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28. November 2012

Uefa: Populismus von Platini

 Von Andreas Hunzinger
Uefa-Präsident Michel Platini mit dem Pokal für die Gewinner der Europa League. Geht es nach dem Franzosen, wird der Wettbewerb abgeschafft. Foto: dpa

Michel Platini hat viele Ideen. Manche sind durchaus löblich, die meisten allerdings eher zweifelhaft. So auch seine jüngster Vorschlag: Die Europa League soll abgeschafft, dafür aber die Champions League auf 64 Teams aufgestockt werden.

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Seit er 2007 zum Präsidenten des europäischen Fußballverbandes Uefa gewählt wurde, geriert sich Michel Platini gerne als Anwalt der Kleinen. Manche im Grundsatz löbliche Idee ist dabei herumgekommen, etwa, dass Platini über das Vehikel Financial Fair Play die Kluft zwischen Großklubs wie dem FC Barcelona, Real Madrid oder Bayern München und den weniger begüterten verringern will.

Abgesehen davon, ob Platini bei Verstößen gegen die Vorgabe im Ernstfall tatsächlich auch einen Großen sanktionierte, sind seine weiteren Reformideen zweifelhaft. Eine EM mit 24 Teams wie 2016 in Frankreich oder seine Idee von einer in ganz Europa ausgetragenen EM 2020 sind wohl auf Geldvermehrung angelegt.

Etikettenschwindel

Unter dieser Prämisse ist auch seine jüngste Idee zu sehen: die Abschaffung der Europa League und die gleichzeitige Aufstockung der Champions League auf 64 Teams. Bei einer Champions League XXL bestünde die Gefahr der endgültigen Verwässerung des Wettbewerbs. Ganz zu schweigen vom Etikettenschwindel; wo Champions League drauf steht, ist schon lange nicht mehr nur der Titelgewinner drin.

Platinis Planspiele sind nicht dazu angetan anzunehmen, dass sich Verpackung und Inhalt wieder annähern. Von einer aufgeblähten Champions League hätten etwa der FC Lusitans (Meister von Andorra), F91 Dudelange (Luxemburg) oder B36 Thorshavn (Färöer) nichts. Für sie war in dieser Saison in der Qualifikation zur Königsklasse schnell Schluss, und wenn nicht, schafften sie es dann nicht mal in die Gruppenphase der Europa League.

Dort spielen derzeit 48 Teams. Von denen fielen bei einer Zusammenlegung nochmals 16 weg. Für Helsingborgs IF, immerhin Meister Schwedens, wäre dann eventuell auch kein Platz. Konsequent wäre eine Reform, wenn die Champions League tatsächlich nur den Meistern vorbehalten würde. Das hätte jedoch den Aufstand der großen Ligen zur Folge, und ob sich Platini mit den Großkopferten wirklich anlegen will, ist fraglich. Seine Reformpläne sind wohl eher Populismus.

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