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13. Januar 2014

Werder Bremen: „Von der Einfältigkeit überrascht“

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„Ich sage doch auch nicht: ‚Ich bin Robin Dutt, ich bin heterosexuell, und ich bin seit vielen Jahren verheiratet!‘“  Foto: Imago

Werder Bremens Trainer Robin Dutt über das Outing von Thomas Hitzlsperger und seine schwierige Mission in Bremen.

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Werder Bremens Trainer Robin Dutt über das Outing von Thomas Hitzlsperger und seine schwierige Mission in Bremen.

Während seine Spieler den freien Samstagnachmittag zu einem Ausflug oder einer Runde Golf nutzten, hat sich Trainer Robin Dutt das Testspiel zwischen dem SC Freiburg und Eintracht Braunschweig angesehen. Konkurrenten des SV Werder Bremen im Bundesliga-Abstiegskampf. Auch unter dem 48-Jährigen ist der Turnaround in Bremen noch nicht gelungen.

Sie befinden sich dem SV Werder im Trainingslager in Jerez de la Frontera. Ihre Trainingseinheiten dauern oft anderthalb, zwei Stunden, sie selbst machen einen konzentrierten Eindruck, wirken aber auch bisweilen sehr entspannt. Sind Sie als Trainer lockerer geworden?

Ja, das hängt mit einer gewissen Berufserfahrung zusammen. Die meisten Kollegen, die zehn Jahre hinter sich haben, sagen, dass sie sich in dieser Hinsicht verändern, und bei mir sind es schon 19 Jahre. Wenn die spanische Küche hier eine Paella anbietet, bestehe ich bestimmt nicht auf einen deutschen Speiseplan.

Sie haben nach dem letzten Hinrunden-Spiel gegen Leverkusen gesagt, sechs Monate in Bremen würden sich anfühlen wie sechs Jahre. Was ist denn so erdrückend gewesen?

Ich war damals emotional sehr aufgewühlt, aber viele haben das damals falsch interpretiert. Ich habe nicht gemeint, ich sei in dieser Zeitspanne so schnell gealtert, sondern dass ich mich schon so wohlfühle und dem Verein zugehörig betrachte, als ob ich so lange da wäre. Ich spürte, dass wir mit diesem 1:0-Sieg nach einem ganz schwierigen Jahr viel zurückgeben konnten. Und dazu kam im Unterbewusstsein auf, hier kannst du noch ganz lange bleiben.

Waren Sie damals den Tränen nahe?

Ich habe in diesem Moment nicht auf einer Sachebene getickt.

Was muss am Saisonende passiert sein, damit Sie zufrieden sind?

Ich mache das gar nicht an einem Punkteziel fest. Aus meiner Sicht haben wir im zweiten Halbjahr 2013 gegenüber dem ersten einen kleinen Schritt gemacht. Dieser Kader hat einen guten Teamgeist und eine tolle Wettkampfmentalität. Wenn wir früh den Klassenerhalt sichern, wenn das Arbeitsklima so bleibt und sich einzelne Spieler weiterentwickeln, würde mich das zufrieden machen.

Sie haben Santiago Garcia, Luca Caldirola und Franco di Santo geholt, die die Bundesliga nicht kannten. Würden Sie als ehemaliger DFB-Sportdirektor nicht mehr die deutsche Komponente begrüßen?

Der deutsche Markt ist ein teurer Markt geworden, weil er mittlerweile ein Qualitätsmarkt ist. Für uns ist das fast unbezahlbar. Wenn ein anderer Verein unseren Aaron Hunt holen möchte, der jetzt ablösefrei ist, muss man ganz viel Gehalt zahlen. Oder Sydney Sam: Die 2,5 Millionen Euro für seine Ausstiegsklausel würden wir noch zusammenkratzen, aber er würde doch gar nicht zu uns kommen. Also haben wir zunächst vermehrt im Ausland geschaut, wo wir vom gestiegenen Stellenwert der Bundesliga profitieren. Mir wird allerdings oft vergessen, dass hier im Trainingslager zehn Spieler dabei sind, die unsere eigenen U-Teams durchlaufen haben.

Haben Sie während der Hinrunde eigentlich einmal mit Thomas Schaaf gesprochen?

Wir hatten einige Male per SMS Kontakt. Eigentlich hatten wir uns auch verabredet, aber das hatte dann nicht geklappt. Aber ich hatte ihn ja gleich am zweiten Tag nach meiner Vertragsunterschrift angerufen. Das war ein langes, wirklich super Gespräch.

In der vergangenen Woche hat das Outing von Thomas Hitzlsperger nicht nur die Sportwelt bewegt. Waren Sie über die Reaktion überrascht?

(überlegt lange) Ich bin immer wieder von der Einfältigkeit mancher Menschen überrascht. Ich bin anders aufgewachsen. In meinem Elternhaus spielten Hautfarbe, Religion oder auch die sexuelle Neigung keine Rolle. Deshalb sind mir viele dieser jetzt diskutierten Dinge fremd. Da kann ich nur den Kopf schütteln.

Über die aus Ihrer Sicht künstliche Aufregung?

Es wird manchmal so dargestellt, als wenn der Fußball eine künstliche Parallelwelt für diese Tabuthemen sein soll. Politiker haben sich geoutet – aber so lange wir ‚outen‘ sagen, sprechen wir schon wieder von einer Besonderheit. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir Fußballer eine Parallelwelt besetzen. Die Reaktionen aller Beteiligten sind doch jetzt fast zu 100 Prozent so, dass es jeder für normal hält. Ich hätte gerne, dass es zur Normalität wird.

Haben Sie denn Spieler erlebt, die Ihnen von ihrer Homosexualität erzählt haben?

Ein Spieler nicht. Wenn es einer täte, würde ich ihm erst für sein Vertrauen danken und dann jede Unterstützung zusagen, die er benötigt. Ich würde ihn gegen alle Ewiggestrigen verteidigen. Ratschläge, ob er den Schritt an die Öffentlichkeit unternimmt, würde ich aber nicht erteilen. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen, weil ich dazu keine Erfahrungswerte habe.

Wie haben Sie sich über Hitzlspergers Outing informiert?

Michael Rudolph aus unserer Presseabteilung hat mir das Zeit-Interview besorgt, das habe ich im Netz gelesen. Und natürlich wurde viel über Dritte an mich herangetragen.

Haben Sie gemerkt, dass das ein Thema in der Mannschaft war? Haben Sie das vor den Spielern einmal angesprochen?

Man spürt, dass darüber gesprochen wird. Mein Beitrag zur Normalität ist, keinen offiziellen Tagesordnungspunkt daraus zu machen. Ich stelle mich doch auch nicht an meinem ersten Arbeitstag vor und sage der Mannschaft: ‚Ich bin Robin Dutt, ich bin heterosexuell, und ich bin seit vielen Jahren verheiratet!‘

Interview: Frank Hellmann

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