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22. Januar 2013

Wiesinger und Reutershahn: Jobsharing in Nürnberg

 Von Frank Hellmann
Ticken gleich: Michael Wiesinger (v.), Armin Reutershahn.  Foto: dpa

Der zurückhaltende Michael Wiesinger und der loyale Armin Reutershahn geben ein ungewöhnliches Gespann beim 1. FC Nürnberg ab. Von Vorgänger Hecking übernehmen sie eine funktionierende Mannschaft, doch die Erbhöfe des Ex-Coachs sind passé.

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Nürnberg –  

Wofür Arbeitsteilung doch gut sein kann: Während sich Michael Wiesinger am Montag bei der Trainertagung erstmals in den Dunstkreis der Erstliga-Kollegen begab, erledigte Armin Reutershahn zeitgleich am Morgen die Alltagsarbeit mit den Erstliga-Profis. Eine Doppelspitze beim 1. FC Nürnberg macht es möglich, dass der eine in einem Düsseldorfer Hotel den Ausführungen von Joachim Löw lauscht, der andere auf dem Trainingsgelände in der Nürnberger Winterlandschaft die Anweisungen erteilt. Es gilt schließlich schon am Freitag bei Borussia Dortmund eine knifflige Aufgabe zu lösen, und vor diesem Hintergrund war es ganz dienlich, dass die Premiere des fränkischen Gespanns mit dem 1:1 gegen den Hamburger SV halbwegs gut ausging.

„Es war für mich wie immer, nur dass diesmal fast 50.000 Menschen dabei zugeschaut haben“, sagte Wiesinger. Auffällig beim Debüt, wie oft er und sein gleichberechtigter Partner sich um Einfluss bemühten. Wiesinger korrigierte manchmal mit Händen in den Taschen, während Reutershahn mitunter aufgebracht gestikulierte.

Im permanenten Austausch

Obwohl der 40-jährige Wiesinger später allein die Pressegespräche erledigte, stehen beide auf einer Stufe. „Wir sind im permanenten Austausch. Es hat noch nicht eine Diskrepanz gegeben. Die Arbeit, die ich heute mache, ist die, die ich liebe. Dieter Hecking hat auf dem Trainingsplatz doch viel selbst erledigt“, erklärt Reutershahn. Der bald 53-Jährige fühlt sich wieder an die seligen Frankfurter Zeiten erinnert, als er unter Friedhelm Funkel bei der Trainingsgestaltung oft freie Hand hatte. Er bringt dabei Erfahrungswerte ein, die dem jüngeren Kollegen noch fehlen. „Das kann ich mir nicht kaufen, aber die habe ich mit Armin neben mir“, sagt Wiesinger.

Ähnlich wie Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä unter dem Bayer-Kreuz geben auch diese beiden Cheftrainer am Valznerweiher keine Brüder im Geiste ab. Der eine ist in Burghausen aufgewachsen, hat als Profi beim FC Bayern und 1. FC Nürnberg gespielt, ist aber als Trainer beim FC Ingolstadt gescheitert; er gilt als eher zurückhaltender Charakter.

Der andere stammt aus Duisburg, spielte nur bei Preussen Krefeld oder TuS Xanten, war dann mehr als zwei Jahrzehnte Co-Trainer bei Bayer Uerdingen, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Nürnberg; er gilt als besonders loyaler Vertreter. „So haben mich meine Eltern erzogen. Wenn ich ein falscher Fuffziger wäre, hätte ich nicht überall so lange arbeiten können“, sagt Reutershahn. Dass beide zu anderen Fußball-Zeiten sozialisiert wurden, zeigt sich an Details: Wiesinger hat ins „Club-Magazin“ in seine Weltauswahl seine ehemaligen Mitspieler Giovane Elber und Bixente Lizarazu benannt, Reutershahn lieber Franz Beckenbauer und Gerd Müller.

Ordnung ist beiden wichtig

Und doch wollen sie viele Gemeinsamkeiten entdeckt haben. „Michael und ich haben eine sehr ähnliche Vorstellung von Fußball“, betont Reutershahn. Der Begriff „Ordnung“ fällt bei beiden sehr oft. Die Hecking-Nachfolger haben nicht nur eine ansprechende Punktezahl, sondern auch eine funktionierende Mannschaft übernommen. Grundsätzlich setzen sie auf das alte Gerüst. Doch Erbhöfe der Hecking-Ära sind passé – sonst hätte am Sonntag nicht Hiroshi Kiyotake wegen schlechter Trainingsleistungen auf der Bank gesessen.

Das Trainer-Duo soll vorerst bis Saisonende arbeiten – gelingt es, frühzeitig den Klassenerhalt festzumachen, stellt Sportvorstand Martin Bader eine Verlängerung in dieser Konstellation in Aussicht. Vier Augen sehen mehr als zwei. Und die nächste Trainertagung kommt bestimmt.

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