Aktuell: Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Stadtentwicklung und Wohnen in Frankfurt
Frankfurt wächst. Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt. Doch wo sollen sie künftig leben?

17. Februar 2014

Wohnen in Frankfurt: Kampf gegen die neuen Wohngebiete

 Von 
Auf den Streuobstwiesen in Bonames soll ein neues Wohnquartier entstehen.  Foto: Christoph Boeckheler

Protest gegen neue Wohngebiete: Immer mehr Frankfurter lehnen die von der Stadt geplanten Quartiere ab. Bürgerinitiativen haben regen Zulauf.

Drucken per Mail

Er hält mit seinem Ärger nicht hinterm Berg. Christoph Schmidt-Lunau hat schon vor mehr als einem Dutzend Jahren gegen ein zu großes Neubaugebiet Bonames-Ost gekämpft. Für den Erhalt von Kleingärten und Streuobstwiesen, dem „Rückzugsgebiet von Steinkäuzen und Waldohreulen“. Damals „hatten wir mit den Politikern im Römer einen Kompromiss erzielt – doch der wird jetzt torpediert“. Für den Vorsitzenden der Siedlervereinigung Bonames ist das „ein Skandal“. Statt der im Jahr 2002 mit den Menschen vor Ort ausgehandelten 1200 neuen Wohnungen wolle die Stadt das neue Quartier nun auf 2000 Unterkünfte „aufblasen“. Von 100 Kleingärten müssten 50 wegfallen: „Das ist einfach zu viel.“

Bonames-Ost ist nur ein Brennpunkt des Widerstands gegen die von der Stadt geplanten neuen Wohngebiete. 15 neue Flächen in Frankfurt will Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) so schnell wie möglich entwickeln. Doch überall stößt er auf Protest von Bürgerinitiativen. Auch in Preungesheim, wo An der Wolfsweide 104 Dauerkleingärten für 450 neue Wohnungen geopfert werden sollen. Gerd Lauer, einer der Sprecher des Kleingartenvereins, erzählt, dass es An der Wolfsweide „schon vor dem Zweiten Weltkrieg Kleingärten“ gab.

FR-Stadtgespräch

Kein Thema wird in Frankfurt derzeit so heftig diskutiert wie das Wohnen. Die Stadt wächst. Immer mehr Menschen ziehen hierher. Doch wo sollen sie leben? Bürger wehren sich gegen neue Siedlungen vor ihrer Haustür.

Unter dem Titel „Wohnen in Frankfurt“ lädt die FR Sie ein zum Stadtgespräch, am Mittwoch, 26. Februar, um 18.30 Uhr, Einlass: 18 Uhr, im Saalbau Gallus, Frankenallee 111.
Auf dem Podium: Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Brunhilde Fahr, Aktionsbündnis „Mieterinitiative Nassauische Heimstätte“, Stephan Forster, Frankfurter Architekt und Spezialist für Wohnungsbau und Christoph Schmidt-Lunau, Sprecher der Bürgerinitiative „L(i)ebenswertes Bonames“.

Es moderieren Marie-Sophie Adeoso und Claus-Jürgen Göpfert, Frankfurter Rundschau. Der Eintritt ist frei.

Ein lange Tradition also, mit die Stadt jetzt breche. Das wollten die Gärtner nicht hinnehmen. Gerade weil im Frankfurter Osten schon viel Grün für neue Verkehrswege geopfert worden seien: „Allein 350 Kleingärten wurden seinerzeit für den Ausbau der Autobahn A661 plattgemacht.“ Lauer wirft insbesondere OB Peter Feldmann (SPD) Willkür vor: „Der geht mit der Gießkanne übers Land und erfindet neue Wohngebiete.“

Matthias Mehl, Frankfurter Kreislandwirt, ist froh darüber, dass er gerade ein vom Oberbürgermeister vorgeschlagenes neues Wohnquartier zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach erfolgreich abwehren konnte. Angesichts des breiten Widerstands aus Bevölkerung und Politik hatte der OB vergangene Woche diese Idee zurückgezogen.

Verzweifelter Kampf

Dennoch kämpfen die verbliebenen rund 90 landwirtschaftlichen Betriebe in Frankfurt einen verzweifelten Kampf für den Erhalt ihrer 3700 Hektar bewirtschafteter Fläche, noch 15 Prozent des Stadtgebiets. Besonders verärgert ist Mehl über die Ankündigung des Chefs der städtischen Wohnungs-Holding ABG, Frank Junker, brachliegende Ackerflächen für Wohnungsbau nutzen zu wollen. „Es gibt überhaupt keine brachliegende landwirtschaftliche Fläche“, hält CDU-Mitglied Mehl dagegen.

Zugleich sagt der Ortsvorsteher von Nieder-Erlenbach: „Wir sind nicht blauäugig.“ Die Landwirte wüssten wohl um den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Frankfurt. Aber: „Die Politiker dürfen es sich nicht zu einfach machen.“ Ihn ärgert, dass die Politik „riesige Schrott-Immobilien“ wie das ehemalige Polizeipräsidium an der Friedrich-Ebert-Anlage jahrelang leerstehen lasse, statt dort Wohnungen zu entwickeln.

15 neue Wohngebiete in Frankfurt, das bedeute: „Es wird weiter an der landwirtschaftlichen Fläche gesägt.“ Dabei nimmt es der Kreislandwirt „der schwarz-grünen Römer-Koalition durchaus ab, dass sie mit sich ringt, was eine nachhaltige Stadtentwicklung bedeutet“. Aber wenn zum Beispiel das neue Baugebiet Bonames-Ost komme, werde der letzte Landwirt im Stadtteil dort stark gefährdet.

Christoph Schmidt-Lunau hat in Bonames mit anderen die Bürgerinitiative „L(i)ebenswertes Bonames“ gegründet. Zur Gründungsversammlung Ende 2013 kamen spontan „mehr als 200 Leute“. Das Motto der BI: „Gegen grün-rot-schwarze Bauwut und Planungswillkür.“

Dabei legt Schmidt-Lunau Wert auf die Feststellung, dass man keineswegs grundsätzlich neue Wohnungen vor Ort ablehne. Nur falle das neue Wohnquartier jetzt zu groß aus. So solle eine „kleine, kümmerliche Randstraße“ künftig den Verkehr aus dem Wohngebiet aufnehmen. Jeder im Stadtteil wisse: Das ende im Chaos.

[ Lesen Sie jetzt das EM-Spezial der FR - digital oder gedruckt sechs Wochen lang ab 27,30 Euro. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Dossier

Frankfurt ist wie kaum eine andere deutsche Stadt im fortwährenden Wandel: Ganze Stadtviertel entstehen neu, Hochhäuser wachsen genauso in den Himmel wie Einkaufszentren. Doch bleibt am Ende genug bezahlbarer Wohnraum? Diese Frage bewegt Frankfurt seit Jahrzehnten.

Videos
Sprengung des AfE-Turms

Der AfE-Turm am Frankfurter Campus Bockenheim ist Geschichte. Fotos, Videos und Berichte über den großen Knall - und ein Blick auf das, was danach kommt.

Sprengung des AfE-Turms

Videos: Der AfE-Turm fällt - in Zeitlupe

Fotostrecke: Der Trümmerhaufen als Ausflugsziel

Fotostrecke: So fiel der AfE-Turm

Fotostrecke: Das bleibt vom Uni-Turm übrig

Fotostrecke: Ein letzter Rundgang im AfE-Turm

Rückblick: Spektakuläre Sprengungen in Frankfurt

Ausblick: Kulturcampus Bockenheim

Sonderheft

Die Siebziger sind die Frankfurter Jahre. Von hier aus strahlt in die Republik, was das Jahrzehnt bestimmt: das Aufbegehren der Jugend, der Häuserkampf in und ums Westend, die terroristische Bedrohung der RAF - und die Flügelzange der Eintracht mit Grabowski und Hölzenbein.

FR-Geschichte: 70er Jahre in Frankfurt

Unser Sonderheft blickt zurück, dokumentiert Originaltexte und zeigt das Jahrzehnt in Bildern.