Stadtteil-Porträts
In welchem der 43 Frankfurter Stadtteil lebt es sich am besten? Wir stellen sie vor - vom hippen Nordend zum beschaulichen Nieder-Erlenbach.

04. Dezember 2012

Frankfurt - Bonames: Die Kurve kriegen

 Von Jeannette Faure
Fröhlich in der Küche: Fachleiter Harals Romacker (hinten) mit Irene, Zeynel, Nick und Sandra (v.l.). Foto: Michael Schick

Nachgehakt: 2011 hat sich die FR im nördlichen Stadtteil Bonames umgehört, wo es Probleme gibt. Was ist seitdem passiert? Jugendliche aus der Siedlung am Bügel erhalten eine Chance im Evangelischen Lernbetrieb, während eine neue Ortsmitte langsam wächst.

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Nachgehakt: 2011 hat sich die FR im nördlichen Stadtteil Bonames umgehört, wo es Probleme gibt. Was ist seitdem passiert? Jugendliche aus der Siedlung am Bügel erhalten eine Chance im Evangelischen Lernbetrieb, während eine neue Ortsmitte langsam wächst.

"Welche Schuhgröße haben Sie?“ Es ist die letzte Frage in einem Bewerbungsgespräch zwischen Ausbilder Harald Romacker und einem jungen Mann, der sich im Bistro beim Lernbetrieb, Ben-Gurion-Ring 110a, vorstellt. Erfolgreich: Er kann bereits am nächsten Tag anfangen.

Die Produktionsschule/Lernbetrieb ist seit 2007 am Bügel und hat drei Ausbildungsstätten. Am Ben-Gurion-Ring befindet sich die Gastronomie. Träger des Lernbetriebs ist der Evangelische Verein für Jugendsozialarbeit. „Wir haben zwölf Plätze sowie ein bis zwei Stellen für Auszubildende in den Berufen Koch und Fachhelfer Gastronomie“, sagt Romacker. In erster Linie gehe es darum, Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren im Zeitraum von ein bis zwei Jahren einen Hauptschulabschluss zu ermöglichen.

Bürger im Gespräch

Die FR macht mobil: Jede Woche besucht die Lokalredaktion einen Stadtteil, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. Wir hören uns an, was Sie zum Stadtteil zu sagen haben und nehmen Anregungen, Kritik und Lob entgegen.

In Bonames ist die FR am Mittwoch, 5. Dezember, von 15 bis 17 Uhr vor dem Smart Markt, Oberer Kalbacher Weg 2. Aus der Redaktion werden Jeannette Faure und Boris Schlepper kommen. Als Gäste haben sich auch Ortsvorsteher Robert Lange (CDU) und Ortsbeirat Lothar Kramer (Linke) angekündigt.

"Eine gute Truppe"

Außerdem erhalten sie eine von der IHK anerkannte Bescheinigung über ihre Tätigkeit in der Küche. Ein Tag Schule, vier Tage Arbeit – so sieht der Wochenplan aus. „Wir produzieren 160 Essen täglich, die wir an Schulen, Tagesgruppen des Jugendamts und ans Teenie-Café im Frankfurter Berg liefern“, erläutert Romacker. Im Bistro mit etwa 30 Plätzen, im Karree zwischen Sozialrathaus, Volkshochschule und den Räumen der Jobscouts gelegen, gibt es täglich wechselnde Menüs. „Wir haben zurzeit eine gute Truppe zusammen“, sagt Romacker stolz. Die meisten kommen aus der nahen Umgebung, fragen selbst, ob sie hier anfangen können. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen übersteht die dreiwöchige Probezeit, 80 Prozent schaffen den Hauptschulabschluss. Eine wichtige Voraussetzung, um beruflich die Kurve zu kriegen.

Der Ben-Gurion-Ring hat seit Jahren mit einem schlechten Ruf zu kämpfen. „Wir sind froh, insgesamt etwa 50 Jugendlichen hier eine Chance in verschiedenen Berufsfeldern bieten zu können“, erklärt Evelyn Rogowski, Leiterin des Arbeitsbereichs berufliche Qualifizierung und Ausbildung beim Lernbetrieb. Das Projekt, unterstützt vom europäischen Sozialfonds und kofinanziert von der Stadt, sei wichtig, gerade hier am Ring. „Man sieht weniger Jugendliche, die rumhängen“, meint Rogowski. Trotzdem müsste mehr getan werden.

"Unser Engel"

In der Ladenstraße stehen Geschäfte leer, es gibt einige Spielplätze, aber keine wirklichen Sportmöglichkeiten für die Jugendlichen. „Angebote für junge Eltern, weitere Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren, vielleicht auch ein einladenderer Platz hier vor dem Bistro wären notwendig“, fordert Rogowski. Sie wird geschätzt, von vielen begrüßt. „Sie ist unser Engel“, sagt eine ältere Dame, die zum Mittagessen ins Bistro gekommen ist.

Szenenwechsel in südliche Richtung, nach Alt-Bonames. Der heftig umfahrene Platz Am Wendelsgarten lädt bei kaltem Wind eher nicht zum Sitzen im Freien ein. Hinter den grünen Bauplanen macht sich ein Arbeiter zu schaffen: Das große Plakat kündigt ein Wohn- und Geschäftsgebäude an. Ein Eiscafé ist ebenerdig geplant. Eine hübsche Ergänzung für die neue Ortsmitte. „Baufertigstellung 10.08.2013“ steht auf dem Plakat. Den meisten Anwohnern dauert das Bauvorhaben zu lange, viele haben das Gefühl, es gehe recht schleppend vorwärts.

Irrwitzige Manöver

„Ich wohne gern in Bonames. Hier ist es rundum grün und ruck-zuck ist man in der Innenstadt“, sagt Helmut Göbel. Auch die ehemalige Wirtin Irmgard Euler bestätigt: „Es lebt sich gut hier in Alt-Bonames, der Alte Flugplatz ist ein Schmuckstück geworden und ein schöner Ort für die Kinder.“

Wenn nur nicht der Verkehr wäre, sich die Lkw durch die schmalen Gassen quälten, manchmal irrwitzige Manöver vollzögen, um heil durch zu kommen. Aber da wird sich so schnell nichts ändern, die Ortsumfahrung wird wohl noch Jahre auf sich warten lassen: Zu große und zu teure Schuhe für den Stadtteil mit den unterschiedlichen Gesichtern.

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