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16. November 2008

Vor Gericht: Zwanzigers verbissener Kampf

 Von WOLFGANG HETTFLEISCH
Theo Zwanziger fühlt sich von dem Journalisten Weinrich diffamiert - die Gerichte können dieser Einschätzung nicht folgen.  Foto: rtr

Wie der DFB-Präsident den Journalisten Jens Weinreich in die Knie zwingen will. Von Wolfgang Hettfleisch

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Sie haben sich nun schon eine ganze Weile in der Wolle, der Brandenburger Sportjournalist Jens Weinreich und der Präsident des Deutschen Fußball Bunds, Theo Zwanziger. Aber an diesem Wochenende eskalierte der Streit. Der 63-jährige Verbandschef ist medialen Gegenwind nicht unbedingt gewöhnt. Bislang firmiert er meist als der nette Onkel Theo aus Altendiez, der dem DFB mit dem Kampf gegen Rassismus und gegen Homophobie im Fußball einen liberaleren Anstrich gab.

Ende November wird Zwanziger mit dem Preis "Gegen Vergessen - Für Demokratie" ausgezeichnet. Für sein Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Rechtsextremismus, wie es offiziell heißt. Doch das Bild vom guten Theo hat in der Auseinandersetzung mit Weinreich bedenklich gelitten. Und das des DFB gleich mit.

Keine Unterlassungserklärung


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Worum geht es? Weinreich, der auch für die FR schreibt, hatte Zwanziger im Juli im Blog Direkter Freistoß (www.direkter-freistoss.de) in Zusammenhang mit dessen scharfen Äußerungen zur Rolle des Bundeskartellamts bei der Fernsehrechte-Vermarktung der Deutschen Fußball Liga (DFL) als "unglaublichen Demagogen" bezeichnet - und diese Meinungsäußerung eingehend erläutert. Zwanziger fühlte sich persönlich diffamiert und stellte dem freien Journalisten und Ex-Sportchef der Berliner Zeitung eine Unterlassungserklärung zu. Im Kern ging und geht es um die (Be-)Deutung des Begriffs Demagoge. Zwanziger und seine Anwälte behaupten, Weinreich habe den DFB-Präsidenten als Volksverhetzer verunglimpft, ja diesen in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt. Aus welchen Fakten sich diese Auslegung speist, ist unklar. Der Duden, auf den sich Zwanziger unter anderem in einem Interview mit dem Betreiber des Direkten Freistoßes, Oliver Fritsch, berief, gibt den Volksverhetzer, nicht her. "Volksverführer" oder "-Aufwiegler" definiert die aktuelle Ausgabe.

Weinreich lenkt nicht ein

Jedenfalls verweigerte Weinreich die geforderte Unterschrift und hielt an seiner Beschreibung Zwanzigers fest. Den Juristen aus Altendiez, der sonst so besonnen daherkommt, brachte das offenbar erst richtig in Rage. Zwanziger und seine Anwälte bemühten zwei Gerichtsinstanzen, um Weinreich den Mund zu verbieten - vergeblich. Das Berliner Landgericht wies einen Antrag des DFB auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung ab, das Kammergericht bestätigte dieses Urteil. Beide Instanzen stellten klar, dass keine Verunglimpfung von Zwanziger, keine Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte vorläge. Weinreichs harsches Urteil sei inhaltlich begründet und vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt.

Eigentlich wollte Zwanziger daraufhin die nächsthöhere Gerichtsinstanz bemühen. Doch seine Berater müssen erkannt haben, dass nicht viel für einen Erfolg sprach. Auch wurde die Sache in Weinreichs Blog (www.jensweinreich.de) und etlichen anderen bekannten Weblogs eifrig und in für Zwanziger wenig schmeichelhafter Form debattiert. Der Flurschaden für den DFB-Boss wuchs sich so rasch aus. Als "Schießdudenfigur" veräppelte ihn Stefan Niggemeier, einer der profiliertesten unter Deutschlands bloggenden Journalisten.

Zwanziger, der skrupellos genug war, zur Begründung seiner Reaktion in einem Interview mit Oliver Fritsch auf einen Besuch in Yad Vashem zu verweisen, blieb eigentlich nur der Notausgang.

Das muss ihn mächtig gewurmt haben. Jedenfalls unternahm der DFB nun eine letzte Kraftanstrengung, um die Niederlage in einen Sieg umzudeuten. In einer Mitteilung von Freitagabend "missbilligt" das DFB-Präsidium eine angeblich von Weinreich initiierte Kampagne gegen Zwanziger "auf das Schärfste" und tut so, als habe der Sportjournalist aus Wandlitz klein beigegeben. Im Zuge der ihm eingeräumten Frist "auf Widerruf seiner diffamierenden Beleidigung" habe Weinreich die von Zwanziger gestellten Bedingungen erfüllt, "damit die vorbereitete Klage nicht eingereicht wird".

Damit ist amtlich, dass der DFB Rabulisten beschäftigt - Wortverdreher. Weinreich hat gar nichts erfüllt, am allerwenigsten Bedingungen. Zwei Gerichte bestätigten ihm, dass er nichts zu widerrufen hat - Urteile, die der DFB in seiner aktuellen Mitteilung vergaß zu erwähnen. Weinreich sagt, er spiele mit offenen Karten und lege in seinem Blog alles minutiös dar. Titel des aktuellen Threads: "Das Lügengebilde des DFB." Fortsetzung folgt.

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