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16. Oktober 2012

U21 Playoff Deutschland - Schweiz: Kirchhoff sieht die U21 gewappnet

Jan Kirchhoff darf am Dienstag in der Schweiz nicht mitmachen, weil er seine zweite Gelbe Karte in der EM-Qualifikation sah. Foto: Bongarts/Getty Images

Im Playoff-Rückspiel geht es heute für die deutsche U21 gegen die Schweiz um die EM-Qualifikation. Im Interview äußert sich Innenverteidiger Jan Kirchhoff über die Chancen der U21, sein Verhältnis zum Mainzer Trainer Tuchel und seine Zukunft.

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Im Playoff-Rückspiel geht es heute für die deutsche U21 gegen die Schweiz um die EM-Qualifikation. Im Interview äußert sich Innenverteidiger Jan Kirchhoff über die Chancen der U21, sein Verhältnis zum Mainzer Trainer Tuchel und seine Zukunft.

Am Freitagabend war Jan Kirchhoff noch mächtig sauer, weil die deutsche U 21-Nationalmannschaft im Playoff-Hinspiel gegen die Schweiz drei Minuten vor Schluss den Ausgleich zum 1:1 kassiert hatte. „Das war zu 99 Prozent meine Schuld. Es tut mir Leid für die Mannschaft“, sagte der 22-Jährige von Mainz 05 überkritisch gegen sich selbst. Am Dienstag beim Rückspiel in Luzern (17.30 Uhr, ARD) wird er nur als Zuschauer dabei sein. Für die deutsche Mannschaft und ihren Trainer Rainer Adrion geht es dort um die Qualifikation zur Europameisterschaft 2013 in Israel. Sollte das nicht gelingen, wäre es nicht nur für den von vielen Bundesligisten umworbenen Kirchhoff eine „riesige Enttäuschung“.

Herr Kirchhoff, Sie haben sich nach dem 1:1 gegen die Schweiz im ersten Playoff mächtig über sich selbst geärgert, weil Sie fürs Rückspiel nun eine Gelbsperre abbrummen müssen und sich den späten Gegentreffer ankreiden. Wie geht es Ihnen, nachdem Sie drüber geschlafen haben?

Deutlich besser als direkt nach dem Spiel. Natürlich wissen wir um die schwere Ausgangslage, aber wir sind uns unserer Stärken bewusst und glauben weiterhin ans Weiterkommen.

Ist die Mannschaft stabil genug, in dieser schwierigen Situation gegen die sehr starken Schweizer zu bestehen?

Sicher, das haben wir auch in der bisherigen Qualifikation bewiesen. In Auswärtsspielen haben wir immer ein bis fünf Tore geschossen. Und in den schweren Begegnungen in Griechenland und Bosnien haben wir sogar Rückstände aufgeholt. Wir sind gewappnet.

Sind Sie einer, der in der U21 auf und abseits des Platzes den Ton angibt und vorangeht?

Auf dem Platz schon. Ich sehe es dort als wichtige Aufgabe an, Verantwortung zu übernehmen. Es braucht Spieler, die entsprechende Signale aussenden und in die Bresche springen, wenn ein Spiel mal auf der Kippe steht. Ansonsten bin ich nicht derjenige, der große Ansagen macht. Wir haben dazu auch ein zu gutes Teamgefüge. Da ist gar kein Anführer nötig.

Was haben Ihnen Ihre 17 Länderspiele in der U 21 gebracht?

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes U 21-Länderspiel. Da war ich in Mainz noch Regionalligaspieler nach einer langen Verletzungspause (Achillessehnen-Operation, die Red.) und habe bei der U 21 gleich ein großes Vertrauen gespürt. Ich habe das Team hier als Möglichkeit gesehen, um mich auf hohem internationalen Niveau zu messen.

2009 ist die deutsche U 21 Europameister geworden. Sind die Spieler Vorbilder für Sie?

Ganz bestimmt. Viele sind ja gestandene A-Nationalspieler geworden, wirklich große Hausnummern, die auch international auf sich aufmerksam machen: Sami Khedira, Mats Hummels, Mesut Özil beispielsweise.

Sie haben nach drei Bundesligaspielen zwischenzeitlich Ihren Stammplatz beim FSV Mainz 05 an Niko Bungert verloren. Was ist da los?

Ich bin mit dem Anspruch an mich persönlich in die Saison gegangen, unumstrittener Stammspieler zu sein. Es ist ein entscheidendes Jahr für mich, in dem sich auch entscheidet, wie meine Karriere weiter verläuft.

Bislang sind Sie Ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht geworden, weil der Trainer Schuld ist oder Sie selber?

Ich bin gut aus der Saisonvorbereitung gekommen, dann hat der Trainer sich mit anderen Jungs in der zentralen Abwehr wohler gefühlt. Jetzt ist es an mir, das wieder gerade zu rücken und in meinen alten Status zu gelangen.

Hat Ihr Trainer Thomas Tuchel die Rückversetzung begründet oder haben Sie es einfach so bei der Mannschaftsbesprechung an der Tafel erfahren?

Ich habe es diesmal an der Tafel erfahren, aber ich habe natürlich gespürt, dass der Trainer nicht zufrieden mit mir war. Der Trainer wählt unterschiedliche Herangehensweisen, das ist schon okay so.

Weil Sie zuletzt unregelmäßig in Mainz spielten, dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihren auslaufenden Vertrag zum Saisonende nicht verlängern, noch größer geworden sein. Ist diese Interpretation erlaubt?

Interpretationen kann ich niemandem verbieten.

Was wird also passieren?

Kann ich Ihnen noch nicht sagen. Ich gehe davon aus, dass ich deshalb zuletzt nicht von Anfang an gespielt habe, weil dem Trainer meine Leistung nicht ausgereicht hat und nicht deshalb, weil mein Vertrag ausläuft.

Anders gefragt: Sie denken doch gewiss – auch gemeinsam mit Ihrem Berater Roger Wittmann - darüber nach, ob es für Ihre Karriereplanungen dienlicher ist, etwas Neues kennenzulernen oder aber in Mainz zu bleiben?

Natürlich überlege ich, was für mich am besten sein könnte: Ob es vielleicht eine Herausforderung ist, mich auf einem höheren Leistungsniveau in einer anderen Mannschaft zu messen oder ob es besser wäre, noch ein, zwei Jahre in Mainz zu bleiben, um persönlich reifer zu werden. Da bin ich noch etwas unschlüssig.

Wirklich?

Ja, glauben Sie mir.

Das Fachblatt Kicker mutmaßt, Sie hätten sich angesichts des Interesses von Bayer Leverkusen, Schalke 04 und Borussia Dortmund bereits entschieden!

Ich habe weder irgendwo einen Vertrag unterschrieben noch bin ich mir selber schon im Klaren, wie es weitergehen soll.

Sie sind gebürtiger Frankfurter und haben in der Jugend lange bei Eintracht Frankfurt gespielt. Wäre die Eintracht vielleicht sogar ein Verein, der interessant sein könnte?

Ich habe die Eintracht nie aus meinem Herzen ausgeschlossen. Ich bin mit der Eintracht aufgewachsen, ich habe dort schon als Kind bei den Profis zugeguckt, ich war später Balljunge. Das Stadion und die Fans sind für mich noch immer etwas Beeindruckendes.

Gibt es Kontakt zur Eintracht?

Vor allem über einige Spieler, gerade hier aus der U21. Mit Kevin Trapp und Sebi Jung telefoniere ich regelmäßig oder wir schicken uns SMS, und manchmal treffen wir uns auch in Frankfurt zum Mittagessen. Mein bald 18-jähriger Bruder Benjamin spielt beim FSV Frankfurt in der A-Jugend-Bundesliga, ich bin öfter mal zum Zuschauen da und dann laufen mir meist auch ein paar Gesichter aus der Eintracht-Jugend über den Weg, die noch kenne.

Bei der deutschen U21 werden Sie von Rainer Adrion angeleitet. Was macht ihn aus, auch im Vergleich zu Thomas Tuchel? Gibt es da deutliche Unterschiede?

Ja, die gibt es. Ich finde, Herr Adrion wählt einen sehr guten Zwischenweg zwischen Vorgaben geben und Freiräume lassen. Es wird von ihm sehr gefördert, selbstständig zu agieren und eigene Entscheidungen zu treffen. Dadurch gibt es für jeden Spieler gute Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Er spricht sehr viel Vertrauen aus. Jeder, der auf dem Platz steht, kann sicher sein, dass er die Unterstützung vom Trainer hat. Das gibt ein gutes Gefühl.

Sie waren unter Thomas Tuchel schon Kapitän des deutschen A-Jugendmeisters 2009. Wie hat sich seitdem das Verhältnis entwickelt?

Das ist schwierig zu erklären. Er kennt mich sehr genau.

Sie Ihn auch?

Er ist mein Chef und eine Respektsperson für mich. Ich schätze ihn als Trainer sehr.

Man könnte ja annehmen, dass Ihr Verhältnis ein ganz Besonderes ist, weil Sie schon in einer sehr erfolgreichen Jugendmannschaft sein wichtigster Spieler waren? Ist Tuchel deshalb mit Ihnen vielleicht sogar strenger?

Ich habe tatsächlich manchmal das Gefühl, dass ich genauer beobachtet und anders wahrgenommen werde.

Hätten Sie sich gewünscht, dass sich das Verhältnis vertrauensvoller entwickelt hätte?

Nein. Das ist schon in Ordnung so. Es kann gerne so bleiben. Ich möchte das genauso auch haben, weil es mir auch dabei hilft, seine Entscheidungen nicht persönlich zu nehmen. Ich sieze ihn zum Beispiel nach wie vor, während die meisten anderen Mainzer Spieler ihn duzen.

Hat Tuchel Sie geprägt?

Ganz sicher. Sowohl fußballerisch als auch menschlich. Er ist aber deshalb für mich kein „Fußball-Vater“ geworden. Dafür haben wir zu spät in meiner Entwicklung zusammengearbeitet.

Insgesamt sind das vier Jahre der Zusammenarbeit. Man könnte annehmen, für Sie sei das der richtige Zeitpunkt, bald einen neuen Reiz zu suchen?

Das wird nicht maßgebend sein. Es wird bei jedem Trainer Dinge geben, die einen Spieler stören und die er sich anders wünscht. Ich habe genügend Vertrauen in den Trainer, dass er mich nach wie vor besser machen kann.

Das Gespräch führte Jan Christian Müller

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