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Frankfurt : In Ginnheim wird es eng

In Ginnheim gibt es teils so wenig Platz, dass die Läden ihre Waren nicht vor die Tür stellen können. Trotzdem sollen noch mehr Wohnungen entstehen - manchen macht das Angst.

Der Ginnheimer Markt hat knackigen Romanasalat im Angebot. Für 69 Cent das Stück. Nur kann das kaum einer sehen, der draußen vorbeiläuft.

Die Ginnheimer Landstraße.
Die Ginnheimer Landstraße.

Die Kisten mit dem Preisschild stehen nicht vor dem kleinen Supermarkt auf der Straße, sondern drinnen. Für die Ware ist in der Ginnheimer Landstraße kein Platz. Patrick Zisch steht auf dem schmalen Bürgersteig neben der Bushaltestelle.

Immerhin, sagt der Vorsitzende des Gewerberings Ginnheim, seien die Hecken auf der anderen Seite heruntergeschnitten worden. „Das ist schon mal was.“ Allerdings ist der Blick nun frei auf den kargen kleinen Kinderspielplatz, auf dem sich vorher öfter mal die Trinker vom Büdchen nebenan trafen. Weil sie wegen der Hecken ungestört waren.

Bürger kämpfen gegen Spielotheken

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Deshalb hätte Zisch dort, neben der Trinkhalle, am liebsten ein kleines Café mit Tischen und Stühlen im Freien. Denn das gibt es in Ginnheim nicht. "Die Leute sagen immer, sie müssten nach Bockenheim, um einen Kaffee zu trinken.“ Die Straße muss saniert werden, es reicht nicht, die Löcher zu flicken, das sei ohnehin klar. Das werde auch passieren, hatte Helmut Heuser, der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, vor über einem Jahr bei einem Rundgang versichert. Zumal die Ginnheimer Landstraße das Einfallstor in den Stadtteil ist.

Überall sind die Parkplätze belegt und das selbst samstags: vor der Zeile, in der auch die Fahrradstation und das Sanitätshaus Metz ihre Läden haben, vor der Falken-Apotheke und vor der Sparkasse. Eine Frau hält mit ihrem Wagen mitten auf der Straße, rennt hinein und hebt Geld ab. Nebenan steht immer noch der „Book & Calenders“ leer; seit gut einem Jahr inzwischen. Kurz nachdem das Geschäft geschlossen hatte, wollte ein Wettbüro die Nachfolge übernehmen.

Zisch wehrte sich mit seinen Kollegen vom Gewerbering dagegen. „So was will keiner.“ Zumal etwa zur gleichen Zeit in dem Gewerbe- und Wohnkomplex mit der Hausnummer 164-172, schräg gegenüber, eine Spielhalle einziehen sollte.

Monate später hat Christiane Loizides reichlich Erfahrung gesammelt im Kampf gegen die "Vergnügungsbetriebe". Es brauche eine Bau- und eine Sondergenehmigung, darauf pochte die Richterin am Verwaltungsgericht im Ortsbeirat immer wieder. Etliche Male erklärte sie das Prozedere, wenn sich wieder einmal aufgebrachte Bürger meldeten, weil sie eine Spielothek oder ein Wettbüro in der Nachbarschaft ausgemacht hatten. Das sei gut so. „Denn die Stadt drückt öfter mal ein Auge zu, wenn sich keiner beschwert.“

Die Ginnheimer Landstraße soll grüner werden

Die Stadt will die Bebauungspläne für Ginnheim ändern und setzt die Sperrzeit für Vergnügungsstätten ab 1. Januar auf den Zeitraum von 3 Uhr nachts bis 11 Uhr morgens fest. Um dem „Trading-down-Effekt“ entgegenzuwirken: einer negativen städtebaulichen Entwicklung, der Verdrängung des eingesessenen Einzelhandels. Auf der Ginnheimer Landstraße ist das glücklicherweise nicht zu befürchten. Das Wettbüro ist allerdings noch da. Es werde, so sagt Zisch, „inzwischen toleriert“.

Ginnheim, das sind eigentlich drei oder vier weit auseinander gezogene Stadtteile. Im alten Kern, der nur einige Gehminuten von Zisch und der Ladenzeile mit den schmalen Bürgersteigen entfernt liegt, ist es ruhig, fast ausgestorben. Wenn der Kirchplatz schöner wird, ändert sich das - Davon ist Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU) überzeugt. Deshalb soll neu gepflastert und der Platz vergrößert werden, so dass die Alte Bethlehemkirche wieder in der Mitte steht.

Das sei rausgeworfenes Geld und auch nicht nachhaltig, weil der Platz vor Jahren erst neu gestaltet wurde, sagen die Kritiker. Das sind zum Beispiel die Grünen im Ortsbeirat.

In der entgegengesetzten Richtung der Ginnheimer Landstraße knickt die Platenstraße ab. Sie soll demnächst grüner werden. Als Teil des von Planern entworfenen „Grünen Y“ – einer Wegeverbindung zum Grüngürtel auf der einen und dem Anschluss an die Miquelallee auf der anderen Seite.

Damit wird auch die geplante Kulturmeile umgesetzt. Zirkus Zarakali, der Bikepark „Stahlfräse“, Schulen und Kindertagesstätten – alle warten darauf, alle wollen mitmachen. Auch die Menschen in der Platensiedlung. Sie hätten gerne eine Boulebahn oder Tischtennisplatten. Das äußerten sie in der Planungswerkstatt. Bis zum Sommer 2012 dauert es damit mindestens noch.

100 Voranmeldungen für die Kita, 20 freie Plätze

Draußen auf der Platenstraße bestimmen Schotterhaufen und brachliegende Flächen das Bild. Drinnen, im Lehrerzimmer der Integrativen Schule, sitzen die, die das ändern wollen: der Stadtteilarbeitskreis Ginnheim. Beispielsweise Peter Ackermann, der die städtische Kita Am Wiesenrain leitet, Hausnummer 132. Für den Sommer habe er 100 Voranmeldungen, berichtet er der Runde, aber nur 20 freie Plätze. 80 Kinder kommen derzeit unter. Sie stammen aus 34 Nationen. Ackermann steht für den kinderreichen Stadtteil Ginnheim und die Integration, die genau dort, in seiner Kita, geschieht.

Auch die Leiterin des Jugendzentrums, Ulrike Fritz, ist mit dem Thema befasst. Die 15 Frauen von der Falah Moschee in der Raimundstraße bräuchten einen neuen Raum, erzählt sie. Bislang treffen die Frauen sich im Jugendzentrum Ginnheim. „Aber sie würden das Angebot gerne erweitern, Sport machen und Deutsch als Fremdsprache lernen.“ Vielleicht hat die Kita einen Raum frei, meint Ackermann.

Monika Westmeyer, die Leiterin des Nachbarschaftszentrums Ginnheim, kämpft seit Jahren für eine lebenswerte Siedlung und gegen Anonymität. Als Mitte der neunziger Jahre die amerikanischen Soldaten mitsamt ihren Familien in ihre Heimat zurückkehrten, entwickelte die Stadt ein ehrgeiziges Siedlungsprogramm: Familien mit Kindern zogen in die Wohnungen ein. Genau auf dem Areal der Platensiedlung soll in Zukunft noch mehr gebaut werden. Weil Frankfurt wächst.

„Wie das genau aussehen wird, weiß keiner“, sagt Rudi Baumgärtner. Der frühere SPD-Stadtverordnete meint die geplante Nachverdichtung. Durchaus „perverse Ideen“ gebe es, die den Menschen in der Platensiedlung Angst machen. Etwa der Plan, Häuser zwischen den Betonriegeln auf die Grünflächen zu bauen. „Etwas verändern kann man sicher“, sagt Baumgärtner; „und Wohnungen brauchen wir“.

Damit könnte ein ehrgeiziges Projekt wieder relevant werden: Die Ginnheimer Kurve, der Plan eines Lückenschlusses zwischen Ginnheim und Bockenheim.

Autor:  Markus Bulgrin
Datum:  6 | 12 | 2011
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