Wieder Facebook: Diesmal haben Nutzer des sozialen Internet-Netzwerks rund 1000 Leute zu einer Spontanparty auf den Marktplatz von Oestrich-Winkel eingeladen. „Bringt Liegestühle, Musik, Alkohol, Cocktails, Palmen!“, stand in dem Aufruf zu dem Treffen von 20 Uhr abends bis am nächsten Morgen, 6 Uhr.
Als die ersten 100 Menschen zugesagt hatten, schritt die Ordnungsbehörde des Rheingaustädtchens ein. Sie untersagte die Veranstaltung und publizierte dies auf Facebook sowie per Aushang auf dem Marktplatz. Am Tag der Veranstaltungen passten Ordnungspolizisten auf, die Rüdesheimer Polizei stand bereit. Einschreiten musste sie nicht, denn es kamen nur wenige Partygäste.
Einladungen über soziale Netzwerke nur an Bekannte versenden, rät das Landeskriminalamt. Und: Häkchen setzen, dass nicht jeder eingeladen ist; Veranstaltungsort nur auf persönliche Nachfrage preisgeben; die Privatsphären-Einstellung verwenden und dort einschränken, wer den Text lesen kann.
Brennpunkt Jugendmedienschutz heißt eine Information für Eltern, die Günter Steppich mit dem Landeselternbeirat herausgegeben hat. Bis zum Alter von 14 Jahren, heißt es, sollten Bildschirme und Onlinezugänge im Kinderzimmer tabu sein, nachts sollten sich dort keine Handys und netzfähige tragbare Geräte befinden; der Experte rät zu klaren Nutzungsregeln und Schutzsoftware zu benutzen. (jur)
„Wir sind keine Spaßbremsen“, betont Amtsleiter Gerhard Bönninghaus. Doch das Love-Parade-Unglück habe gezeigt, wie schnell Massenveranstaltungen aus dem Ruder laufen könnten. Auch die chaotischen Bilder der 1500 Facebook-Feierwütigen in Hamburg sind Vielen noch in Erinnerungen.
Jetzt gibt es gar Länder-Innenminister, die über ein Party-Verbot nachdenken. Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) sprach sich am Dienstag dagegen aus. Die Ordnungsämter der Kommunen hätten bereits jetzt die Möglichkeit, gegen unangemeldete Versammlungen auf der Straße oder auf öffentlichen Plätzen mit Platzverweisen oder Verboten vorzugehen.
Die Bundes-Jungen Liberalen wollen gegen die „veralteten Vorstellungen der Herren Innenminister“ bei deren nächstem Treffen in Wiesbaden protestieren. Mit einer Party im Dezember, die sie gestern veröffentlichten – in Facebook.
Wer über ein soziales Netzwerk einlädt, verfolgt in der Regel friedliche Absichten, betont Gaby Goebel-Andreas, beim Landeskriminalamt für die Internetprävention zuständig. Doch die Situation könne eskalieren, wenn der Betreffende die Regeln missachtet: „Die Jugendlichen sind zu wenig aufgeklärt“, sagt die Polizistin. In den Schulen werde Medienkompetenz kaum gefördert. Ein Beispiel für den unbedarften Umgang mit dem Internet seien die Ereignisse um „isharegossip“, eine Mobbingplattform, auf der Schüler einander verunglimpften. „Das ist völlig aus dem Ruder gelaufen.“
Seinerzeit lief das Telefon von Günter Steppich heiß. Der 52-Jährige ist Lehrer an den Gutenbergschule in Wiesbaden und mit seiner anderen halben Stelle Beauftragter für Jugendmedienschutz beim Kultusministerium. Er soll Mitarbeitern der 15 hessischen Schulämter Wissen zum sorgsamen Umgang mit dem Internet vermitteln. Doch das Ministerium bewilligt ihnen keine Entlastungsstunden, sagt Steppich. Er hat die Konsequenz gezogen und zum 1. August gekündigt.
Die Antwort beim Kultusministerium zum Stichwort Medienkompetenz: eine zweiseitige Liste von Projekten, die so gut wie alle den gleichen inhaltlichen Schwerpunkt setzen. Sie sollen den technischen Umgang vermitteln, damit Schüler sich über neue Medien Wissen beschaffen können.

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