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Stadtteil-Porträts
In welchem der 43 Frankfurter Stadtteil lebt es sich am besten? Wir stellen sie vor - vom hippen Nordend zum beschaulichen Nieder-Erlenbach.

15. November 2011

Frankfurter Berg: Der Berg ist in Bewegung

 Von Moritz Zimmermann
Einmal pro Woche besucht die Lokalredaktion einen Stadtteil, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. Am Frankfurter Berg hat die FR am Mittwoch, 16. November, von 14 bis 16 Uhr einen Stand an der Kreuzung Homburger Landstraße/Berkersheimer Weg vor dem Rewe-Markt. Von der Redaktion kommen Boris Schlepper und Moritz Zimmermann. Als Gäste haben sich Wolfgang Brunner, Monika Urbanek und Heide-Marie Teske angekündigt.Foto: Michael Schick

Als Ende der 60er Jahre in die Höhe gebaut wurde, hieß der Frankfurter Berg noch Bonames. Seit 1996 trägt der Stadtteil auch den Namen der ursprünglichen Siedlung. Noch immer wird gebaut, viele Familien ziehen hin - versorgen können sie sich im Stadtteil aber kaum.

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Als Ende der 60er Jahre in die Höhe gebaut wurde, hieß der Frankfurter Berg noch Bonames. Seit 1996 trägt der Stadtteil auch den Namen der ursprünglichen Siedlung. Noch immer wird gebaut, viele Familien ziehen hin - versorgen können sie sich im Stadtteil aber kaum.

Über den Bahnhof, der früher Bonames hieß und heute Frankfurter Berg heißt, führt als Brücke die Homburger Landstraße. Von jener Brücke, die für den Schwerlastverkehr seit Jahren gesperrt ist, erstrahlt der Frankfurter Berg in vollem Glanz. Zumindest gibt der Rundumblick einiges von dem preis, was ihn ausmacht. Zur Linken liegt die Julius-Brecht-Straße mit den eindrucksvoll aufragenden Hochhäusern, die auf dem namensgebenden Berg noch höher wirken, als sie es mit ihren 81 beziehungsweise 60 Metern ohnehin sind. Zur Rechten gibt es erst Kleingärten, dann relativ neu gebaute Ein- und Zweifamilienhäuser. Hinter den Neubauten, im Wickenweg, stehen einige kleine Häuschen mit Giebeldach – ein krasser Gegensatz. So oder zumindest so ähnlich sah die Siedlung am Frankfurter Berg früher aus, als 1937 die ersten 160 Fachwerkhäuser entstanden. Es ist also eine bunte Mischung von Bauwerken, die sich aus den verschiedenen Siedlungsgebieten zusammensetzt.

Eindrucksvoll sind die Hochhäuser vor allem ihrer Größe wegen. Noch heute gehören sie zu den höchsten Wohnhäusern der Skyline-Stadt. Zu ihren Füßen gibt es Spielplätze, ein Park- und ein Jugendhaus, das von außen nicht gerade einladend wirkt. Der Bau der Hochhäuser Ende der 60er Jahre und die im Anschluss aufkommenden Probleme drückten dem Frankfurter Berg, damals noch zum Stadtteil Bonames gehörend, den Stempel des sozialen Brennpunkts auf. Das Image hat sich seither ein wenig geändert – gerade die Jugendarbeit hat sich bezahlt gemacht. Die Vorsitzende des Vereinsrings, Heide-Marie Teske, sieht große Fortschritte, „seit Vereine und Institutionen zusammenarbeiten“. Dennoch müsse man aufpassen. In den Hochhäusern – Teske selbst wohnt seit 30 Jahren im 17. Stock – werde die Bildung von geschlossenen Gruppen erleichtert. Mit der fehlenden Integration sei es dann für den Stadtteil schwer, vom schlechten Ruf wegzukommen.

„Ich wohne gerne hier“, sagt Monika Urbanek, die sich im Bürgerverein engagiert. Und damit spricht sie für die allermeisten. Das viele Grün drum herum mache den Reiz des – offiziell zumindest – jungen Stadtteils aus. Neben Hochhäusern und dem Sportplatz gibt es viele Kleingärten, die Nidda-Auen sind wie das ländlich gelegene Berkersheim zu Fuß erreichbar und der Blick in den Taunus blieb erhalten. Obwohl das Bauen am Berg scheinbar nie aufgehört hat. Nach der ersten Siedlung entstand mit dem Einzug der Amerikaner die sogenannte bizonale Siedlung – als „Vorsorgeeinrichtung“, da Frankfurt in der Auswahl zur Bundeshauptstadt stand. Dann kamen die Hochhäuser, und bald nach dem Abzug der Amerikaner 1992 wurden auch die alten Kasernen zum Wohnen genutzt. In der alten Edwards-Kaserne sitzt der Bundesrechnungshof, die Drake-Kaserne samt Hubschrauberlandeplatz ist Quartier der Bundespolizei.

Blick auf den Taunus

Aktuell entstehen im Hilgenfeld, in der Nähe des Bahnhofs, neue Wohnungen. Die Siedlung Taunusside wirbt sogar in ihrem Namen mit dem Ausblick aufs nahe Mittelgebirge. Der Siedlungscharakter von einst ist natürlich ein Stück weit verloren gegangen. „Jeder hat sich aus seinem eigenen Garten versorgt“, erinnert sich Horst Schierstein an die erste Siedlerzeit. Mittlerweile gebe es den engen Zusammenhalt nicht mehr in dieser Form.

Dennoch scheinen Hilfsbereitschaft und Engagement am Frankfurter Berg noch großgeschrieben zu werden. Gerade in den Hochhäusern helfe man sich, sagt Heide-Marie Teske. Und auch in der Ur-Siedlung sei das Zusammenleben zwar anders, aber immer noch hervorragend, sagt Horst Schierstein.

Zahlen
Neubausiedlungen
Statistik
Jugendhaus
Nidda
Angelo

Der Frankfurter Berg ist 216 Hektar groß und bietet nach Zahlen von 2009 seinen Bewohnern 234000 Quadratmeter Wohnfläche.
Vor zwei Jahren wurden 7149 Einwohner gezählt, mittlerweile dürfte dank einiger Neubauten die Marke von 8000 wackeln. Ungefähr ein Viertel der Einwohner sind Ausländer.

Schon 2009 lag der Frankfurter Berg bei den Neubauten mit 34 neuen Wohngebäuden auf Rang 2 hinter dem quasi außer Konkurrenz laufenden Riedberg. In diesem Jahr zog der Stadtteil weitere Investoren an, es wird weiter gebaut.
Auch das Durchschnittsalter der Stadtteilbewohner spiegelt diese Entwicklung wider. Der Frankfurter Berg ist mit 28,55 Jahren der drittjüngste Stadtteil in Frankfurt.
Eine positive Bilanz ergibt sich auch bei der Gegenüberstellung von Neugeborenen und Gestorbenen. Es gibt etwa doppelt so viele Babys wie Verstorbene im Jahr.

Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,8 Prozent.
Einen stadtweiten Minuswert hat der Frankfurter Berg aber auch inne. Hier gibt es nur zwei Kassenärzte und eine Apotheke. Einen Zahnarzt sucht man im Stadtteil vergeblich. Damit bildet der Frankfurter Berg gemeinsam mit Berkersheim das Ende dieser Rangliste.

Das Jugendhaus am Frankfurter Berg liegt direkt neben den von weitem sichtbaren Hochhäusern. Vor dem unscheinbaren Gebäude wirbt ein Schild für Respekt. Aus dem Inneren der Einrichtung vom Evangelischen Verein für Jugendsozialarbeit dringen verschiedene Sprachen, Jugendliche unterhalten sich im PC-Raum über Kampfsport. Durchschnittlich kommen 70 von ihnen täglich hierher. Auch Berkersheim gehört zum Einzugsgebiet, da es dort keine eigene Einrichtung gibt. Für ihre Betreuung gibt es präzise 3,75 Stellen in dem Haus mit eigener Küche, Tischtennisplatte und Chill-Ecke. Es gibt viele Sportangebote und je einen Tag nur für Mädchen und Jungs.

Die Grenze zwischen den Stadtteilen Frankfurter Berg und Bonames ist die Nidda. Und entlang des kleinen Flusses liegt mit den Niddaauen das nächste Erholungsgebiet für die Nordfrankfurter. Hier gibt es nicht nur Platz zum Joggen oder Radfahren, sondern auch eine für Kinder geschaffene Landschaft zum Erkunden und Entdecken. Die Niddaauen führen dann als grüne Lunge bis nach Berkersheim. Besonders im Sommer bietet die Nidda durch flache Uferhänge und Flutmulden eine breite Auswahl an Lebensräumen für eine große Artenvielfalt. Auf dem Boden der Nidda gibt es seit den Renaturierungsmaßnahmen mal Sand und mal Kies als Untergrund.

Die Hausnummer 413 in der Homburger Landstraße genießt beim eingefleischten Publikum Kultstatus. Denn bereits seit 40 Jahren gibt es hier hinter einer eher unscheinbaren imbissbudenartigen Fassade echte italienische Pizza aus dem Steinofen. Gegenüber hat sich mittlerweile ein Supermarkt breitgemacht, aber die Pizzeria „Da Angelo“ bleibt trotzdem so ziemlich das einzige kulinarische Angebot am Frankfurter Berg. Glaubt man den Stammgästen, scheint die Pizza aber ihr Geld wert zu sein. Zumindest schwören die alten Siedler auf den Italiener. Außer der Pizza Angelo Napoli de Luxe mit Peperoniwurst, Salami und Pilzen für 6,40 Euro gibt es Nudeln und Salate.

Eines wird aber doch deutlich. Es fehlt ein Treffpunkt. Alte und neue Bewohner des Frankfurter Bergs haben es schwer, zueinander zu finden. Der in den 50er Jahren ins Leben gerufene Bürgerverein klagt über fehlenden Nachwuchs, auch das Interesse am Siedlerverein hat nachgelassen. „Wir hätten gerne jüngere Aktive“, sagt Wolfgang Brunner. Er gehört zum Vorstand des Bürgervereins, dem jedoch ein Vorsitzender fehlt. Dennoch haben die Aktiven in letzter Zeit viel Positives bewirken können. So gelang es etwa, den verwilderten deutsch-amerikanischen Spielplatz herzurichten und einen öffentlichen Bücherschrank aufzustellen.

Es gibt auch keinen Mangel an Identifikation mit dem Stadtteil, der von einer Mitarbeit abschrecken könnte. Seit 1992 gibt es ein jährliches Stadtteilfest – und das, obwohl es den Frankfurter Berg als Stadtteil offiziell ja erst seit 1996 gibt. Aber „der Kontakt muss verbessert werden“, sagt der langjährige Bewohner Horst Schierstein. Zur Konzeption eines geplanten Zentrums ist es nie gekommen, eine Bank fehlt im Stadtteil ebenso wie ausreichende medizinische Versorgung. Immerhin einen Supermarkt hat der Frankfurter Berg. Das sogenannte Stadtteilzentrum im Fliederweg bietet Veranstaltungen der Arbeiterwohlfahrt, doch gerade für Jüngere strahlt auch dieser Ort keinen besonderen Reiz aus. Einzig der Stadtteilitaliener Angelo lockt seit 40 Jahren Pizzaliebhaber ins Restaurant, das mittlerweile auch nicht mehr vom ursprünglichen Inhaber geführt wird.

Lärm und Verkehr am Frankfurter Berg

Die anderen Großbaustellen haben allesamt mit Lärm und Verkehr zu tun. Man sei zwar durch die Zeit mit den Amerikanern nicht gerade verwöhnt durch Ruhe, doch heute sei es schlimmer geworden, ist die einhellige Meinung. Da gibt es die Bahn, die trotz Lärmschutzwall unüberhörbar vorbeirauscht. Die Hubschrauber der Bundespolizei sorgen für geteilte Reaktionen, da sie ja im Grunde nicht schlecht, aber eben laut seien. Auch die Autobahn wird positiv für die Stadtanbindung und negativ in Bezug auf Lärmemissionen wahrgenommen. Das aktuell meistdiskutierte Thema ist jedoch der seit den neuen Flugrouten gestiegene Lärm vom Himmel.

Die intensive Auseinandersetzung damit hat mittlerweile eine eigene Bürgerinitiative auf den Plan gerufen – die „BI Frankfurt-Nord gegen Fluglärm“. Auf dem 15. Polizeirevier im Wickenweg sollte eigentlich eine Messstation angebracht werden, um die tatsächliche Beeinträchtigung der Bewohner des Frankfurter Bergs durch den Fluglärm zu ermitteln. Doch auch dieser Standort hat sich mittlerweile wohl zerschlagen.

Daneben muss der Berkersheimer Weg dringend saniert werden und es fehlt eine weiterführende Schule neben der Albert-Schweitzer-Grundschule in besagtem Berkersheimer Weg. Der Bürgerverein setzt sich hier für eine gemeinsame Lösung mit dem benachbarten Berkersheim ein, da auch diesem Stadtteil eine weiterführende Schule fehlt.

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