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11. November 2012

Theo Zwanziger: Theo gegen den Rest der Fußball-Welt

 Von Jan Christian Müller
Theo Zwanziger legt seine Autobiographie vor. Foto: dapd

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger legt sich mit Uli Hoeneß und anderen Fußballoberen an. Nicht nur beim DFB löst er damit Unruhe aus.

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Es war schon weit nach Mitternacht, als Wolfgang Niersbach beim Sportpresseball im Foyer der Alten Oper in Frankfurt beim Smalltalk gute Laune versprühte. Tatsächlich aber hatte der DFB-Präsident das, was man gemeinhin als dicken Hals bezeichnet. Denn die Vorveröffentlichungen der am Montag erscheinenden Autobiografie „Die Zwanziger Jahre“ seines Vorgängers Theo Zwanziger haben beim DFB erhebliche Unruhe ausgelöst. Da nimmt es einer, der sich ausgestoßen fühlt, ziemlich waghalsig mit dem deutschen Fußball auf.

Zwanziger bemängelt, Niersbach habe ihm „zu schnell und zu oft die Rückkehr des DFB zum Kerngeschäft betont“, widme sich also zu sehr dem Fußball an sich und zu wenig den gesellschaftlichen Themen, mit denen er, Zwanziger, den Verband reformiert hatte. Als Beispiel führt er den als bloße Pflichtübung empfundenen Umgang des DFB bei der EM 2012 mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands an. Wolfgang Niersbach muss das als Fundamentalkritik verstehen.

Im DFB wird Zwanzigers Buch auch von vielen Mitarbeitern mehr als Nachtreten denn als Anlass zum Nachdenken empfunden. Zwanziger entgegnet kühl, es sei ihm um Inhalte gegangen.

Direkte Antwort von Hoeneß

Das Fifa-Exekutivmitglied mag sich furchtbar wichtig nehmen, aber es gehört auch eine Portion Mut dazu, derart unbequem für Weggefährten zu bleiben. Für Uli Hoeneß zum Beispiel. Der Bayern-Präsident wird im Buch als Scharfmacher, Macho, respektlos und Besserwisser bezeichnet.

Zudem kommentiert Zwanziger ungeniert die interne Vereinspolitik des FC Bayern München und sagt voraus, für Matthias Sammer werde es bei den Bayern nicht gut ausgehen. Denn es gebe „ein großes Hindernis, das einer erfolgreichen Tätigkeit des neuen Sportdirektors im Wege steht, und das heißt Uli Hoeneß“. Der „muss sich nun mal in alles einmischen, was beim FC Bayern auf der operativen Ebene geschieht“.

Hoeneß antwortete am Sonnabend in Hoeneß-typischer Manier: „Dass Theo Zwanziger kein guter Präsident war, wusste ich schon lange. Dieses Buch wird ihn nach seinem mehr als peinlichen Rücktritt in die Isolation treiben.“

Niersbach gab sich beim Sportpresseball ebenso kurz angebunden wie prägnant: „Im Grunde ist da jedes Wort zu viel. Aber ich würde Uli Hoeneß nicht widersprechen.“ Eine Formulierung, die zeigt, dass Niersbach, wenn er es denn jemals war, mittlerweile ganz sicher nicht mehr der Freund Zwanzigers ist, als den ihn sein Vorgänger kürzlich noch bezeichnet hat.

Sein Buch wird der 67-Jährige am Mittwoch in Berlin vorstellen. Als Gäste sind angekündigt: Günter Netzer und Claudia Roth.

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