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19. Februar 2013

Spobis-Kongress in Düsseldorf: "Was wollen wir mit Rasenschach Leipzig?"

 Von 
Heribert Bruchhagen grantelt. Foto: imago

Die Frage, wie viel Werksvereine und Kunstprodukte die Fußball-Bundesliga verträgt, führt erneut  zu heftigen Debatten – dabei geraten sogar gute Freunde wie Heribert Bruchhagen und Wolfgang Holzhäuser aneinander.

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Düsseldorf –  

Wenn Heribert Bruchhagen und Wolfgang Holzhäuser plötzlich so konträre Meinungen haben, dass der eine dem anderen ein taubes Ohr unterstellt, dann muss es um eine brisante Thematik gehen. Die beiden eint eine gemeinsame Vergangenheit aus der Gründerzeit  der Deutschen Fußball-Liga (DFL), und die freundschaftliche Bande der beiden Funktionäre ist verbürgt, und doch können der Vorstandsboss von Eintracht Frankfurt und der  Geschäftsführer  von Bayer Leverkusen wie erbitterte Todfeinde streiten, wenn es um eine Grundsatzfrage im deutschen Fußball geht.

Raunen und Gelächter

„Clash der Kulturen: Was Werksklubs und Traditionsvereine eint und auseinanderbringt“, lautete der provokante Titel einer Podiumsdiskussion beim Spobis-Kongress in Düsseldorf. Prominente Entscheider aus Sport, Wirtschaft und Medien unter fast 800 Zuhörern trauten ihren Ohren nicht, mit welchem Verve und Eifer vier Entscheider aus der Fußball-Bundesliga am Montagabend argumentierten. Mitunter ging ein hörbares Raunen durchs Plenum. Oder es ertönte lautes Gelächter.

Hans-Joachim-Watzke rief irgendwann aus: „Dietmar Hopp ist komplett in Ordnung, aber die Bundesliga braucht Hoffenheim nicht zwingend.“ Und: „Was wollen wir noch mit Rasenschach Leipzig?“ Den derzeit in die Drittklassigkeit drängenden deutschen Ableger des Brausegiganten nahm der starke Mann von Borussia Dortmund für warnende Wort zum Anlass: „Wir können in der Liga nicht noch mehr Vereine mit 25.000 Zuschauern und 500 Auswärtsfans vertragen – dann ist es bald mit der schönen Auslands-Roadshow vorbei!“

Traditionsclubs chancenlos

Bruchhagen bemühte das Beispiel seines einstigen Vereins Gütersloh, der heute bestimmt auch erste Liga spielen würde, „wenn es einen Manfred Schneider wie bei Bayer oder einen Martin Winterkorn wie bei VW gäbe, der am Wochenende zum Pläsir gerne Fußball schaut.“ Seine Theorie geht ja so: Drei Traditionsvereine würden aus der ersten Liga „zurückgeschoben, weil Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim mitspielen.“ Bruchhagen: „Hoffenheim ist im weitesten Sinne auch ein Werksklub. Und wenn Audi in Ingolstadt richtig ernst macht, drücken sie Nürnberg raus! Und Mateschitz wird Leipzig nach oben hieven.“

Obwohl ihm Holzhäuser ziemlich exakt vorrechnete, dass die Zuwendungen aus der Bayer AG für die Fußball-Tochter exakt 25,2 Millionen Euro betragen würden und das Engagement des Dax-Konzerns auf Nachhaltigkeit angelegt sei, grätschte ihm Bruchhagen wie ein grimmiger Verteidiger unverzüglich in die Parade: „Auch Leverkusen ist in der Lage, Sebastian Rode oder Sebastian Jung zu locken. Obwohl wir in  traditionellen Einnahmesäulen – beim Marketing, bei den Zuschauern -  mindestens gleichauf liegen, haben wir keine Chance mehr diese Spieler zu halten.“ So deutlich hat der Eintracht-Chef die Aussichtslosigkeit bei seinen umworbenen Profis noch nie beziffert. Und dann schob er noch nach, „dass wir auch Patrick Ochs und Marco Russ aus der eigenen Jugend in die Bundesliga gebracht haben, bis sie in Wolfsburg das Dreifache verdienen konnten.“ Seine nächste spitze Bemerkung in dieselbe Richtung: „Und nach Frankfurt kommen sie dann mit 356 Anhängern - jeden mitgezählt!“

Wolfsburg räumt Geldverschwendung ein

In dieser plakativ debattierenden Runde hatte es Wolfsburgs Geschäftsführer Thomas Röttgermann („Wir haben den schwarzen Peter“) schwer, sich als unmittelbar Angeklagter überhaupt Gehör zu schaffen. Immerhin räumte der frühere Sportfive-Manager irgendwann ein, dass der generös alimentierte Werksverein  „Fehler gemacht habe“. Röttgermann dementierte zwar, dass die jährliche Bezuschussung 100 Millionen Euro betragen würde, räumte indes indirekt eine gewisse Geldverschwendung ein: „Wir haben uns im Fußball-Kontext zuletzt nicht besonders intelligent bewegt.“ Aber: „Der deutsche Fußball ist mit emotionaler Nähe groß geworden, das darf aber nicht immer ein Kriterium sein.“ Watzke wiederholte nämlich sein Anliegen, einen Teil der Fernsehgelder nach aktuellen Zuschauerzahlen, mitreisenden Auswärtsfans und bundesweiten Sympathisanten zu verteilen, wie es in den Niederlanden praktiziert werde. „Vereine wie der 1. FC Köln, 1. FC Kaiserslautern oder Eintracht Frankfurt rocken die Liga – dafür muss es endlich ein Äquivalent geben!“

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