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Gastbeitrag: Sind die Engländer verrückt?

James Corrigan, Sportjournalist aus Wales, schreibt für die englische Zeitung The Independent.

Wäre ich ein stimmberechtigtes Mitglied der Fifa, würde ich dem englischen Fußballverband erzählen, wo er sich seinen „England United, The World Invited“-Quatsch hinstecken soll. „Es ist unser Ball“, würde ich zu ihnen sagen, „und wir gehen damit nach Hause – oder wenigstens nach Moskau.“

Warum sollte ich das nicht tun? Die Engländer und ihre verdammte freie Presse haben diese gesegnete Organisation aussehen lassen wie eine Bande eigennütziger Schufte. Eine ihrer Zeitungen hat ein paar Führungskräfte der Fifa so ausgetrickst, dass die nach Schmiergeld fragten. Und ihr staatlich finanziertes Fernsehen entschließt sich, drei Tage vor der Fifa-Entscheidung, wer Gastgeber der WM-Endrunden 2018 und 2022 werden wird, einen Beitrag zu zeigen, in dem die alten Geister der Korruption beim Weltverband beschworen werden. Sind die Engländer verrückt?

England in Not

Lange galt das Mutterland des Fußballs als Favorit für die Ausrichtung der WM 2018. Die Briten wären nach 1966 einfach mal wieder dran. Was Stadien, Infrastruktur und Fußballkultur betrifft, lässt sich kaum eine überzeugendere Bewerbung denken. Doch Englands WM-Aktien dramatisch gefallen.

Die Triesman-Affäre: Im Mai veröffentlichte die Mail on Sunday Äußerungen des damaligen Bewerbungschefs David Triesman während eines Essens. Seine Begleiterin ließ heimlich ein Band mitlaufen, als Lord Triesman erzählte, spanische und russische Funktionäre wollten Schiedsrichter bei der WM in Südafrika bestechen und die spanisch/portugiesische Bewerbung für 2018 werde im Zuge der Absprachen zugunsten Russlands zurückgezogen. Zurück zog sich Seine Lordschaft − als Bewerbungschef und Präsident des Fußballverbands.

Stimme gegen Geld: Die Sunday Times verpasste den englischen Hoffnungen den nächsten schweren Schlag. Verdeckt arbeitende Journalisten der Zeitung boten Amos Adamu und Reynald Temarii an, ihre Stimmen für die US-Bewerbung für 2022 zu kaufen. Ein Video zeigt: Die beiden damaligen Mitglieder des über die WM-Vergabe entscheidenden Exekutivkomitees, die inzwischen von der Fifa suspendiert wurden, wollten das Bestechungsgeld nehmen.

Dunkle Vergangenheit: Der investigative Journalist Andrew Jennings, der seit Jahren dem gerichtlich bekundeten Korruptionsnetzwerk des einstigen Fifa-Vermarktungspartners ISL nachspürt, wirft in einer am Montag bei der BBC ausgestrahlten Dokumentation Fifa-Topfunktionären vor, Schmiergeld in Millionenhöhe kassiert zu haben (siehe nebenstehenden Bericht). Englands Premier und Bewerbungschef Andy Anson sind schockiert. Allerdings nicht über die käuflichen Fußballbosse sondern darüber, dass Jennings und die BBC angeblich mutwillig die Chancen auf den Zuschlag für 2018 schmälern.

Russische Offensive: 16 Stadien, 14 davon neu gebaut, Zusagen der Regierung über Milliarden Euro für den Ausbau der Infrastruktur, nicht ein einziger kritischer Bericht im Vorfeld − die russische Bewerbung für 2018 ist der Traum jedes Sportfunktionärs. Teams und Fans wären schon deshalb nicht ganz so begeistert, weil die Spielorte von der Ostsee bis hinter den Ural reichen.

Der Geheimfavorit: Die Fifa mag keine Doppelbewerbungen. Das ist aber ist so ziemlich alles, was gegen ein gemeinschaftliches Turnier in Spanien und Portugal spricht. Neben der Tatsache, dass Russlands Milliardäre es anders wollen.

Ein aussichtsloser Fall: Daumendrücken für die niederländischen und belgischen Nachbarn! Wie man hört, wird es aber nicht helfen. het

Wäre ich ein Fifa-Mitglied, so wäre das für mich, als stimmten die Truthähne für Weihnachten, als stimmen die Banken für die Sozialisten. Es würde mich nicht die Bohne interessieren, dass der Fußballverband oder die Regierung dort keinerlei Kontrolle über die englischen Medien ausüben. Die Weltmeisterschaft wird schließlich einer ganzen Nation gewidmet, nicht einigen Bewerbungschefs oder ein paar öligen Politikern. In meinen Augen hätten es die Engländer mit ihrem frommen Grundsatz der Redefreiheit vergeigt.

Premier Cameron muss geehrt wirken, wird er mit Blatter abgelichtet. Nicht umgekehrt

Wie dumm, wie naiv. Wissen die nicht, mit wem sie es zu tun haben? Fifa-Leute sind wichtig. Sie müssen es sein; man schaue sich nur mal an, wie sie behandelt, wie sie gefeiert werden. Sie reisen in die Länder, die sich um die Austragung bewerben, um zu prüfen, ob die Logen der Stadien vornehm genug sind, und kriegen Polizei-Eskorten auf ihrem Weg zu den feinsten Fresstempeln und den luxuriösesten Hotels. Sie werden eingeladen, die Downing Streets 10, die Weißen Häuser und Roten Plätze zu besuchen, um die Staatschefs zu treffen. Es ist Premierminister David Cameron, der sich verpflichtet fühlt, geehrt zu wirken, wenn er mit Fifa-Präsident Sepp Blatter abgelichtet wird. Nicht umgekehrt. Sie sind die Entscheider, diese Männer, die Urteile fällen, die von weit größerer Tragweite sind als die Frage, ob Marokko nun in Bristol oder Bilbao gegen Belgien antreten wird. So wie es Fifa-Präsident Joseph Blatter jüngst erklärt hat: „Der 2. Dezember wird ein wichtiger Tag, nicht nur für den Fußball sondern für die internationale Politik.“ Verstehen Sie? Internationale Politik! Das ganz große Ding, viel größer als die Frage, ob Australien gegen Mexiko nun in Milton Keynes oder Nischni Nowgorod ausgetragen wird.

„Es gibt neun Bewerbungen, und sie werden Regierungschefs und andere hochrangige Politiker schicken“, erklärte Blatter. Sie werden sogar Prinz William schicken, einen waschechten Royal, Himmel noch eins! Wenn sich also Wladimir Putin vor ihnen verbeugt und König Juan Carlos ihre Hände küsst, wie sollten sich diese Verwalter des Fußballs da nicht für ungeheuer bedeutend halten? Ich an ihrer Stelle würde es tun. Es wäre schlicht unmöglich, es nicht zu tun.

Wäre ich ein Fifa-Mitglied, würde ich schließlich die marmornen Flure von Zürich betreten und mich an Figuren wie Blatter und Jack Warner ranmachen. Und hätte ich erst die höheren Weihen der Fifa erhalten, würde ich auch die Methoden verstehen, mit denen solche Koryphäen operieren. Ich hätte begriffen, wie der einstige Lehrer Warner, der Fifa-Vizepräsident, zu Reichtum gelangt ist. Ich hätte miterlebt, wie er von der Fifa öffentlich dafür getadelt wird, in den Verkauf von Eintrittskarten für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zum Dreifachen ihres Wertes verwickelt zu sein, um ihn dann wieder aufblühen zu sehen im zweithöchsten Amt des Verbands. Ich hätte verstanden, dass es bei der Fifa nur das Talent zum Vergessen mit der Fähigkeit zur Vergebung aufnehmen kann.

Man nehme nur mal das Beispiel von Jérôme Valcke. Im Dezember 2006 setzte Blatter ihn als Marketing-Direktor der Fifa ab, weil ein Richter in New York den Franzosen für schuldig befand, in Verhandlungen mit zwei Firmen über Sponsoring gelogen zu haben. „Die Fifa kann ein solches Verhalten unter ihren Angestellten nicht dulden“, sagte die Fifa. Was passierte also sechs Monate später, nachdem ein Berufungsgericht in den USA den Fall zurückverwiesen hatte? Valcke wurde zum Fifa-Generalsekretär ernannt.

Das, liebe Leute, ist die Fifa. Und als einer dieser gemachten Männer hätte ich längst verstanden, welche Loyalität wir uns selbst schulden. Als Valcke jüngst die Suspendierung von zwei Mitgliedern des Exekutivkomitees und von vier weiteren Inhabern von Fifa-Ämtern bekanntgab – nach den Anschuldigungen in einer britischen Qualitätszeitung, sie hätten gegen Geld ihre Stimmen angeboten –, hätte ich gedacht: „Die kommen wieder.“ Wer weiß, vielleicht schaffen sie es eines Tages sogar in ein noch höheres Amt. Denn nichts geht über die heilenden Kräfte der Fifa.

Geben wir das Turnier doch dorthin, wo jeder schleimt und niemand Fragen stellt

Das zu wissen, wäre mir ein Trost. Etwa dann, wenn vor der Abstimmung das Geflüster über Absprachen zwischen Bewerbern durch den Flur wabern würde. Ich könnte dann zurückschauen auf die teuren Reisen, die ich auf Kosten der Bewerber unternommen hätte, könnte das runde Dutzend überdeutlicher Absätze lesen, in denen die Berichte über die Eignung der Kandidaten zusammengefasst sind, und ein bisschen in mich hineinkichern. Was für ein Auftritt! Was für ein Leben!

Und dann würde ich ein paar englische Trottel sehen, die bohren und graben und Wörter wie „Korruption“ benutzen, und etwas in mir würde sich sträuben. Die wollen die Pferde scheu machen? Fein! Geben wir das Turnier doch irgendwohin, wo man es zu schätzen weiß. Wo jeder schleimt und niemand Fragen stellt, wo man begreift, wie wertvoll das Geschenk ist, das wir zu geben haben. Ich würde also für einen anderen Bewerber stimmen, und wissen Sie was? Ich zöge mehr Befriedigung daraus, die Engländer sich krümmen zu sehen, als die Russen oder die Spanier feiern. Das ist Macht.

Übersetzung: Wolfgang Hettfleisch

Autor:  James Corrigan
Datum:  30 | 11 | 2010
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4 B. Mönchengladbach 49:24 60
5 Bayer Leverkusen 52:44 54
6 VfB Stuttgart 63:46 53
7 Hannover 96 41:45 48
8 VfL Wolfsburg 47:60 44
9 Werder Bremen 49:58 42
10 1. FC Nürnberg 38:49 42
11 1899 Hoffenheim 41:47 41
12 SC Freiburg 45:61 40
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1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
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15 Erzgebirge Aue 31:55 35
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Spanien Primera División
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1 Real Madrid 121:32 100
2 FC Barcelona 114:29 91
3 FC Valencia 59:44 61
4 FC Malaga 54:53 58
5 Atletico Madrid 53:46 56
6 UD Levante 54:50 55
7 CA Osasuna 44:61 54
8 RCD Mallorca 42:46 52
9 FC Sevilla 48:47 50
10 Athletic Bilbao 49:52 49
11 Real Sociedad 46:52 47
12 Real Betis Sevilla 47:56 47
13 FC Getafe 40:51 47
14 Espanyol Barcelona 46:56 46
15 Rayo Vallecano 53:73 43
16 Real Saragossa 36:61 43
17 FC Granada 35:56 42
18 FC Villarreal 39:53 41
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England Premier League
Mannschaft Tore Punkte
1 Manchester City 93:29 89
2 Manchester United 89:33 89
3 FC Arsenal 74:49 70
4 Tottenham Hotspur 66:41 69
5 Newcastle United 56:51 65
6 FC Chelsea 65:46 64
7 FC Everton 50:40 56
8 FC Liverpool 47:40 52
9 FC Fulham 48:51 52
10 West Bromwich Albion 45:52 47
11 Swansea City 44:51 47
12 Norwich City 52:66 47
13 AFC Sunderland 45:46 45
14 Stoke City 36:53 45
15 Wigan Athletic 42:62 43
16 Aston Villa 37:53 38
17 Queens Park Rangers 43:66 37
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3. Liga
Mannschaft Tore Punkte
1 SV Sandhausen 57:42 66
2 VfR Aalen 50:42 64
3 Jahn Regensburg 55:41 61
4 1. FC Heidenheim 48:36 60
5 Rot-Weiß Erfurt 54:41 59
6 Burghausen 55:47 57
7 VfL Osnabrück 46:35 55
8 Kickers Offenbach 49:41 55
9 Chemnitzer FC 47:43 55
10 1. FC Saarbrücken 61:51 54
11 VfB Stuttgart II 44:47 50
12 Preußen Münster 40:44 50
13 Arminia Bielefeld 51:57 50
14 Darmstadt 98 51:47 49
15 Unterhaching 63:59 44
16 Wiesbaden 40:48 44
17 SV Babelsberg 44:59 44
18 Carl Zeiss Jena 39:59 39
19 Oberhausen 33:47 38
20 Werder Bremen II 29:70 22
Eishockey Oberliga West
Mannschaft Tore Punkte
1 EHC Dortmund 151:45 58
2 EC Bad Nauheim 162:43 56
3 Kassel Huskies 145:57 51
4 EV Duisburg 133:46 44
5 Löwen Frankfurt 112:67 40
6 Hammer Eisbären 98:82 40
7 Ratinger Ice Aliens 109:76 34
8 Königsborner JEC 90:109 33
9 ESC Moskitos Essen 62:118 18
10 Herforder EV 71:175 16
11 EHC Krefeld 42:158 3
12 EHC Netphen 08 35:234 3
1. Basketball Bundesliga
Mannschaft Körbe   Punkte
1 Brose Baskets 3033 : 2387   60
2 ratiopharm Ulm 2778 : 2539   54
3 ALBA Berlin 2825 : 2478   52
4 Artland Dragons 2870 : 2655   48
5 FC Bayern München 2672 : 2513   44
6 s.Oliver Baskets 2431 : 2295   40
7 NY P. Braunschweig 2645 : 2651   36
8 Baskets Bonn 2730 : 2618   36
9 FRAPORT SKYLINERS 2347 : 2337   34
10 Oldenburg 2736 : 2755   32
11 Eisbären Bremerhaven 2626 : 2731   32
12 Tigers Tübingen 2628 : 2719   30
13 BBC Bayreuth 2357 : 2643   24
14 TBB Trier 2297 : 2509   22
15 Phoenix Hagen 2689 : 3016   22
16 EnBW Ludwigsburg 2601 : 2655   20
17 Gießen 46ers 2341 : 2645   18
18 BG Göttingen 2327 : 2787   8
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