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30. Januar 2014

AfE-Turm: Aufregung um Sprengmeister

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Reif zur Sprengung: an diesem Sonntag fällt der Turm.  Foto: Christoph Boeckheler

Eduard Reisch soll den AfE-Turm in Bockenheim sprengen. Jetzt ist herausgekommen, dass der Sprengmeister wegen eines tödlichen Unfalls in Hamburg im Jahr 2000 zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde. Die ABG Holding hält aber an Reisch fest.

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Wenige Tage vor der Sprengung des Uni-Turms in Bockenheim gibt es Aufregung um Sprengmeister Eduard Reisch. Zwar wies der 52-Jährige einen Bericht der Bild-Zeitung zurück, wonach er wegen eines tödlichen Unfalls in Hamburg vier Jahre Berufsverbot hatte. Gegenüber der Frankfurter Rundschau räumte er aber ein, dass er nach dem Unglück wegen fahrlässiger Tötung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde. Wegen eines anderen Vorfalls hatte Reisch für drei Monate seine Lizenz als Sprengmeister verloren. Die ABG Frankfurt Holding, Eigentümerin des Turms an der Robert-Mayer-Straße, will trotzdem an Reisch festhalten. „Ich habe keinerlei Zweifel an seiner Reputation“, sagte ABG-Geschäftsführer Frank Junker am Donnerstag.

Sprengmeister Eduard Reisch.
Sprengmeister Eduard Reisch.
 Foto: Kraus/ABG

Das Unglück, für das Reisch verurteilt wurde, ereignete sich im Jahr 2000 in Hamburg. In einem Industriegebiet sollte er einen Kessel sprengen, doch das Bauwerk kippte vorher um. Zwei Menschen starben, einer wurde schwer verletzt. Bei den Vorbereitungen für die Sprengung seien Gewichte falsch berechnet worden, sagte Reisch. Dafür sei er nicht zuständig gewesen. Das Gericht verurteilte ihn trotzdem. Entscheidend für den Richterspruch war offenbar sein Verhalten nach dem Unfall. Wie Reisch einräumte, verließ er die Baustelle sofort und kehrte erst am nächsten Tag zurück.

Fünf Jahre zuvor verlor Reisch zeitweise seine Lizenz, weil er in eine Grünfläche am Kloster Andechs in Oberbayern einen großen Krater gesprengt hatte. Dafür war er zwar beauftragt worden, aber offenbar wussten die Behörden nichts von seinen Plänen. Unmittelbar nach der Detonation flog ein Polizeihubschrauber über das Gebiet. Die Beamten sahen den Krater und glaubten zunächst an einen Meteoriteneinschlag. Eduard Reisch betonte, er habe die Sprengung ordnungsgemäß angemeldet. Innerhalb der Behörden in Oberbayern habe es aber eine Kommunikationspanne gegeben. Der Einsatz brachte ihm den Spitznamen „Krater-Eddy“ ein.

Zudem befindet sich der Sprengmeister derzeit in einem Rechtsstreit mit den Auftraggebern einer Sprengung in München. Die hatte er kurzfristig abgesagt, weil Schutzmaßnahmen nicht ergriffen worden seien, wie er erklärte. ABG-Chef Junker sagte der FR, er habe von Reischs Vorstrafe nichts gewusst, als er ihm den Auftrag zur Sprengung des Uni-Turms erteilte: „Es hätte aber auch nichts geändert, ich hätte ihn trotzdem genommen.“ Junker verwies daraus, dass Reisch die Sprenglizenz besitze, die von den Behörden nur nach genauer Prüfung erteilt werde. Der Experte aus dem bayerischen Apfeldorf habe zahlreiche hohe Gebäude erfolgreich gesprengt, etwa das Agfa-Haus in München.

Bei den nun bekanntgewordenen Vorfällen sei nie die eigentliche Sprengung das Problem gewesen, so Junker. In Hamburg habe nur das Verlassen der Baustelle zur Verurteilung geführt, und in München habe sich Reisch „vorbildlich“ verhalten, als er den Einsatz wegen fehlender Sicherheitsvorkehrungen abbrach.

Unterdessen sind die Vorbereitungen für die für Sonntagvormittag geplante Sprengung des Uni-Turms weitgehend abgeschlossen. Reisch und sein Team haben 950 Kilogramm Sprengstoff auf etwa 1400 kleinere Löcher in den Stützen des Gebäudes verteilt. Der Uni-Turm wird bis Sonntag von Beamten der Frankfurter Polizei und des Landeskriminalamts bewacht. Die Straßen rund um das 116 Meter hohe Gebäude werden am Sonntag von 7 Uhr an gesperrt sein.

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