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04. Januar 2013

Vierschanzen-Tournee: Schlierenzauer gewinnt in Innsbruck

 Von Jörg Winterfeldt
Gregor Schlierenzauer springt bei der Vierschanzen-Tournee in Innsbruck zum Sieg. Foto: Bongarts/Getty Images

Thomas Schlierenzauer gewinnt bei der Vierschanzen-Tournee in Innsbruck. Der Österreicher übernimmt damit die Führung in der Gesamtwertung. Der Deutsche Severin Freund springt knapp am Podest vorbei auf Platz vier.

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Thomas Schlierenzauer gewinnt bei der Vierschanzen-Tournee in Innsbruck. Der Österreicher übernimmt damit die Führung in der Gesamtwertung. Der Deutsche Severin Freund springt knapp am Podest vorbei auf Platz vier.

Innsbruck –  

Im Trüben thronte der Bergisel über Innsbruck. Nebel und Nieselregen umhüllten die Erhebung. Vor gut zweihundert Jahren hatten die Tiroler da oben entscheidende Schlachten geschlagen. Angeführt von Andreas Hofer vertrieben sie 1809 in vier Kämpfen die Bayern in so entschlossenen Volksaufständen, dass nicht einmal die vom Brenner nachrückenden alliierten Franzosen den Bayern zum Sieg verhelfen konnten. Inzwischen läuft unten durch den Bergisel die Brennerautobahn für den schnellen Transit von Nord- nach Südeuropa. Und oben auf dem 746 Meter hohen Hügel ragt der Sprungturm empor, von dem Österreich alljährlich seit 1964 im Januar seinen nationalen Stolz zu mehren versucht: beim jeweils dritten Skispringen der Vierschanzentournee.

Auch am Freitag wurde der Bergisel seiner Tradition gerecht. Während die Bayern im Skispringen lange keine ernsthafte Gegnerschaft mehr stellten, und die Franzosen schon gar nicht, schlug der Tiroler Gregor Schlierenzauer am Bergisel vorerst das sportliche Aufbegehren der Norweger nieder. Mit einem souveränen Sieg über den bis Freitag führenden Anders Jacobsen (127 und 117,5 Meter) übernahm Schlierenzauer (131,5 und 123 Meter) am Bergisel, auf seiner Heimschanze, auf der er allein im Sommer zweihundert Übungssprünge absolviert hatte, die Führung in der Tourneewertung vom Norweger.

Im Adrenalinrausch

„Es ist einfach unbeschreiblich. Es ist so ein Adrenalinrausch, wenn man auf der Heimschanze oben stehen darf als Letzter, und man ist in einer Bombenverfassung. Ich habe schon gewusst, dass es nicht einfacher wird von der Spur her, je länger es dauert: Die hat durch den Regen schon ziemlich gestoppt im Anlauf.“ So sprudelte es aus Schlierenzauer, nachdem nicht einmal die Witterung sein Comeback hatte bremsen können. Wenn es am Sonntag in Bischofshofen zum Finale kommt, liegt Schlierenzauer in aussichtsreicher Position, seinen Titel zu verteidigen: „Der Kuchen ist noch nicht gegessen. Jetzt freue ich mich auf einen Mega-Showdown in Bischofshofen.“

Wieder half das Volk maßgeblich beim Aufstand auf dieser kultigen Anlage, auf der die Sportler von oben auf Innsbrucks Panorama zufliegen, aber in ein Loch, einen runden Kessel hinabtauchen. Dessen Ränder zierten rot-weiß-rote Österreichflaggen, die ein bierbrauender Sponsor spendiert hatte. „Ich möchte mich bei jedem Österreicher bedanken“, sagte Schlierenzauer, der nach seinem Siegsprung an der Kante des Auslaufs verharrte und den Jubel genoss, bevor er die Ski küsste und entschwand: „Ich habe so viel positive Energie bekommen, und das hat mich sehr beflügelt.“

Storch springt auf Rang zwei

Bedrohlich ruht hinter dem Auslauf still ein Friedhof. Die Mischung Innsbrucks erscheint für die Springer gewöhnungsbedürftig, wenn eher morbider Charme auf den Nationalismus trifft, der im freundlichsten Sinne ungezähmt wirkt, bei beeindruckter Gegnerschaft aber auch angestachelt ankommen kann. Dazu kommen die eigenen Charakteristika der Schanze, die gerade jungen Springern Probleme bereiten: „Die letzten 10, 15 Meter vor der Kante ist es wie ein Knick, und man hat das Gefühl, man fährt bergauf“, klagte der Deutsche Andreas Wank, der das Finale wie in Oberstdorf verpasste, „da ist es relativ schwierig, die Anfahrtsposition zu halten: Ich krieg’s leider noch nicht so hin.“

Allerdings rettete Severin Freund (125 und 120,5 Meter) mit Platz vier die deutsche Bilanz: „Manchmal sieht man, wie ein Sprung reicht, um wieder in die Spur zu kommen.“ In der Tourneewertung rückte er auf Rang vier vor. Auch Cheftrainer Werner Schuster war „zufrieden mit der Teamleistung“. Hinter Freund wurde Richard Freitag Elfter („Schade, dass ich keinen so guten Sprung wie im Training hingebracht habe“), Martin Schmitt Zwölfter, Michael Neumayer 13. und Andreas Wellinger 21. „Severin hat konstruktiv weitergearbeitet und einen sehr guten Wettkampf gezeigt“, sagte Schuster, „er ist über jeden Sprung näher gekommen: Davor muss man den Hut ziehen, so ein Sportler lässt sich nie unterkriegen. Er hat sich zur rechten Zeit zurückgemeldet.“

Während Kamil Stoch vor Anders Bardal auf Rang zwei landete, gelang dem vor Innsbruck tourneeführenden Jacobsen nur Platz sieben. Ehrfürchtig hatte ganz Österreich zuvor über die Schuhe und das Anzugmaterial des Norwegers gerätselt. In Garmisch-Partenkirchen noch hatte der dortige Verlierer Schlierenzauer missmutig seine Verbandsleute zu einem Protest bewegen wollen. Nach dem Springen am Bergisel war alles wieder im Lot. „Das war ein schlechter Sprung. Ich war sehr angespannt“, sagte Jacobsen hinterher, „aber es sind nur zehn Punkte Rückstand, das kann ein einziger Sprung ausgleichen. Ich versuche, das heute schnell zu vergessen.“

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