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19. September 2012

Wolfgang Holzhäuser: „Der Kuchen wird kleiner“

Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer von Bayer Leverkusen. Foto: dpa

Die Europa League im Schatten der Champions League hat ihren Reiz. Leverkusens Geschäftsführer Holzhäuser zu Ideen der Zukunft.

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Bayer Leverkusen startet am Donnerstag als einer von vier Bundesligisten in die Europa League, Anfang des Jahres spielte der Verein noch in der Champions League mit. Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, 62, Mitglied der Interessenvertretung der europäischen Fußballvereine (ECA), beschreibt die große Kluft zwischen den beiden Wettbewerben und spricht über Ideen für Modelle der Zukunft.

Im Vorjahr hat Bayer Leverkusen in der Champions League gegen Barcelona und Chelsea gespielt, jetzt lauten in der Europa League die Gegner Charkiw und Rapid Wien. Tut so etwas weh?

Darüber darf man sich nicht beschweren. Wenn man das nicht möchte, muss man wieder die Champions League erreichen.

Vor allem wirtschaftlich ist die Kluft gewaltig: In der Champions League gibt es 8,6 Millionen Startgeld, in der Europa League 1,3 Millionen.

So ist der Status quo, die Champions League überstrahlt alles. Bei allem Renommee, das die Europa League den deutschen Vereinen bringt, betrachte ich sie als Unterbau. Unter dem Strich wird hier eben deutlich weniger Umsatz gemacht.

Helfen die 40 Millionen Euro, die die Uefa-Exekutive neuerdings von der Champions League zur Europa League umschichtet?

Uefa-Präsident Michel Platini folgt damit dem, was bei der Verteilung der Fernsehgelder in Deutschland gemacht wird. Ich finde es gut, wenn der Solidaritätsgedanke umgesetzt wird. Aber langfristig wird sich die Uefa Gedanken machen müssen, wie sie die Champions League konstruiert und damit die Europa League nicht derart abwertet. Vielleicht kann man Verbindungen herstellen.

Platini deutet an, nur noch einen Europapokalwettbewerb zu installieren. Ist das die Zukunft?

Ich halte grundsätzlich viel von der Idee, die Champions League im europäischen Raum auszuweiten und vorher in Gruppenphasen oder Qualifikationsrunden dafür zu sorgen, dass 16 oder 32 Vereine um die Wurst spielen. Zwei Möglichkeiten werden meines Wissens bei der Uefa diskutiert. Erstens: Champions und Europa League verschmelzen zu einem Wettbewerb, vorher werden regionale Qualifikationsrunden geschaltet. Zweitens: Es wird ein Auf- und Abstieg zwischen Champions und Europa League geschaffen. Man sollte über beide Modelle nachdenken.

Wie bewerten Sie das Zeichen, dass sich lange kein deutscher Free-TV-Sender fand? Jetzt überträgt Kabel 1 donnerstags jeweils nur ein Spiel. Die Erlöse aus dem Marketingpool, die beim FC Schalke 04 im Vorjahr 7,9 Millionen ausmachten, werden schrumpfen.

Das ist kein positives Signal. Zum Glück fließen in den Marketingpool nicht nur die Fernseheinnahmen, sondern auch die Vermarktungserlöse aus den Sponsoringeinnahmen. Aber natürlich wird der Kuchen kleiner, zumal er diese Saison unter vier deutschen Klubs aufgeteilt wird.

Ab wann wird der Wettbewerb auch wirtschaftlich lukrativ?

Wir werden einen bestimmten Betrag durch die Gruppenphase generieren können. Im Grunde wird die Europa League erst ab dem K.-o.-System interessant.

An der sportlichen Werthaltigkeit bestehen kaum mehr Zweifel. Es gibt mehr Überraschungen als in der Champions League und die K.-o.-Phase ist oft hochspannend und hochklassig.

In Europa unter den ersten 50 Fußball spielen zu dürfen, ist eine Leistung, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Ich halte es für vermessen, Gegner wie Metalist Charkiw abzuwerten; das ist ein Spitzenverein und nicht die dritte Garnitur.

Bei den ukrainischen Topklubs fließen Gelder von Oligarchen. Wie verhält es sich mit dem sogenannten Financial Fairplay?

Ich bin selbst in der European Club Association (ECA), die sich mit dem Thema befasst hat, und ein Anhänger des Grundgedankens, Finanzdoping künftig zu unterbinden. Andererseits bin ich erfahren genug, dass man die hehre Absicht in der Praxis nur schwer umsetzen kann. Ich hoffe sehr, dass die Uefa bei Verstößen rigide Maßnahmen ergreift. Ich habe damals beim DFB mit Wilfried Straub die Lizenzierungsverfahren aufgebaut: Daher weiß ich, dass der Teufel im juristischen Detail liegt.

Interview: Frank Hellman

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