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08. Januar 2016

Uli Hoeneß: Frühe Freiheit für Hoeneß?

 Von Maik Rosner
Uli Hoeneß auf Freigang bei der Grundsteinlegung des neuen Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern München.  Foto: AFP

Noch im Januar entscheidet ein Gericht, ob Uli Hoeneß von März an wieder frei ist. Selbst eine Rückkehr auf den Stuhl des Präsidenten bei Bayern München ist längst nicht mehr ausgeschlossen.

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Beim einzigen Mal, als sich Uli Hoeneß seit Beginn seiner Haftstrafe öffentlich zu Wort meldete, überraschte er gleich mehrfach. Nicht nur mit einem knapp 90-sekündigen Liveanruf beim Radiosender Antenne Bayern und einer Spende von 10 000 Euro für Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind. Sondern auch mit seinem Hörerwunsch.

Um das Lied „Hello“ der britischen Sängerin Adele bat Hoeneß kurz vor Weihnachten, und wer auf den Text achtete, durfte vermuten, dass es eine bewusste Wahl war. Im Song heißt es: „Hallo, ich bin es. Ich habe mich gefragt, ob du dich nach all den Jahren treffen willst, um alles durchzugehen. Man sagt, dass die Zeit alle Wunden heilen soll, aber bei mir hat das nicht richtig funktioniert. Hallo, kannst du mich hören? Ich bin in Kalifornien, träume davon, wer wir waren, als wir jünger und frei waren. Ich habe vergessen, wie es sich anfühlte, bevor uns die Welt vor die Füße fiel.“

Uli Hoeneß ist nicht in Kalifornien, sondern pendelt auch jetzt, während des Trainingslagers der Profis in Katar, zwischen dem Freigängerhaus Rothenfeld im Landkreis Starnberg und dem Klubgelände des FC Bayern in München. Dort arbeitet er tagsüber in der Jugendabteilung, ehe es abends die 35 Kilometer zurückgeht zur Übernachtung. Nach der Verurteilung am 13. März 2014 wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro hatte Hoeneß seine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren am 2. Juni 2014 zunächst in der JVA Landsberg angetreten, ehe er vor einem Jahr Freigänger wurde. Die Wochenenden darf er seit Juni bei der Familie am Tegernsee verbringen.


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Nun steht für Hoeneß der nächste und größte Schritt auf dem langen Weg zurück in die Freiheit bevor, kurz nach seinem 64. Geburtstag am vergangenen Dienstag. Noch im Januar, womöglich schon Mitte des Monats, soll nach einer Befragung durch die zuständige Landsberger Amtsrichterin darüber entschieden werden, ob ihm die beantragte Halbstrafe gewährt wird. Experten schätzen seine Chancen als recht gut ein, wegen einer tadellosen Führung und einer guten Sozialprognose, zumal als Ersttäter. Werden die zweiten 21 Monate seiner Strafe zur Bewährung ausgesetzt, wäre Hoeneß Anfang März wieder ein freier Mann. Möglich ist ein Straferlass auch erst nach zwei Dritteln, das wäre im Herbst. Für beide Varianten stellt sich die Frage: Und dann?

Aus dem kleinen Hallo im Radio könnte ein großes werden, sofern sich der langjährige Manager und Präsident des FC Bayern entschließen sollte, ins Rampenlicht zurückzukehren. Es heißt zwar, er wolle im Fall der Fälle erst einmal Urlaub machen mit „meiner geliebten Frau Susi“, wie er bei seinem Anruf im Radio sagte und der Familie dabei dankte, es ihm ermöglicht zu haben, „diese so schwierige Zeit zu überstehen“. Doch noch immer hallt ja sein Ausruf von der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 2. Mai 2014 nach, als er zwei Monate nach seinem Rücktritt als Präsident und Aufsichtsratschef verkündete: „Wenn ich zurück bin, werd’ ich mich nicht zur Ruhe setzen. Das war’s noch nicht.“ Die Mitglieder jubelten.

Am Jahresende läuft die Amtszeit seines Nachfolgers als Präsident, Karl Hopfner, zugleich Aufsichtsratschef, aus. Ein Amt, das Hoeneß kaum wieder übernehmen könnte. Eine Rückkehr des Patriarchen als Präsident aber halten sie auch im Verein für möglich, trotz des Aufschreis, der dann zu erwarten wäre. Hopfner jedenfalls hat angekündigt, Hoeneß nicht im Wege zu stehen. „Eine zweigleisige Kandidatur oder gar eine Kampfabstimmung wird es nicht geben“, sagte Hopfner kurz vor Weihnachten, „es geht bei diesem Thema nicht um mich. Ich stelle mich da zurück.“

Teile der Fans machen sich bereits für eine Rückkehr von Hoeneß stark, bei einer Online-Petition haben sich inzwischen knapp 5000 Unterstützer gefunden. Im Verein wächst derweil der Eindruck, Hoeneß wolle es wirklich noch einmal wissen. Längst ist er wieder voller Tatendrang und ein wichtiger Ansprechpartner, mit den Spielern tauscht er sich ebenso regelmäßig aus wie mit Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Kaderplaner Michael Reschke. Zudem soll er mehrfach vergeblich versucht haben, Trainer Pep Guardiola von einem Verbleib über den Sommer hinaus zu überzeugen.

Im Lied von Adele gibt es weitere Passagen, bei denen Hoeneß genau zugehört haben könnte. Es geht um „einen Gruß von der andere Seite“, um tausende Anrufe, „um dir zu sagen, dass es mir leid tut, was ich alles gemacht habe“ und „dass ich dein Herz gebrochen habe“. Und dann heißt es da noch: „Es ist so typisch von mir, über mich zu reden. Es ist kein Geheimnis, dass uns beiden die Zeit davonläuft.“ Es geht ums Bedauern in Adeles Hello, nicht nur um Liebeskummer wegen einer einzelnen Person. Vielleicht fand Uli Hoeneß das gerade deshalb so passend für sein überraschendes Hallo im Radio. Wegen seiner Familien, die zu ihm stehen und mit denen er noch einiges vorhat. Auch mit der des FC Bayern.

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