Am Sonntag hat sich Tischtennis-Bundesligist TTV Gönnern von seinen Fans aus der Saison verabschiedet. Doch wenigen in der Dillenburger Nassau-Oranien-Halle dürfte klar gewesen sein, dass es sich bei der 0:3-Niederlage gegen die TTF Ochsenhausen um den allerletzten Auftritt der Männer von Helmut Hampl in der Heimspielstätte der Angelburger handelte.
In Zukunft wollen die Nachfolger von Timo Boll, der bekanntlich viele Jahre für die Mittelhessen aufschlug und bei ihnen zum internationalen Spitzenspieler reifte, in der Bundesliga für die TG Hanau an die Platte gehen.
Lockruf des Geldes
"Wir hätten den Spielbetrieb in der Deutschen Tischtennis-Liga nicht mehr aufrechterhalten können", erklärt Gönnerns Manager Norbert Mai. Schon vor zwei Jahren hatten die Angelburger den Gürtel enger schnallen müssen. Nachdem bekannt geworden war, dass Boll dem Lockruf des Geldes nach Düsseldorf folgen würde, hatte der damalige Hauptsponsor sein Engagement aufgekündigt. In der Folge mussten sich auch Jörg Roßkopf und Slobodan Grujic, die zweimal mit Boll zusammen die Champions League für Gönnern gewonnen hatten, einen neuen Verein suchen.
Die Hessen setzten wieder vermehrt auf den Nachwuchs, doch sportlich konnte das junge Team nicht an frühere Zeiten anknüpfen. Sowohl in der vergangenen als auch in dieser Saison wurde der Abstieg nur vermieden, weil es nicht genügend Bewerber für die Beletage gab.
Sponsoren schränken Engagement ein
Weitere Sponsoren schränkten aus unterschiedlichen Gründen ihr Engagement ein, und das, was die Verantwortlichen noch hätten aufbringen können, wäre zu wenig gewesen, um noch in der Bundesliga mitzuspielen. Zudem war auch bei den Zuschauern die Luft raus. Nur noch durchschnittlich 350 Fans hielten den Angelburgern die Treue.
Bei allen Problemen wollten Mai, der gemeinsam mit dem Vereinsvorsitzenden Torsten Märte das Gönnerner Team durch manches Tal geführt hatte, und der neue TTV-Generalmanager Johannes Herrmann das Projekt nicht sterben lassen.
Schließlich dient es, einst für den hochtalentierten Boll mit dem Trainingsort Höchst/Odenwald ins Leben gerufen, bis heute einem rühmlichen Zweck: Jungen, vor allem deutschen Spielern die Möglichkeit zu geben, sich durch regelmäßige Duelle mit den Topleuten der Liga in die Spitze hochzuarbeiten.
"Abenteuer bestehen"
"Wir haben gezielt nach einem Partner gesucht, der das Projekt übernehmen kann", erklärt Mai. Und ihn Ende des vergangenen Jahres in der TG Hanau gefunden. Der mitgliederstärkste Verein des Main-Kinzig-Kreises ging bislang nur auf Bezirksebene an die Platte. "Jetzt versuchen wir, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um in diesem Abenteuer zu bestehen", erklärt Vizepräsident Jens Gottwald, der wie seine Mitstreiter findet, dass das Projekt gut in das sowieso nachwuchsfreundliche Konzept der TG Hanau passe.
Die Stadt hat ihre Unterstützung zugesagt. Oberbürgermeister Claus Kaminsky scheint wie die TG davon überzeugt, "dass die Region von dem Bundesligisten profitieren wird", so Gottwald. Mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Konzept sollen genügend Sponsoren gewonnen werden. Zuerst allerdings muss der Ligaausschuss des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) dem TTV Gönnern noch die Lizenz für die nächste Saison erteilen.
Guter Boden in Hanau
Dann muss der Hessische Tischtennis-Verband, der Landestrainer Hampl seit Jahren als Chefcoach des Projekts abstellt, der Spielklassenübernahme noch zustimmen und wird dies nach Aussagen seines Präsidenten Norbert Englisch auch tun. "Wir sind froh, dass wir für das Projekt in Hanau einen guten Boden gefunden haben", sagt Englisch.
Noch jemandem kommt die Entwicklung sehr entgegen: Der in Groß-Umstadt wohnende Routinier Jörg Roßkopf, der in den vergangenen beiden Jahren beim TTC Jülich unter Vertrag stand, wird ab der nächsten Saison das junge Team der TG Hanau führen.
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