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02. Oktober 2012

Turbine Potsdam - 1. FFC Frankfurt: Tiefpunkt der Dauerfehde

 Von Frank Hellmann
Die Potsdamer Spielerinnen Stefanie Mirlach (li.) und Alexandra Singer (re.) werden abtransportiert. Foto: imago sportfotodienst

Nach dem Skandalspiel sind die Fronten zwischen Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt verhärtet. Auch am Tag danach zeigen beide Seiten keine Reue. Teuer bezahlen muss Fatmire Bajramaj: Die FFC-Offensivspielerin zog sich einen Kreuzbandriss zu.

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Eine Nacht Schlaf soll mitunter Wunder wirken, um erhitzte Gemüter zu kühlen. Umso erstaunlicher, dass am Tag nach dem Spitzenspiel der Frauen-Bundesliga zwischen Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt mit seinen skandalösen Begleiterscheinungen keine versöhnlichen Töne zu vernehmen waren. „Ich sehe weiterhin keinen Grund, uns einen Vorwurf zu machen: Wir sind nicht die Schweine der Liga“, verteidigte sich FFC-Interimstrainer Philipp Dahm. Sein Team hatte am Sonntag vom unglücklichen Zusammenprall der Potsdamerinnen Stefanie Mirlach (schwere Gehirnerschütterung) und Alexandra Singer (Schädel-Hirn-Trauma) nach 88 Minuten profitiert. Nach der Verletzungsunterbrechung erzielte Fatmire Bajramaj gegen die dezimierten Gastgeberinnen noch das 2:1-Siegtor.

Weil Turbine-Spielführerin Tabea Kemme Bajramaj noch übel foulte, bezahlte die Nationalspielerin diesen Treffer mit einem Riss des vorderen Kreuzbandes. Wie der FFC mitteilte, wurde die ehemalige Fußballerin des Jahres am Montag in der Frankfurter Klinik Rotes Kreuz operiert. Sie wird ein halbes Jahr ausfallen; die 24-Jährige zog sich dieselbe Verletzung wie ihr Lebensgefährte Enis Alushi vom 1. FC Kaiserslautern zu.

Dahm vermutet Vorsatz beim Foul

Handelte Kemme mit dem Vorsatz, Bajramaj zu verletzen? „Sie nimmt auf jeden Fall dabei alles in Kauf“, klagte Dahm. Turbine-Trainer Bernd Schröder sprach von „einer unnötigen Aktion“, erinnerte dann aber an ein Vergehen von Meike Weber im jüngsten Pokalduell der Dauerrivalen um die Vorherrschaft im deutschen Frauenfußball.

Das habe zur Folge gehabt, dass „unsere Chantal de Ridder immer noch in der Reha ist“. FFC-Manager Siegfried Dietrich moniert die aufgeladene Stimmung im Karl-Liebknecht-Stadion und findet es ungeheuerlich, „dass Lira auf der Trage liegend verunglimpft wurde“. Mit der Verletzung der Ex-Potsdamerin erreicht die Dauerfehde der beiden Klubs einen neuen Tiefpunkt.

„Wir waren fair von A bis Z“, insistierte Dietrich am Montag, „sind wüst beschimpft und übel bespuckt wurden.“ Eigenes Fehlverhalten, etwa ein unangemessenes Streben nach dem eigenen Vorteil, mochte der 55-Jährige rückblickend nicht erkennen. „Diese Minuten gehörten zum Spiel, und die Potsdamerinnen haben nach der Behandlungspause noch Anweisungen bekommen: Die Diskussion ist scheinheilig.“

Gegenspieler Schröder sieht das anders. „Mit jeder anderen Mannschaft hätten wir uns vermutlich zusammengesetzt und eine Lösung gefunden“, glaubt der 70-Jährige, der findet: „Was vorgefallen ist, war nicht würdig für die Philosophie des Frauenfußballs.“ Schröder ist überzeugt: „So etwas wäre nicht mal bei Dortmund gegen Bayern passiert.“

Unversöhnliche Gegensätze

Offenbar geht es im Evergreen des Spitzenfußballs der Frauen um mehr. Um Stereotype beispielsweise: Arm gegen Reich, Ost gegen West. Und so unversöhnlich, wie sich Schröder und Dietrich gegenüberstehen, scheint eine Entspannung unmöglich.

Auch Heike Ullrich, stellvertretende DFB-Direktorin Frauen- und Mädchenfußball und Verantwortliche für den Spielbetrieb, macht sich dabei Gedanken: „Grundsätzlich war das sicher eine schwierige und neue Situation für alle Beteiligten. Es ist nachvollziehbar, dass nach diesem Spielverlauf emotional reagiert wird. Andererseits sucht eine Mannschaft den sportlichen Erfolg, wenn ein Spiel wieder freigegeben wird. Dass die Geschehnisse an niemanden spurlos vorbei gegangen sind, auch nicht an den Spielerinnen, sah man an der Reaktion von Fatmire Bajramaj nach ihrem Treffer, als sie jeglichen Jubel unterließ.“

Interessant ist, dass Schröder am Montag einräumte, gar nicht erst den Versuch unternommen zu haben, die Frankfurter aufzufordern, die von der Fifa-Schiedsrichterin Riem Hussein angezeigte Restspielzeit in einer Art Stillhalteabkommen runterzuspielen. Seine Begründung: „Vor Ort waren wir alle überfordert.“

Schaden für alle Seiten

Im März 2011 schlossen die Männer-Zweitligisten Energie Cottbus und VfL Osnabrück spontan einen Nichtangriffspakt, nachdem VfL-Stürmer Flamur Kastrati eine schwere Halswirbelverletzung erlitten hatte: Die schockierten Teams verzichteten für die verbleibenden 14 Minuten auf jegliche Angriffsbemühungen. Auch am Sonntag in Brandenburg herrschte lähmendes Entsetzen, als Mirlach und Sänger mit blutenden Kopfwunden vom Platz getragen wurden. Dann aber erfuhr das Drama eine denkwürdige Fortsetzung.

Hier wie dort dürfte die Vorbereitung auf die nächste sportliche Aufgabe schwerfallen. Am Mittwoch bestreitet Potsdam sein Champions-League-Rückspiel gegen Standard Lüttich (14 Uhr). Frankfurt erwartet in der Bundesliga Aufsteiger Gütersloh (11 Uhr). In einer Hinsicht sind sich die verfeindeten Lager seltsam einig: Die Eskalation am Ende des Spitzenspiels hat in jeder Hinsicht viel Schaden angerichtet.

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