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Stadtteil-Porträts
In welchem der 43 Frankfurter Stadtteil lebt es sich am besten? Die Frankfurter Rundschau stellt sie in einer regelmäßigen Serie vor - vom hippen Nordend zum beschaulichen Nieder-Erlenbach.

12. Juni 2012

Frankfurt-Nordend: Der ewige Kampf um den Markt

 Von Laura Wagner
Wollen weiter feiern: Besucher auf dem Friedberger Markt. Foto: Michael Schick

Nachgehakt: 2011 hat sich die FR vor Ort angehört, wo es Probleme gibt. Was ist seitdem passiert? Im Nordend geht der Streit über die Party am Friedberger Platz in die nächste Runde, die Parkplätze im Viertel sind nach wie vor knapp. Dafür ist der Martin-Luther eröffnet - auch wenn er nicht allen gefällt.

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Nachgehakt: 2011 hat sich die FR vor Ort angehört, wo es Probleme gibt. Was ist seitdem passiert? Im Nordend geht der Streit über die Party am Friedberger Platz in die nächste Runde, die Parkplätze im Viertel sind nach wie vor knapp. Dafür ist der Martin-Luther eröffnet - auch wenn er nicht allen gefällt.

Freitags strömen Leute aus ganz Frankfurt und Umgebung ins Nordend, ein klares Ziel vor Augen: den Wochenmarkt auf dem Friedberger Platz. Schon im vergangenen Jahr war der Markt, beziehungsweise die anschließende After-Work-Party, ein heiß diskutiertes Thema am FR vor Ort-Stand. Freitags tummelten sich dort Tausende, sehr zum Ärger der Anwohner. Seitdem hat sich viel getan, doch Interessenkonflikte gibt es nach wie vor.

Marktbefürworter wie Boris Konopka wollen den Treffpunkt erhalten. „Der Bedarf ist da“, sagt der 44-Jährige, der eng mit der Stadt zusammenarbeitet, um ab 22 Uhr für Ruhe auf dem Platz zu sorgen. Einigen Anwohnern ist es noch immer zu laut, zu schmutzig und zu wenig grün auf dem Platz. Die Klage einer Anwohnerin der Günthersburgallee 1 könnte erneut das Aus für den Freitagsmarkt bedeuten. Drei Lärmmessungen im Juni sollen belegen, wie laut es tatsächlich in der Wohnung der Klägerin ist.

Der Markt hat schon einiges hinter sich. Ex-Ordnungsdezernent Volker Stein (FDP) verlegte ihn im vergangenen Sommer von Freitag auf Mittwoch. Zu lang die Schlangen vor den Dixi-Klos, die einige Marktbesucher dazu brachten, sich andernorts zu erleichtern; zu vermüllt die Wiese, zu laut die Leute. Mittwochs war es leer, ruhig und sauber. Wirklich glücklich war mit dem neuen Markttag aber kaum jemand.

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Im Nordend ist die FR am Mittwoch, 13. Juni, von 16 bis 18 Uhr mit einem Stand am Friedberger Platz zugegen. Aus der Redaktion werden Lukas Gedziorowski und Boris Schlepper kommen. Als Gäste haben sich Jörg Harraschain, ehemaliger Ortsvorsteher, und Rüdiger Koch, SPD-Fraktionsvorsitzender im Ortsbeirat 3, angekündigt.

Anwohner, Marktbeschicker, Stadtverwaltung und Mitglieder des Ortsbeirats setzten sich bei einem Runden Tisch zusammen, um über die Zukunft des Platzes zu reden. Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) verlegte den Markt im November auf den Freitag zurück. „Wir haben einen guten Kompromiss gefunden“, sagt Frank. Ruhe nach 22 Uhr, eine erste Grobreinigung durch die FES und mehr Toiletten. „Wir haben die Maßgaben vom Runden Tisch übererfüllt“, sagt Konopka.

Ab 21.30 Uhr laufen die von Konopka mitorganisierten gemischten Streifen aus Polizei und Anwohnern über den Platz und fordern die Leute zum Gehen auf. Um Ansammlungen leerer Flaschen auf der Wiese zu vermeiden, die lautstark von der FES entsorgt werden, entwickelte Konopka ein eigenes Sammelsystem.

Bekommt die Klägerin vor Gericht Recht, kann all das umsonst gewesen sein. Die Anwohnerin hatte bereits im vergangenen Jahr gegen die Freitagsparty geklagt. Dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel legte sie eine Lärmmessung vor. Das Gericht lehnte ihre Klage ab, da es die Authentizität der Messung bezweifelte. „Die Klägerin hat dafür privat einen Akustiker beauftragt“, sagt Gerichtssprecher Harald Pabst. Nun sind unabhängige Sachverständige des Gerichts dran und messen an drei Freitagen in Folge zu verschiedenen Uhrzeiten den Lärm in der Wohnung der Klägerin.

Die Grenzen von 60 Dezibel vor und 45 Dezibel nach 22 Uhr in Mischgebieten wie auf dem Friedberger Platz einzuhalten, dürfte problematisch werden. „Der normale Verkehrslärm an der Friedberger ist auch nicht ohne“, sagt Konopka, der Referenzmessungen fordert. „Der Sachverständige wird den alltäglichen Lärm bei der Messung berücksichtigen“, sagt Gerichtssprecher Pabst. Es gehe schließlich um den Lärm, der von den Menschen ausgeht.

„Es ist die Frage, ob das Bundesimmissionsschutzgesetz gilt“, sagt Frank. Denn die After-Work-Party nach dem Markt sei keine Veranstaltung, sondern ein Selbstläufer. Das, so Pabst, sei eine rechtliche Frage, über die der Senat entscheide. Es sei mit einer mündlichen Verhandlung zu rechnen. „Bekommt die Klägerin Recht, muss die Stadt für Ruhe sorgen.“ Das hat sie schon einmal mit der Verlegung des Marktes getan. Der Kampf um den Freitagsmarkt wird andauern.

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