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Stadtentwicklung und Wohnen in Frankfurt
Frankfurt wächst. Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt. Doch wo sollen sie künftig leben?

25. September 2014

Altstadt: Suche nach Frankfurts Farben

 Von 
Grünlich, bläulich, rötlich, gräulich: Designprofessor Markus Schlegel zeigt Farbtafeln der Altstadt-Fassaden.  Foto: Christoph Boeckheler

Im Oktober beginnt der Bau des neuen Frankfurter Altstadtviertels. Nur Detailplanungen, beispielsweise zur Farbgebung, stehen noch aus. Welche Wirkung welche Farbe hat, lässt die Bauherrin, die Dom-Römer-GmbH, derzeit auf der Baustelle an Attrappen erforschen.

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Die Altstadt soll alt aussehen, also vertraut. Andererseits ist sie neu. Das sind Frankfurter Tatsachen, mit denen der Designprofessor Markus Schlegel umzugehen hat. Am Mittwoch konnte man den Experten auf dem schäbigen Parkplatz am leeren Bundesrechnungshof aneinandergereihte, mannshohe Farbtafeln erläutern sehen, 35 an der Zahl.

Jede Reihe steht da für eine Gasse. Lauter Graus, Rots, Beiges und Blaus, die sich, unterbrochen von Milchigweiß, demnächst im Herzen der Stadt zu Hauswänden auswachsen werden. Denn im Oktober, so wurde verkündet, ist nun endlich Baubeginn zwischen Dom und Schirn, und zwar auf allen 35 Parzellen gleichzeitig.

Die Dom-Römer-GmbH als Bauherrin des entstehenden Viertels, hat den Farbspezialisten mit Professur in Hildesheim engagiert. Also sucht er seit eineinhalb Jahren nach der „für Frankfurt typischen Farbigkeit“. Er sucht sie in Gassen, die es nicht mehr gibt, also anhand von Fotos und Modellen. Er versuche, „eine Grundatmosphäre zu skizzieren“, er habe das Ergebnis regelmäßig mit dem Bauherrn, dem Gestaltungsbeirat, den Stadtverordneten „in jeder Nuance diskutiert“.

Politiker lieben kräftige Farben

Alle hat dabei erstaunt, dass Römer-Politiker kräftige Farben mehr lieben als blasse. Trotzdem haben sich die Farbkompositeure bei dem Haus mit dem Namen „Würzgarten“ an der Gasse Markt „von Ultramarin verabschiedet“. Inzwischen macht sich dessen Musterwand in Graublau unsichtbar und tritt höflich in die Front der Gasse, den früheren Krönungsweg, zurück. Das Haus „Goldenes Haupt“ nicht weit davon zeichnet sich in Malachitgrün ab. „Zu den drei Römern“ wird Oxidrot gestrichen. Das „Rote Haus“ dagegen wirkt auf der Attrappe eher braun, das liege aber nur am trüben Mittwochnachmittagslicht. Das Rote Haus soll in Englischrot wiederauferstehen.

„Stichtag: 1900“, erläutert Schlegel und hat dabei die 15 Giebelhäuser im Blick, die originalgetreu errichtet werden. Für diese nehme man das Bild aus dem Jahr 1900 als Vorgabe der Überlieferung. Das bedeutet: Verputz, kein sichtbares Fachwerk. „Blautöne, gebrochene Sand-Erdtöne, Oxidtöne, Blau-Braun-Nuancen“, schwärmt der Farb-Designer. Unverputzt bleibt die „Goldene Waage“, der gülden schimmernde Prachtbau. Noch eine Ausnahme wird wohl der Rebstockhof, dessen Fachwerkkleid Aufbauarchitekt Jochem Jourdan nach außen kehren will.

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Wie Frankfurt um seine Farben ringt, das nennt der Designer „einen außergewöhnlichen Akt“. Er zolle „meinen Respekt dem Bauherrn“. Schlegel späht nach den Licht- und Schattenverhältnissen, er sucht auf diesem Parkplatz nach „der Grundatmosphäre“ des Verlorenen. Er will achtgeben, „dass es keine Ton-in-Ton-Sauce gibt“. Was da am Rand des lärmenden Theatertunnels für die Altstadt Modell steht, scheint ihm dabei nur „ein weiterer Schritt in einem Näherungsprozess“.

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