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24. Mai 2013

Uli Hoeneß: Das andere Finale

 Von Maik Rosner
Abschied auf Raten? Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Foto: dpa

Mit dem Titelgewinn in der Champions League und eine Woche später im DFB-Pokal könnte Uli Hoeneß‘ Lebenswerk gekrönt werden. Der FC Bayern muss sich derweil, früher als gedacht, mit dem Abschied des Patrons auseinandersetzen – und der Verein beginnt bereits, sich zu emanzipieren

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Mit dem Titelgewinn in der Champions League und eine Woche später im DFB-Pokal könnte Uli Hoeneß‘ Lebenswerk gekrönt werden. Der FC Bayern muss sich derweil, früher als gedacht, mit dem Abschied des Patrons auseinandersetzen – und der Verein beginnt bereits, sich zu emanzipieren

München –  

Um Uli Hoeneß ist es ziemlich ruhig geworden, aber an diesem Samstag könnte sich das ändern. Gewiss, er wird weiterhin keine Interviews geben, nicht als der starke Mann des FC Bayern auftreten, wie seit Jahrzehnten. Aber bei einem Sieg im Finale der Champions League gegen Borussia Dortmund dürfte Hoeneß zumindest auf der Tribüne in Wembley jene Zurückhaltung kurz ablegen, zu der er seit seiner Steueraffäre gezwungen ist.

Triple wäre die Krönung des Lebenswerks

Der 61-Jährige würde, davon darf man jedenfalls ausgehen, bei Toren seiner Bayern jubeln, die Hände in die Luft werfen und strahlen wie ein Honigkuchenpferd, wenn es vollbracht wäre. Er wäre kurz wieder der alte Hoeneß, wie man ihn schon oft erlebt hat. Der Gewinn der Königsklasse nach den leidvollen Erfahrungen der Vorjahre, zudem gegen den BVB – mehr Genugtuung ginge für ihn kaum nach 43 Jahren beim FC Bayern, davon 34 Jahre als Lenker des Vereins. Mit dem zweiten Titel auf Europas schickster Bühne des Vereinsfußballs nach 2001 wäre ja der Weg zum ersten Triple frei, zur Krönung seines Lebenswerks. Ein Sieg im Pokalfinale in einer Woche gegen den VfB Stuttgart fehlte dann nur noch.

Am Vormittag sind die Münchner aufgebrochen nach London, und natürlich lässt sich der Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende diese Reise nicht entgehen. Er werde auf keinen Fall vor dem Finale in Wembley weichen, hatte er nach Bekanntwerden seiner Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung gesagt. Nicht jetzt. Nicht vor dem womöglich größten Coup seines Vereins. Der achtköpfige Aufsichtsrat mit jenen Wirtschaftsbossen, die sonst peinlich genau auf ein sauberes Image bedacht sind, nickte diesen Wunsch Anfang Mai ab. Es soll davor aber weitaus kontroverser zugegangen sein, als es das einstimmige Votum vermuten lassen könnte.

Besuch bei den Basketballern

Am Mittwoch, in Bamberg, war der alte Hoeneß mal wieder kurz zu beobachten. Augenzeugen sahen ihn vor der Kabine des FC Bayern stehen, nach dem Sieg im ersten Playoff-Halbfinale der Basketballer. Hoeneß klatschte die Spieler ab. Und ein bisschen was erzählte auch jene Geste, mit der er Trainer Svetislav Pesic bedachte. Er umarmte ihn nicht oder reichte ihm zum Glückwunsch förmlich die Hand. Hoeneß tätschelte Pesic‘ Wange. Jemandem ins Gesicht zu fassen geht nur, wenn die Hierachie das erlaubt. Hoeneß war nun kurz wieder der starke Mann des FC Bayern.

Das könnte sich bald dauerhaft ändern. Noch hat die Staatsanwaltschaft nicht entschieden, wie es weitergeht in der Steueraffäre. Doch unabhängig davon, ob Hoeneß glimpflich aus der Sache herauskommt, wenn die Selbstanzeige tatsächlich doch greifen sollte, das Ermittlungsverfahren eingestellt, keine Anklage erhoben wird und die drohende Strafe von bis zu fünf Jahren Gefängnis vom Tisch wäre, unabhängig davon bliebe sein Vergehen der Steuerhinterziehung. Die vermeintliche Zockersucht würde als Argument nicht greifen, um ihn vollumfänglich zu rehabilitieren. Das weiß der Aufsichtsrat, das weiß die Vereinsführung. „Der Aufsichtsrat wird das Thema erörtern, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind“, hat das Gremiumsmitglied Edmund Stoiber gerade gesagt.

Hoeneß' Schicksal scheint besiegelt

Dass Hoeneß wieder der Frontmann werden könnte, als sei nichts geschehen, hält kaum ein Beobachter für möglich. Es heißt, sein Schicksal sei schon besiegelt. Bald nach dem Pokalfinale am 1. Juni werde Hoeneß gehen müssen. Viel früher als gedacht muss sich der Verein mit dem Abschied des Patrons auseinandersetzen, und das geschieht längst. Offizielle Aussagen lassen das nur erahnen. „Uli Hoeneß hat diesen Klub unglaublich geprägt, ich hoffe sehr, dass das auch in Zukunft der Fall sein wird“, sagt Matthias Sammer, gewissermaßen Hoeneß‘ Nachfolger als Manager. „Ich mag mir Bayern München ohne Uli Hoeneß gar nicht vorstellen“, sagt Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. 2015 wollte sich der Präsident noch einmal für drei Jahre bestätigen lassen, nun steht er in seinem vorgezogenen Finale. Hoeneß kämpft, er hofft wohl noch, sich irgendwie doch halten zu können. Er hat Topjuristen verpflichtet, die ihn rausboxen sollen. Aber alle ahnen, dass sie sich emanzipieren müssen vom Übervater des Vereins, vom Mister FC Bayern. Und sie tun es bereits.

In Mitteilungen des Klubs taucht der Name Uli Hoeneß kaum noch auf. Und bei Rummenigge kann man den Eindruck bekommen, dass er nun besonders lang und häufig als der neue starke Mann des FC Bayern spricht und auftritt. Teils gezwungenermaßen, teils vielleicht gezielt. Zum Thema Machtbewusstsein sagte Rummenigge jüngst, er habe in Hoeneß „einen sehr guten Lehrmeister“ gehabt. Doch wie soll das Vakuum gefüllt werden, das dieser hinterließe? Könnte sein Abgang den Klub sogar ins Wanken bringen, bei dem er Fundament und Spitze zugleich bildete? Stoiber, der ehemalige Finanzvorstand Karl Hopfner, Paul Breitner – über alle wurde schon als Nachfolger spekuliert. Doch Hoeneß könnte keiner ersetzen. Vielleicht aber wäre sein Abschied auch eine Chance, zu einer Öffnung und zu einer Abkehr von alten, möglicherweise nicht mehr zeitgemäßen Strukturen.

Zu einem Abschied hat sich Hoeneß schon oft geäußert, und dabei fielen auch mal diese Sätze: „Wenn man geht, dürfen die anderen nicht aufatmen, es muss ihnen wehtun. Den Punkt will ich erwischen.“ Vielleicht hat er diesen nun verpasst. Hoeneß sehe nicht gut aus, sagen langjährige Weggefährten. Beim Titelgewinn heute in Wembley dürfte sich das zumindest vorübergehend ändern.

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