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13. Juni 2013

U21 des DFB: Der Kater nach dem Rausch

 Von 
Der Frankfurter Sebastian Rode (rechts) im Duell mit dem Russen Maksim Beljaew. Foto: afp

Die deutsche U21 scheitert bei der EM in Israel. Beim DFB gibt es derzeit niemanden, der die Situation in der ganzen Tiefe analysieren kann

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Vor einigen Wochen hatte der Deutsche Fußball-Bund zur Pressekonferenz geladen. Oliver Bierhoff war da, Joachim Löw, Generalsekretär Helmut Sandrock, U 21-Trainer Rainer Adrion und Liga-Geschäftsführer Andreas Rettig. Man lobte den deutschen Fußball an sich und die klasse Jugendarbeit im besonderen. Rettig rechnete vor: „Wir sind im Durchschnittsalter mit einem Schnitt von unter 26 Jahren in den Topligen deutlich führend.“

Auf einem eigens errichteten kleinen Podium im Raum Sepp Herberger stand seinerzeit auch Robin Dutt. Da war der 48-Jährige noch Sportdirektor beim weltgrößten nationalen Fachverband, ehe er eilig zu Werder Bremen flüchtete. Dutt sagte: „Es wird ein Fußball-Rausch in den nächsten Wochen. Du kommst von einem Highlight zum nächsten.“

Dutt hat andere Probleme

Geblieben vom vermeintlichen Rausch ist ein in der Tat formidables Champions League-Finale zwischen Bayern und Dortmund – sowie zwei Kater-Reisen zum Vergessen: die der A-Mannschaft in die USA und die der U21 nach Israel. Die DFB-Talentschmiede hat sich am Donnerstag nach Niederlagen gegen die Niederlande und Spanien mit einem wenig überzeugenden 2:1 gegen Russland in die Sommerpause verabschiedet, begleitet von Schlagzeilen wie „Plump wie in Rumpelfußball-Zeiten („SZ“) oder „Trauerspiel um den Nachwuchs“ („FAZ“).

Robin Dutt hatte die „Top-Mannschaft“ (Adrion) seinerzeit so in die EM geschickt: „Es werden Titel erwartet. Wenn wir diesen Druck wegnehmen, versäumen wir es, das zu verlangen, was später auch in der A-Mannschaft erwartet wird.“

Dutt hat inzwischen ganz andere Probleme, er muss zusehen, aus Werder Bremen wieder etwas zu machen, das die Fans an Mannschaftssport erinnert, aber dem Fachblatt Kicker hat er nach dem Aus der U 21 dennoch ein gestern veröffentlichtes Interview gegeben. Er wies darauf hin, der DFB habe vor allem die Konfrontation mit den Klubs gescheut, ohnehin fertig ausgebildete Spieler wie André Schürrle, Mario Götze, Ilkay Gündogan, Toni Kroos oder Julian Draxler bis weit in den Juni hinein bei einem in der öffentlichen Wahrnehmung recht bedeutungslosen Turnier der U 21 zu beschäftigen.

Auch bei der U 19-Nationalmannschaft, die just zum fünften Mal in Folge die Qualifikation für ein EM-Endrunden verpasst hat (gegen die Niederlande und Norwegen), gäbe es „immer wieder Abstellungsprobleme“. Im Klartext: Das ständige, zum Teil aber berechtigte Genörgel der mächtigen Vereine hat dazu geführt, dass Spieler nicht mehr „gegen Widerstände“ (Dutt) zu DFB-Aktivitäten verdonnert werden.

Wahr ist, dass viele Bundesligisten noch nie der Meinung waren, DFB-Maßnahmen würden ihren Talenten zum Vorteil gereichen. Der Eindruck in den Klubs ist eher der, dass im DFB Nachwuchstrainer vor sicher her werkeln, die woanders nicht mehr unterkommen würden, und die die ohnehin in den Nachwuchsleistungszentren hochbelasteten Talente in deren Entwicklung nicht weiterbringen, sondern im Gegenteil für körperliche und mentale Überbelastung sorgen.

Drei Titel von 2007 bis 2009

In den Jahren 2007 bis 2009 hat der DFB unter Sportdirektor Matthias Sammer mit EM-Titeln der U 17, U 19 und U 21 Gegenargumente sammeln können, auch noch mit dem dritten Platz bei der U 17-WM 2011 in Mexiko – seitdem zeigt der Trend abwärts, die U 17 verpasste im März erstmals die EM-Endrunde, und dummerweise ist gerade jetzt weit und breit niemand im DFB zu finden, der die strategischen Fähigkeiten und das Know how hätte, um die Situation tiefschürfend zu analysieren.

Denn Sammer und Dutt sind ja weg, die Krisenkommunikation absolviert Präsident Wolfgang Niersbach tapfer, aber die FAZ hat Recht, wenn sie zu dem Ergebnis kommt: „In den Tagen der strahlenden Erfolge des Profifußballs steht der Verband strukturell mit ziemlich leeren Händen da.“

Dass Ligaboss Reinhard Rauball ähnlich argumentierte, als er anmerkte, für die Sportdirektoren-Stelle müsse „ein neues Anforderungsprofil geschaffen werden“, hat Niersbach erbost. Es sei „schon erstaunlich, wie viele Leute sich über Dinge den Kopf zerbrechen, die in unsere Zuständigkeit fallen“, er könne alle beruhigen: „Wir fühlen uns dem gewachsen.“

Das wird der DFB, überrumpelt von Dutts Abschied, nun beweisen müssen. Löws Assistent Hansi Flick rügt, es gäbe keine „einheitliche Spielphilosophie von der A-Mannschaft bis zu den Juniorenteams“. Es wäre ratsam, wenn sich mancher Verein bei dieser kritischen Selbstanalyse des Verbandstrainers ertappt fühlen sollte.

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