kommt meine Familie ja immer, aber da ich mir einen ganz süßen Jack Russell zugelegt habe, bleiben sie diesmal wahrscheinlich zu Hause. Sie müssen auf meinen Hund aufpassen (lacht).

Wie kommt eine Nationalspielerin auf den Hund?
Ich liebe Hunde schon länger. Ich habe sehr lange abgewogen, ob ich das unter einen Hut bekomme. Jetzt kann ich sagen, dass das gut funktioniert, und ich genug Zeit für „Merlin, den Zauberer“ habe – so heißt der nämlich. Mir macht es nichts aus, morgens vor dem Training noch durch die Prärie spazieren zu gehen. Dadurch komme ich sogar besser auf Touren.

Wo geht das in einer Großstadt wie Frankfurt?
Ich wohne vor den Toren Frankfurts, habe einen Park vor der Tür und Wiesen und Felder. Das ist mir wichtig, weil ich in der Natur gut entspannen kann.


Berichte aus allen Sportarten und Fußball-Liveticker -
auch unterwegs auf dem Laufenden mit „FR News“.
Unsere beliebte App für iPhone und Android-Smartphones.

Sie spielen mit dem Verein in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Womens Champions League. Sind Sie froh, dass unter die lästige WM-Qualifikation endlich einen Haken machen konnte? Der sportliche Wert war ja eher gering…
Natürlich ist es schwer, wenn sich ein Gegner oft nur hinten reinstellt. Da darf man nicht ungeduldig werden. Aber das gibt es doch bei den Männern genauso. Schottland war im letzten EM-Qualifikationsspiel auch technisch deutlich schwächer, aber die deutsche Mannschaft hat sich trotzdem schwer getan.

Spielt bei der WM 2015 in Kanada eine Rolle, was 2011 in Deutschland passierte? Am Sonntag lief auf 3sat der Film „11 Freundinnen“, der die Ereignisse von damals dokumentiert.
Ehrlich gesagt, denke ich gar nicht mehr darüber nach. Drei Jahre sind eine so lange Zeit. Natürlich haben wir viele Erfahrungen gemacht, aber jetzt müssen wir uns auf ganz andere Herausforderungen einstellen: die langen Flüge, die weiten Reisen, die ungewohnten Kunstrasenplätze.

Hat sich der Hype bei der Heim-WM denn wenigstens finanziell gelohnt?
Bei mir muss man berücksichtigen, dass ich als Sportsoldatin ohnehin eine Unterstützung bekomme. Ich würde sagen, dass es über die letzten Jahre schon besser geworden ist, aber es wäre utopisch, uns hier mit den Männern zu vergleichen – das geht vielleicht in den USA, wo im Profifußball manche Frau mehr verdient als ein Mann.

Sind die Fußballerinnen hierzulande vielleicht selbstständiger?
Schwierige Frage. Ich kenne viele bei den Männern, die auch ein Fernstudium gemacht haben – selbst diejenigen, die viele Millionen auf dem Konto haben. Bei uns ist vielleicht der Anteil derjenigen, die nebenbei noch studieren, größer, weil der Leitfaden für eine berufliche Zukunft bedeutender ist. Ich weiß heute aber schon, dass ich die aktive Zeit als Fußballerin missen werde.

Sie haben schon im WM-Finale 2007 mit einem Tor ein Ausrufezeichen gesetzt. Haben Sie für ihre Karriereplanung einen eigenen Berater?
Ja, das macht alles Brian Eylert für mich, der auch im Männerbereich bekannt ist und viele gute Kontakte hat. Ihm kann ich absolut vertrauen.

Sie haben einen Knorpelschaden und nach ihrem Tor im EM-Viertelfinale 2013 gegen Italien gesagt, in ihrem Knie würde ein Stück fehlen. Ist ihnen nicht angst und bange, wenn Sie an eine WM auf Kunstrasen denken?
Wenn auf der neuesten Generation von Kunstrasen gespielt wird, ist es in Ordnung – diese Plätze federn gut. Doch dieser Belag liegt noch nicht überall. Ich hoffe, dass auch die kanadischen Nationalspielerinnen noch Druck machen, um das zu gewährleisten. In Vancouver war etwa bei unserem Testspiel im Juni der Kunstrasen schon arg durchgetreten.

Haben Sie auch an der Petition prominenter Fußballerinnen mitgewirkt, in der von „Diskriminierung“ die Rede ist?
Nein, aber ich empfand das als eine gute Sache. Fußball ist für mich ein Naturrasensport, und für mich war es mit das Schönste, nach einem Spiel total dreckig in der Kabine zu sitzen.

Aktuell sind sieben Nationalspielerinnen teilweise schwer verletzt. Ist das ein Indiz dafür, dass im Frauenfußball eine Belastungsgrenze erreicht ist?
Bei mir war der Fall anders gelagert, weil ein genähter Meniskus vernarbt ist und dann am Knorpel gerieben hat. Das war nicht beeinflussbar. Was die Verletzungen angeht, kommen zwei Faktoren zusammen. Die Partien sind deutlich athletischer geworden und wir haben viel mehr Spiele als früher. Ich habe mal ausgerechnet, dass wir mit dem 1. FFC Frankfurt bis zum 21. Dezember mit Pokal und Champions League allein 24 Spiele haben. Ohne die Länderspiele. Da kann die Mischung aus Belastung und Regeneration nicht mehr stimmen.

Im Verein haben Sie zuletzt als Innenverteidigerin gespielt, in der Nationalmannschaft sieht Sie Silvia Neid offensiv auf der Außenbahn, aber bei der WM 2011 haben Sie mit Kim Kulig die Doppel-Sechs gebildet. Wo würden Sie sich selbst aufstellen?
Ach, ich habe mittlerweile wirklich schon überall gespielt – habe ich eigentlich schon alles durch? (überlegt) Ich kann mich halt auf mehrere Positionen einstellen. Die Sechs hat mir gut gefallen, doch als Innenverteidigerin macht das auch Bock.

Ihr Vorbild haben Sie früher mit Bastian Schweinsteiger angegeben. Ist das immer noch so? Wie haben Sie die WM in Brasilien verfolgt?
„Schweini“ und Andres Iniesta mag ich am liebsten. Wahnsinn wie sich „Schweini“ reingeboxt und wie viel er im Finale eingesteckt hat. Da ist wirklich jeder für jeden gelaufen. Es wird auch für uns in Kanada wichtig werden, sich in ein Spiel reinzubeißen, das mal nicht so gut läuft.

Wenn sie gerade vergleichen: Schweinsteiger ist der neue Kapitän geworden. Nadine Angerer wird bei den Frauen nicht mehr ewig zwischen den Pfosten stehen. Wären Sie diejenige, die dann die Kapitänsbinde tragen würde?
Als Kerstin Garefrekes nicht da war und Saskia Bartusiak verletzt war, habe ich im Verein diesen Job gemacht. Ich würde da sicherlich nicht Nein sagen, aber für mich ist die Binde nicht wichtig, um eine Mannschaft mitzureißen. Ich mache den Mund auf dem Platz auch so auf. Früher in meiner Anfangszeit war ich viel ruhiger: Da habe ich mir genau angeschaut, was Renate Lingor gemacht hat.

Wenn Sie aus Heidenheim zurückkommen, muss schnell ein Schalter umgelegt werden: Sonntag steigt mit dem 1. FFC Frankfurt das Spitzenspiel bei Turbine Potsdam. Wie haben Sie diese Dauerfehde mitbekommen?
Es war schon immer ziemlich angespannt, obwohl das letzte Spiel in Frankfurt ganz ruhig zuging. Da haben wir uns alle gut vertragen (lacht). Aus dieser grundsätzlichen Rivalität mache ich mir nichts. Ich bin ein „Südi“, ein Bayer, der da die Ohren auf Durchzug schaltet.

Was hat sich denn unter dem Trainer Colin Bell atmosphärisch in Frankfurt verbessert?
Er ist ein Typ, der seine Ziele klar verfolgt. Er versucht uns vor allem beizubringen, wie geil Fußball sein kann – damit meint er die Mannschaftssportart. Er will, dass wir uns von nichts anderem beeinflussen lassen. Und einen Satz, „wir müssen gewinnen“, den gibt es bei ihm nicht. Wir wollen etwas. Ich mag solch einen Trainer.

Spüren Sie, dass da auch ein Laienprediger vor Ihnen steht?
Wir wissen natürlich davon, aber der christliche Hintergrund fließt in seine alltägliche Arbeit eher nicht ein – da ist er klar ein Fußballtrainer.

Wie entspannen Sie eigentlich am besten? Immer noch mit einer zünftigen Motorradtour?
Ich fahre nicht mehr so viel. Ich bin gerade dabei, meine Rennmaschine zu verkaufen. Es ist ein Problem geworden, seitdem ich den Hund habe. Soll ich ihn mit im Rucksack nehmen? Der hätte wohl Spaß, aber das tue ich ihm nicht an.

Interview: Frank Hellmann

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker.

Kommentar Eintracht Frankfurt

Zerreißprobe

Von  |
Fans von Eintracht Frankfurt

Von den ersten fünf Heimpflichtspielen des Frankfurter Erstligisten finden drei Begegnungen mit einem vom DFB sanktionierten und also so gewollten reduzierten Zuschaueraufkommen statt. Kein Zufall. Ein Kommentar. Mehr...

Fußball-Nachrichten

Eintracht: Berichte | Spielplan | Team | FR-Videos

Anzeige

Aus den Sportarten
Für Sportler in Not

Die Hilfsaktion der FR-Sportredaktion unterstützt arme, kranke und behinderte Sportler, die unverschuldet in Not geraten sind.