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Frankfurt Nordweststadt: Noch nicht reif für Visionen

Beim Plausch am FR-Stand geht es neben krakeelenden Jugendlichen auch um die Zukunft des Quartiers.

        

Infobörse im Nordwestzentrum: Die FR zu Gast vor dem Zeitungsladen Trudrung.
Infobörse im Nordwestzentrum: Die FR zu Gast vor dem Zeitungsladen Trudrung.
Foto: Christoph Boeckheler

Natürlich will Dieter Schneider die Entwürfe sehen, die seit Mittwoch in der Neuen Mall des Nordwestzentrums aushängen. Doch bevor er sich ein Bild mache über die Pläne von insgesamt 43 Architektenbüros zur Nordweststadt, wolle er mal ein paar Dinge am Stand der Frankfurter Rundschau loswerden.

Ihn stören „die Banden von Jugendlichen, die die ganze Nacht krakeelen“. Drogendeals, Gewalt und sogar illegale Einwanderer, die in Hausfluren schlafen – das alles sei Normalität. „Sehr runtergekommen“ sei das Umfeld, dennoch lebe Schneider gerne in der Nordweststadt und wolle auch nach 47 Jahren mit seiner Frau nicht umziehen.

Auch das „Kleine Zentrum“ in der Thomas-Mann-Straße sei inzwischen „erdbodengleich“. Früher, so erinnert sich Schneider, gab es dort mal ein gutes jugoslawisches Restaurant. Einen Supermarkt hätte er dort gerne – ein Vorschlag, der sich auch im Ideenwettbewerb der Stadt mit seinen 43 Entwürfen findet. Am Dienstagabend hatte die Stadt die vier Sieger-Pläne erneut vorgestellt; auch darum drehen sich die Gespräche am FR-Stand.

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Quartiersmanagerin Annette Püntmann hätte sich dazu „mehr Diskussion“ gewünscht. Auch Wulf Raether vom Verein „Brücke 71“, der für eine schönere und lebenswertere Nordweststadt kämpft, sieht das so: „In der Heinrich-Lübke-Siedlung in Praunheim hat man die Menschen auch gefragt, was sie wollen. Hier ist das nicht der Fall.“

Zumal viele Punkte zwar relevant für den Planungsprozess, aber sonst noch unklar sind. „Die Eigentumsfragen sind völlig offen“, so Püntmann. Wege und Straßen sind öffentlich, das heißt städtisch. Doch die Wohnungsbaugesellschaften sind Eigentümer der Häuser und somit auch Wohnhöfe, die ebenfalls umgestaltet werden sollen. Auch der Inhaber des „Kleinen Zentrums“, ein privater Investor, müsste den Plänen für ein neues Einkaufszentrum mit Flanierzone erst zustimmen. Doch die Stadt will die Bürger bis August zunächst nachdenken und diskutieren lassen.

Eines steht für Bruni Freyeisen, die seit 64 Jahren in der Nachbarschaft lebt, schon fest: Die Fußgängerbrücken müssen bleiben. Einige der Entwürfe sehen vor, die Brücken, unter denen die Tiefgaragen sind, abzubauen. Die Übergänge seien „schon immer ein Segen“, wie Freyeisen sagt, weil „die Mütter ihre Kinder ohne Angst vor dem Autoverkehr zur Schule schicken können“.

Die „Sanierung der öffentlichen Flächen“, mehr soziale Einrichtungen und vielleicht „die alte Idee“, ein Café im Martin-Luther-King-Park zu etablieren – dies alles sei zweifelsohne wichtig. „Erst muss das Bestehende funktionieren, dann kann man mit Visionen kommen“, sagt Freyeisen. Überhaupt sollten die Planer von vorne herein mit den Bürgern reden: „Wir wollen über unsere Bedürfnisse sprechen.“

Auch Püntmann appelliert am FR-Stand an die Menschen, bis August dabei zu sein: „Die Nordweststädter müssen diese Chance nutzen und sich einbringen.“

Autor:  Markus Bulgrin
Datum:  9 | 6 | 2011
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